Astrologie vs. Astronomie – ist das nötig?
Aus meiner Sicht ist das ein Scheingefecht. In diesem Beitrag möchte ich verdeutlichen, warum ich das so sehe – auch wenn ich kein ausgewiesener Experte auf diesen Gebieten bin. Manchmal kann es hilfreich sein, außerhalb des Systems zu stehen, da dies eine unvoreingenomme Betrachtung erleichtert. Die Astronomie ist anerkannte Wissenschaft, die Astrologie nicht. Daran scheinen sich gar zu viele Astrologen zu stören. Ehrlich gesagt verstehe ich nicht, warum.
Weshalb es derart erstrebenswert sein soll, als Wissenschaftsdisziplin anerkannt zu werden, läßt für Interpretationen nicht viel Raum. Es scheint wohl um Status zu gehen, und darum, daß Wohl und Weh des eigenen Selbstwertgefühls davon abhängig gemacht werden. Dabei hat die seriös betriebene Astrologie das doch eigentlich gar nicht nötig. Die Astronomen wiederum täten vielleicht gut daran, der Astrologie nicht andauernd ihre Existenzberechtigung streitig zu machen und sie abzuqualifizieren.
Es bietet sich an, zunächst einmal Astrologie und Astronomie zu definieren. Beide Begriffe stammen aus dem Griechischen.
Astrologie: Gestirnlehre, Sterndeutung
Die Lehre von der Deutung der Sternbahnen und der Konstellation der Gestirne, bezogen auf das menschliche Leben, die Wesenheit und das Schicksal des Menschen. Eine der wichtigsten Grundlagen dabei bilden die den Planeten zugeschriebenen Wesenskräfte. Sie verfügt über ethischen Inhalt, da sie davon ausgeht, daß das gesamte Weltall von zusammenhängenden Kräften und Strömen durchzogen ist, die aufeinander und den Menschen einwirken.
Astronomie: Gestirnkunde, Sternkunde, Himmelskunde
Bezeichnung für sämtliche Disziplinen der exakten Naturwissenschaften, die sich mit der Erforschung des Universums beschäftigen. Maßgeblich dabei ist, daß die wissenschaftlich gültigen / anerkannten Rahmenbedingungen der physikalischen Naturgesetze als gegeben vorausgesetzt werden.
Am Anfang stand die Astralreligion
Als die Astrologie um etwa 3000 Jahre vor unserer Zeitrechnung in Sumer entstand, war die Astronomie einer ihrer Bestandteile. Die Himmelskunde war - grob gesagt – die handwerkliche Basis für den eigentlichen Zweck: die Deutung. Gestirnkunde und –deutung waren Aufgabe der Priester. Denn die Entschlüsselung der himmlischen Ordnung war für die damaligen Menschen der Schlüssel zur irdischen Ordnung.
Für den frühzeitlichen Menschen waren der Kosmos und die Erde nichts anderes als Manifestationen der Großen Göttin (Tiamat, Inanna, Ishtar) und den Priestern oblag es, die Himmelsbotschaften zu deuten, um Übereinstimmungen und Beziehungen zwischen Himmel und Erde zu erkennen und die Verbindung zwischen Göttlichem und Profanem auszumachen. Im Wesentlichen ging es darum, Weisungen der Göttin zu interpretieren und angemessen darauf reagieren, meist vollzog sich dies in Ritus und geheiligter Handlung.
Darum ist es gar nicht mal falsch, in diesem Zusammenhang von „religiöser Wissenschaft“ zu sprechen. Das irdische Leben, das Geschick der Menschen hing also wesentlich davon ab, ob die Priester ihrer Verantwortung gewachsen waren. Denn Irrtümer in der Deutung konnten fatale Folgen haben. Die Beobachtung des Himmels, die Erfassung der Planeten (in jenen Zeiten waren dies: Sonne, Mond, Merkur, Venus, Mars), die Feststellung der jeweiligen Bahnen, Angaben zu Farbe, Form und Leuchtkraft, ihre (mutmaßliche) Entfernung zur Erde – all das bildete die Grundlage, um daraus Eigenschaften abzuleiten, die auch im Menschen zu finden sind.
Symbolik und Analogie spielen dabei natürlich eine wichtige Rolle. Die Prinzipien der „klassischen“ Wissenschaft hingegen gab es zu jener Zeit noch nicht, und wenn es sie gegeben hätte, hätten diese eine untergeordnete Rolle gespielt. Das Ziel der Astrologie war von jeher, dem Menschen (besser noch: die Seele des Menschen) Zugang zu einer höheren Sphäre zu ermöglichen, damit er sein Leben ordne und ihm einen Sinn gebe. Wenn also davon gesprochen wird, daß die Götter das Geschick der Menschen bestimmen, so ist damit gemeint, daß der Mensch sehr davon profitieren kann, indem er sie als Vorbilder betrachtet, um sich ihnen mehr und mehr anzugleichen.
“Fatum” hat nichts mit Determinismus zu tun
Dieses Verständnis von „Schicksal“ sollte jedoch nicht mit dem „Determinismus“, wie mensch ihn heute versteht, gleichgesetzt werden. Das Gilgamesch-Epos (das eben auch in jener Zeit entstand) bringt zum einen sehr schön zum Ausdruck, daß der Mensch eben nicht vom Willen der Götter abhängig, sondern für sein Schicksal selbst verantwortlich ist – zum anderen ist dort bereits alles angelegt, was (auch den modernen) den Menschen gedanklich, gefühlsmäßig, geistig und seelisch umtreibt.
Wir sollten uns jedoch trotzdem hüten, mit unserem heutigen „mind“ beurteilen zu wollen, ob die Menschen der Vorzeit „schlauer“ oder „dümmer“ als wir waren, ob sie „mehr“ oder „weniger“ wußten als wir. Meines Erachtens waren sie einfach nur anders. Sie hatten andere Prioritäten, ihre Weltsicht unterschied sich deutlich von der unseren, und somit zwangsläufig auch ihr Umgang mit den Fragen des Lebens, des Todes, des Verhaltens und der Sinngebung.
Wir müssen uns vergegenwärtigen, daß der „archaische“ Mensch keine Unterscheidung zwischen Materie und Geist vornahm, wie wir sie kennen; auch äußere und innere Zeit waren ein einziger Fluß, der nicht zwischen Objektivität und Subjektivität unterschied oder mit Begrifflichkeiten wie Quantität und Qualität hantierte; und wir dürfen nie außer acht lassen, daß wir es seit gerade einmal drei Jahrhunderten gewöhnt sind, Geist und Materie zu trennen, und daß das Kausalitätsprinzip als ausschließliches Prinzip der Naturwissenschaft erst seit rund 200 Jahren allgemeingültig ist.
Zyklus oder Linearität?
Von daher dürfte es auch nicht überraschen, daß die Einhaltung der Prinzipien der „klassischen“ Wissenschaft: Unterscheidbarkeit, Objektivität, Determinismus, Kausalität und der Satz vom ausgeschlossenen Dritten auf die Astrologie nicht anwendbar sind. Denn sie ist analog, affektiv, symbolisch und mystisch. Das Dasein des Menschen war eng verbunden mit spirituellem Sinn, außerdem erlebte der Mensch des Altertums die Zeit zyklisch: Geburt, Entwicklung, Reife, Verfall, Tod, Wiedergeburt. Darum waren Dinge wie Tod, Glück, Unglück weder ewig noch definitiv, sondern zeitlich befristet (ähnlich den Zyklen der Natur oder eben auch der Planeten). Stets folgte auf das Absterben die Erneuerung.
Das Konzept der linearen und determinierenden Einteilung der Zeit in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft – und damit die Unumkehrbarkeit der Zeit – ist eine Erfindung der Neuzeit, ebenso wie die Mechanisierung der kosmischen Abläufe (die natürlich und richtigerweise auf physikalischen Grundgesetzen beruhen). Die Unterschiede zwischen der damaligen Astrologie (mit der Astronomie als Bestandteil), der heutigen Astrologie und der Astronomie der Neuzeit sind derart frappierend und grundlegend, daß sich alleine aus diesem Grund ein Vergleich verbietet.
Und trotzdem hat die Astrologie in ihrer Entwicklung den Weg für die moderne Astronomie geebnet. In den folgenden Teilen werde ich anhand der Geschichte versuchen zu vermitteln, wie das vonstatten ging und welche Änderungen im Umgang mit der Astrologie dazu maßgeblich beitrugen. Da sind dann auch die Wurzeln dafür zu finden, warum es auch heute noch Menschen gibt, die darauf beharren, der Astrologie – unsinnigerweise - das Mäntelchen der Naturwissenschaft umzuhängen.


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Montag, 18. Mai 2009 um 23:42
Nun der Grund warum Astrologen wie Astronomen hier dermaßen Schwierigkeiten haben hat nicht nur seine Geschichte, sondern auch seine Moral.
Die Astronomie gehört zu den Wissenschaften, welche sich des Beweises als Legitimation es anderen weitererzählen zu dürfen bedienen.
Immerhin ist die Wissenschaft das bisher einzige Handwerkszeug der Menscheit gewesen was bei der Suche nach gemeinschaftlich verwertbarem Wissen funktioniert hat. Die Astronomie sucht also, und erklärt erst bei Findung.
Die Astrologie dagegen erklärt lediglich ohne Selbstzweifel, und hat sich schon immer dem Ruch des Nutzbaren ausgesetzt, - will meinen, - sie wurde immer als Machtinstrument ausgenutzt. ( Schon bei den Sumerern ).
Dann ist die Grundlage an sich mehr als zweifelshaft. Mittlerweile gehen Archäologen, Historiker als auch Völkerkundler davon aus, das Sternzeichen bereits vor ihrem Missbrauch durch die Astrologie sich als Navigationshilfen für Seefahrer etabliert haben, und dann in einer Art Eigeninterpretation mythisch weiterentwickelt haben. Mittlerweile können wir hier mit Zeiten von über 7000 Jahren in der Vergangenheit operieren. (Entschuldige wenn ich dies einwende, aber mit deinen 3000 Jahren meintest du sicher 3000 vor Christus, - also vor 5000 Jahren, - 1000 vor Christus können wir lediglich nur noch von der sumerischen Sprache als Gelehrtensprache sprechen ).
Vom heutigen Gebrauch der Astrologie kann also keinerlei Ernsthaftigkeit, - nicht mal aus einem wirklichen mythologischem Kontext her erwartet werden. Es ist einfach nur “I wish to believe”.
Montag, 18. Mai 2009 um 23:46
Nachtrag:
Entschuldige bitte, - habe gerade gesehen, das du “Vor unserer Zeitrechnung” geschrieben hast. Also vergiss bitte meinen Einwand mit den 3000 Jahren :-)
Dienstag, 19. Mai 2009 um 13:49
Der kosmische Mensch;
http://www.astrobroker.de/km/
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Ich habe diesen Kommentar mal freigeschaltet, auch wenn ich persönlich nicht viel damit anfangen kann. Was ich allerdings nicht so toll finde in diesem Zusammenhang ist das Posting eines Links ohne weitere Erläuterung und ohne auf den Text (damit meine ich meinen Text ebenso wie den, auf den verlinkt wird) einzugehen. Ich finde schon, die Zeit sollte mensch sich eigentlich nehmen…
Frank
Donnerstag, 21. Mai 2009 um 12:50
@ antiferengi: Danke für deinen Kommentar. Dein Hinweis, daß die Astronomie sucht, und erst bei Findung erklärt, ist sicherlich richtig; mir geht es allerdings in erster Linie darum, aufzuzeigen, daß Astronomie und Astrologie überhaupt nicht vergleichbar sind. Zum heutigen Gebrauch der Astrologie schreibe ich am Ende der Mini-Serie noch etwas - allerdings möchte ich auch den heutigen Umgang mit der Astrologie nicht mit dem damaligen (um 300 v.u.Z. - etwa zu Ptolemäus) vergleichen, da der mensch des Altertums eine völlig andere Sichtweise der Dinge hatte und speziell bei den “alten Griechen” noch keine Trennung zwischen Geistes- und Naturwissenschaften gezogen wurde. Aber das arbeite ich ja alles noch auf in den folgenden Beiträgen.
Sonntag, 24. Mai 2009 um 14:42
[...] der Einführung ging es in erster Linie darum, aufzuzeigen, daß Astrologie und Astronomie in ihren [...]
Sonntag, 31. Mai 2009 um 14:16
[...] der Einführung und dem ersten Teil der Geschichte und Entwicklung der Astrologie, der mit der ersten umfassenden [...]
Montag, 12. April 2010 um 14:18
Ich bin im Zuge allgemeiner Recherchen auf diese Seite gestoßen, und obgleich das Thema soweit einigermaßen abgehandelt scheint, möchte ich doch noch etwas dazu sagen.
Zunächst einmal Respekt vor dem offensichtlich “angstfreien” Umgang mit dem Thema, was durchaus nicht üblich ist.
Ich bin gespannt, die Verarbeitung des Themas in seinen 5 Teilen zu lesen, möchte aber schon hier einmal kurz auf einige wichtige Punkte reagieren. Sie sind nicht als Kritik zu verstehen, sondern als Ergänzung.
Zunächst denke ich, daß es wichtig ist, zu verstehen, daß die Astrologie der Ägypter und leztzlich die der Babylonier sich grundlegend von der hellenistischen Unterschied.
Die Astrologie, wie sie vor den Babyloniern und Chaldäern praktiziert wurde, war eine reine “Orakel-Astrologie”, die noch keinerlei Systematik und Gesetzmäßigkeit kannte. Man hatte Archive, in denen Planetenstände aufgezeichnet wurden, die gerade bestanden, als dieses und jenes geschah. Diese Datenbanken nutzte man, um bei ähnlichen Gestirnsständen das jeweilige weltliche Geschehen vorhersagen zu können.
Die hellenistische, oder “aufgeklärte” Astrologie, die auf der Grundlage von mathematischen und geometrischen Erkenntnissen der Pyhtagoreer aufbaute (Kosmos = “schöne Ordnung”), ist somit keineswegs so fernab der heutigen Naturwissenschaft - vielmehr wurde hier der Grundstein für die moderne Mathematik gelegt, die heute unverzichtbares geistiges Rüstzeug jeder Naturwissenschaft ist.
Astrologie muß bei den griechischen Denkern als “reine Geisteswissenschaft” verstanden werden - wie eben auch ihre Grundlage, die Mathematik eine solche ist.
Ich will hier nur kurz als Beispiel auf den hellenistischen Zodiakus verweisen (heute gebräuchlicher Tierkreis), der einen strengen mathematisch-geometrischen Aufbau aufweist, und dessen entsprechende Grundlage der “reine Logos” ist. Er stellt eine Art “Weltformel” auf der Grundlage des Logos dar, deren theoretische Aussagen alles andere, als im Widerspruch zu den modernen Wissenschaft stehen.
…Quod esset demonstrandum ;ö)
Das dies heute nicht hinterfragt oder wenigstens gewürdigt wird, liegt wohl daran, daß die heute praktizierte “Astrologie” (tatsächlich: “Horoskopie)noch immer auf der Grundlage steht, die im alten Griechenland als “astrologica vulgare” bezeichnet wurde, und die ihren Ursprung bei den chaldäischen Sterndeutern hat.
Wie tief dieses Mißverständnis in uns begraben ist, ist schon darin einfach erkennbar, daß nicht einmal Wikipädia zwischen “Astrologie” und “Horoskopie” unterscheidet - als könnte man die Teflonpfanne mit der Raumfahrt gleichsetzen ;ö)