Vor vierzig Jahren heute auf den Tag genau, am 26. September 1969, erschien das elfte und letzte Album einer Band, die in weniger als einer Dekade bereits Kultstatus erreicht hatte. Die Band, die dafür sorgte, daß der „Beat“ den „Rock’n’Roll“ ablöste; die Band, die Elvis vom Thron riß (wie die Residents mit „The Baby King“ eindrucksvoll untermauern); die Band, die der noch jungen Popmusik so viele wertvolle Impulse gegeben hat, hatte sich – obwohl bereits zerstritten – ein letztes Mal zusammengerauft, um zum Abschied noch einmal kraftvoll und voller Virtuosität zu belegen, daß sie diesen Status verdient.
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Kaum zu glauben, daß dieses Filmdebut der Gebrüder Coen mittlerweile 25 Jahre alt ist. Beide waren sie noch keine 30 Jahre alt, als sie ihren Erstling mit einem bescheidenen 1,5-Millionen-Dollar-Budget produzierten. In Deutschland hat dieser Film seltsamerweise immer noch den Nimbus eines Fan- oder Geheim-Tips (das hat sich auch nach dem Director’s Cut von 1998 nicht grundlegend geändert), obwohl er einer der besten Filme der Brüder ist.
Blood Simple ist jedoch nicht nur der erste Baustein in der Karriere der Coen-Brüder, sondern auch für eine Menge anderer Leute. Kamermann Barry Sonnenfeld arbeitete hier erstmals bei einem abendfüllenden Kinofilm mit (und danach noch zwei Mal für die Coens, bevor er sich dann als Regisseur einen Namen machte mit Filmen wie „Get Shorty“ und „Men in Black“), Frances McDormand startete mit diesem Film ihre Schauspielerkarriere, und Carter Burwell steuerte zum ersten Mal seine unverwechselbare Filmmusik bei (und avancierte zum Haus- und Hof-Komponist der Brüder).
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Lag der Schwerpunkt des ersten Teils dieser Buchbesprechung eher auf der formalen Ebene der Umsetzung und Ausgestaltung der Arbeit Friedells, so geht es heute um den geistigen und programmatischen Hintergrund, auch wenn Form und Inhalt natürlich nicht so eindeutig zu trennen sind, wie es nun vielleicht den Anschein erweckt. Denn die Stilmittel, die Friedell anwendet, fußen eben auch auf der grundsätzlichen Prioritätensetzung bei seiner Kulturgeschichte der Neuzeit.
Eine, wenn nicht die wichtigste Priorität, räumt Friedell der Krisis der Seele ein, d.h., die Geschichte der Menschheit in Europa ist für Friedell eine Geschichte ihrer Krisen, ihrer geistigen und seelischen Entwicklung, und der Auslöser für diese Entwicklung ist, wie auch häufig bei einzelnen Menschen, der Ausbruch einer Krankheit. Und so markiert er in seiner Kulturgeschichte den Ausbruch der Schwarzen Pest anno 1348 in Europa als den Beginn der Neuzeit.
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Wie im letzten Artikel zu Egon Friedell angekündigt, bespreche ich heute sein Hauptwerk: Kulturgeschichte der Neuzeit - Untertitel: Die Krisis der europäischen Seele von der Schwarzen Pest bis zum Weltkrieg. Der Untertitel deutet schon an, daß hier nicht irgendwelche Triebmechanismen oder soziologische Überlegungen die Hauptrolle spielen werden bei der geschichtshistorischen Aufarbeitung und Beurteilung von rund 500 Jahren Entwicklung in der Lebenswirklichkeit der Menschen, sondern der Blick vielmehr explizit auf die geistige und seelische Verfassung des Menschen an sich gerichtet wird.
Außerdem weicht Friedell vom Gros der Historiker seiner Zeit ab in der Frage der Terminierung der Neuzeit, die ja das Mittelalter als Epoche in Europa ablöst. Er setzt den Beginn der Neuzeit mit dem Ausbruch der Schwarzen Pest an, im Jahr 1348, also rund ein bis zwei Jahrhunderte früher als seine „Berufskollegen“. Warum er das tut erläutert er auch im Vorwort und dem ersten Kapitel seines Werks. Doch das sind bei weitem nicht die einzigen Unterschiede zwischen Friedells Werk und dem der anderen. Sein programmatischer Ansatz und seine Deutungsweise der kulturgeschichtlichen Entwicklung stehen in der Relation zu den anderen kulturhistorischen Abrissen seiner Zeit einzigartig da.
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