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Wissenswertes zu Weihnachten

 
Alle Jahre wieder feiern die Menschen, die sich dem (westlichen) Christentum zuordnen, in diesen Tagen das Fest von Christi Geburt – der Menschwerdung Gottes. Dabei wurde der 25. Dezember als Geburtstag erst zu Beginn des 4. Jhs. amtlich festgelegt und hat rein gar nichts mit dem wirklichen wahrscheinlichen Geburtstag von Jesus zu tun, dessen historische Realität weiterhin umstritten bleibt.
 
Es kursieren eine ganze Menge möglicher Geburtstage in der Weltgeschichte herum, wobei der 25. Dezember nicht gerade als glaubwürdigstes Datum gehandelt wird, da im Gebiet, in dem Jesus geboren wurde, die Hirten nur von März bis November mit ihren Herden im Freien übernachteten. Wie dem auch sei, da ich im November und Dezember zu den kirchlichen Feiertagen einschließlich den Adventstagen Beiträge geschrieben habe, möchte ich das nun auch zu Weihnachten tun.
 
Lucas Cranach der Ältere - Die Geburt Christi (um 1520)Historie des Weihnachtsfest
 
Ich finde es teils recht amüsant, welche Bräuche heute zu Weihnachten gehören, ohne daß ein Großteil der feiernden Menschen anscheinend überhaupt weiß, woher die Bräuche stammen und von wem sie eingeführt wurden und welchen Sinn sie haben. Eigentlich erwarte ich von Menschen, die sich zu einem bestimmten Glauben bekennen, daß sie über ihre Festtage Bescheid wissen, aber gerade bei den Christen werde ich häufig das Gefühl nicht los, daß sie über ihre Religion im Allgemeinen kaum etwas relevantes wissen.
 
Trotzdem strömen sie zu Weihnachten in genau die Kirchen, die sie unter das Jahr so gut wie gar nicht von innen zu Gesicht bekommen. Merkwürdig, sonderbar. Weniger sonderbar, aber sicher sehr merkwürdig (also würdig, es sich zu merken) ist da die Terminierung des Festes, kaum daß das Christentum in Rom zur Staatsreligion erklärt wurde. Denn es wurde genau auf jene Tage gelegt, die zuvor als „Saturnalien“ bekannt und beliebt waren beim Volk.
 
Der 25. Dezember war bei den Römern der „Geburtstag der unbesiegten Sonne“, bis Kaiser Konstantin das Volk dazu anhielt, nicht mehr die Sonne, sondern Christus anzubeten, der sich selbst ja als „Licht der Welt“ bezeichnet hat. Das paßte inhaltlich natürlich ganz gut und half dabei, die Saturnalien letztlich zu verdrängen. Wir sehen also, der Klerus im Christentum fing bereits frühzeitig damit an, vorchristliche Feiertage zu okkupieren und zu überlagern, um sie vergessen zu machen (und leider auch ihren Sinn zu verfälschen und dem Christentum anzupassen).
 
Ursprünglich wurden die Saturnalien vom 17. bis 23. Dezember abgehalten. Sie waren ein Opferfest zu Ehren des Gottes Saturn. In diesen Tagen blieben z.B. die Gerichte geschlossen, die Geschäfte ruhten, die Menschen überbrachten sich kleine Geschenke, sonst verbotene Glücksspiele waren erlaubt. Außerdem wurden alle sozialen Rangunterschiede vorübergehend aufgehoben, und bei dem öffentlichen Festmahl (Weihnachtsmahl) bedienten gar die Herren ihre Diener.
 
Von Beschwörungen, Rauhnächten und Weihnachtsriten
 
Der Begriff „Weihnachten“ wiederum bedeutet nichts anderes als „die geweihten Nächte um die Wintersonnenwende“ und entstammt vorchristlichen, sogenannten heidnischen Zeiten. Die Wintersonnenwende bezeichnet auf der Nordhalbkugel (also unserer Hemispähre) den kürzesten Tag des Jahres – der 21. Dezember. Ab da werden die Tage wieder länger. In vorchristlichen Zeiten war bei den Römern (während der Saturnalien) dieser Tag dem Gott Mithras geweiht, während bei den Germanen das „Julfest“ begangen wurde, ein Fruchtbarkeitsfest, auf das dann als fester Bestandteil die „Rauhnächte“ folgten.
 
Diese zwölf Nächte umfaßten den Zeitraum vom 25. Dezember bis zum 6. Januar. Ursprünglich wurden jedoch nur vier Nächte als Rauhnächte bezeichnet: merkwürdigerweise der 21. Dezember, dann die Christnacht, die Silvesternacht und schließlich die Nacht auf Heilige drei Könige. In Verbindung mit dem Julfest wurden Riten abgehalten, die zum einen dazu dienten, die Wiederkehr des früchtebringenden Frühlings zu beschwören, und zum anderen waren die langen, kalten Nächte seit Urzeiten mit Sorgen und Ängsten verbunden, denen die Menschen mit Beschwörungen beizukommen versuchten, auch später noch, im Christentum.
 
So wurde z.B. Großzügigkeit großgeschrieben beim Spenden (Bettler, „Sternsinger“), um die bösen Geister zu besänftigen, zu denen übrigens auch Frau Holle gehörte (eine Hexe), die zur Zeit des Nationalsozialismus (der die altgermanischen Bräuche in pervertierter Form wieder aufleben ließ) tatsächlich Nikolaus und Christkind (das Luther seinerzeit erfunden hatte, um den Hl. Nikolaus zu verdrängen) ersetzen sollte. Einige unserer Bräuche entstammen also sehr alten Zeiten bzw. erinnern an sie: Bleigießen zu Silvester (Orakel), der Brauch des Trinkgeldes zum neuen Jahr für Müllmänner und Postboten, das Räuchern der Wohnräume und Stallungen (mit Weihrauch) sollen hier beispielhaft genannt sein.
 
Immergrün – Symbol des Lebens
 
Nach all diesen Infos wird es nun wahrscheinlich auch nicht mehr verwundern, daß natürlich auch der Brauch des Weihnachtsbaumes kein originär christlicher ist und dieser sogar erst recht spät zu einem festen Bestandteil des Weihnachtsfestes wurde. Sehr grob terminiert kann festgehalten werden: vom 4. bis 6. Jh. entwickelte sich das Weihnachtsfest langsam, aber stetig; ab dem 6. Jh. bis ins 16. Jh. hinein kamen das Schmücken, die Krippen und Weihnachtslieder hinzu; ab dem 16. Jh. dann werden die ersten Christbäume bezeugt, die Krippen hielten Einzug in die Privathäuser, bei den Protestanten wurde das „Kinder beschenken“ obligatorisch; ab dem 19. Jh. schließlich kann das Weihnachtsfest durchaus als Familienfest bezeichnet werden und nimmt seitdem immer kommerziellere Züge an.
 
Doch zurück zum Christbaum. Immergrüne Gewächse wurden schon von jeher als Symbol des Lebens gesehen und hatten zum einen die Aufgabe, die Angst vor einem „ewigen Winter“ zu bannen und waren zum anderen Sinnbild für die Wiederkehr der Sonne. So bekränzten die Römer ihre Häuser während der Saturnalien mit Lorbeerzweigen, in Deutschland wurden die immergrünen Bäume mit Strohsternen und Gebäck geschmückt, um die Pflanzengeister um eine gute Ernte zu bitten, ab dem Mittelalter stellten sich die Menschen Tannenzweige ins Haus und hängten ab dem 16.Jh. sogar Eiben, Stechpalmen, Buchsbäumchen und Misteln in der guten Stube auf.
 
Der Weihnachtsbaum, wie wir ihn kennen – nämlich stehend – wird zum Ende des 16. Jh. erstmals bezeugt. Zwar soll es einen Kupferstich von Lucas Cranach d.Ä. aus dem Jahre 1509 geben, auf dem ein mit Lichtern und Sternen geschmückter Tannenbaum zu sehen sein soll, doch mir ist es bis jetzt nicht gelungen, davon eine Abbildung aufzutreiben. Darum gilt für mich das Aufstellen eines Christbaums zu Dekorationszwecken im Jahr 1597 in Bremen durch die Handwerkerzunft als erster Beleg.
 
Der Christbaum setzte sich in der Öffentlichkeit durch und löste als Weihnachtsschmuck Nr. 1 schließlich auch die „Krippe“ in den Wohnstuben ab (obwohl die Krippe auch heute noch in nicht wenigen katholischen Haushalten zu Weihnachten aufgestellt wird), obwohl der Klerus diesem „heidnischen Symbol“ lange Zeit durchaus ablehnend gegenüberstand. Ab dem 18. Jh. beginnt der eigentliche Siegeszug des Weihnachtsbaums, von 1815 an (Biedermeier) ersetzen Fichte und Tanne zunehmend die anderen Immergrünen, und in diesem Jahr wurden allein in Deutschland rund 29 Millionen(!) Weihnachtsbäume verkauft.
 
Zu Beginn wurden die Christbäume mit Äpfeln, Lebkuchen, Papierblumen, Strohsternen, Früchten und Zuckerwaren geschmückt, Kerzen kamen erst später hinzu und stehen für das ewige Licht Jesu, so wie es in den Kirchen ganzjährig gepflegt wird. Weihnachtskugeln aus Glas und Keramik sowie Lametta sind eine Erfindung der Neuzeit und belegen die Kommerzialisierung sehr deutlich. Denn bedeutungsvoll sind lediglich der Stern als Christbaumspitze (er symbolisiert den Stern zu Bethlehem, dem die 3 Weisen aus dem Morgenland folgten), die Strohsterne (bei den Christen Symbol für Jesus, den Morgenstern und das Stroh in der Krippe), die Äpfel in der Frühzeit des Schmückens sollten an den Sündenfall im Paradies gemahnen.
 
Eine Merkwürdigkeit zum Abschluß
 
Zum Schluß dieses Artikels möchte ich noch auf eine kleine Absurdität hinweisen: weiter oben hatte ich bereits erwähnt, daß das „Christkind“ (auch „Christkindl“) eine Erfindung Martin Luthers ist, mit der er den Heiligen Nikolaus verdrängen wollte. Dies ist ihm insofern gelungen, daß ausgerechnet die katholischen Christen das Christkindl als Muß betrachten, wenn es darum geht, wer die Geschenke bringt, während die evangelischen Kreise den Weihnachtsmann bevorzugen, dessen charakteristische Erscheinungsform (dicklich, weißer Bart, roter Mantel usw.) bereits seit dem 19. Jh. bekannt ist.
 
Der Weihnachtsmann ist also nicht die Erfindung eines us-amerikanischen Getränkekonzerns, obwohl dieser im letzten Jahrhundert sehr viel dazu beigetragen hat, daß diese Figur (als “Santa Claus”, was übersetzt nichts anderes heißt als Heiliger Klaus [Nikolaus]) so populär wurde, daß sie z.B. in vielen Teilen Deutschlands das Christkind weitestgehend verdrängen konnte. Und damit beschließe ich nun auch den ersten Teil meines Beitrags. Der zweite Teil folgt dann nach den Feiertagen (am Montag oder Dienstag) und wird sich dann mit dem heutigen Umgang des Festes beschäftigen.
 

2 Kommentare

  1. Atheismus / Theismus » Wissenswertes zu Weihnachten | de tempore:

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  2. Weihnachten – Silvester – Jahresendzeit – Streßzeit? | de tempore:

    [...] ich am 1. Weihnachtstag eine kleine Sammlung von Wissenswertem zu diesem Fest veröffentlicht habe, möchte ich in [...]

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