Goethe gechannelt
Heute ist zwar bereits der 7. Februar, doch es ist der erste Sonntag des Monats, und so feiere ich ein kleines und wohl nur mir wichtiges Jubiläum. Der 1. Februar des letzten Jahres war ebenfalls der erste Sonntag, und an diesem Tag ging dieses Blog online, damit ich mir selbst einen Ausgleich schaffen konnte zur Tagespolitik, der ich es unseligerweise erlaubt hatte, mein damaliges Blog “Amok Koma” zum Schluß so derartig zu dominieren, daß ich nahe dran war, geistig zu veröden.
Eröffnet wurde mit Walt Whitman und einem meiner Lieblingsgedichte von ihm. Bemerkenswerterweise – es war mir zu diesem Zeitpunkt gar nicht bewußt – war 2009 auch das Jahr der Astronomie, und es finden sich recht viele Beiträge in diesem Blog (das war dann schon mehr oder weniger beabsichtigt), die das Thema zumindest streifen. Nun, dieses kleine Jubiläum möchte ich nun mit einem Dichter begehen, an dem wohl kein(e) Deutsche(r) vorbeikommt, obs gefällt oder nicht.
Der folgende Beitrag ist ein Repost, denn er wurde vor etwa zwei Jahren bereits bei “Amok Koma” ins Netz gestellt und war eines der ersten Beiträge vom Chef, meinem Katzer, der mich auf schnodderige Weise beim Bloggen unterstützte, lange bevor “Amok Koma” ins Verkrampfte abglitt. Ich wurde im letzten Jahr öfter mal drauf angesprochen, ob ich den einen oder anderen Beitrag von “Amok Koma” wieder ins Netz stellen könnte. Das würde ich ja gern bei einigen wenigen Texten tun, aber ich habe mir nie Sicherheitskopien gemacht und nur wenige Texte vorgeschrieben, daher ist da nichts zu machen.
Allerdings finde ich das auch nicht sonderlich tragisch, denn die meisten Texte waren auf die Tagespolitik bezogen und haben aufgrunddessen auch keinen Erhaltungswert an sich, so wie die meisten tagesjournalistischen (hey, ein Pleonasmus!) Texte überhaupt in der Regel keinerlei Wert haben, zumindest nicht mehr heutzutage. Aber ich will hier nicht schwafeln, sondern lieber Goethe das Wort erteilen, den ich vor rund zwei Jahren gechannelt (glauben Sie das!) und zu Deutschland, seinen Menschen und seiner Politik befragt habe.
Nun, ich muß gestehen, seitdem hat zwar die Regierung gewechselt, grundlegende Änderungen haben sich jedoch nicht ergeben, so daß ich das gechannelte Gespräch mit Goethe durchaus noch einmal einstellen kann, da alles, was er zu den befragten Themen zu sagen wußte, nach wie vor ohne Einschränkung gilt.
Nachfolgend also die Aufzeichnung des Channelings.
Goethe gechannelt – 7 Fragen zu Deutschland
1. Frage: Wie beurteilt Goethe die heutige politische Lage?
Antwort:
Das Unglück ist im Staat, daß niemand leben und genießen, sondern jeder regieren will. Es ist ferner kein Ernst da, der ins Ganze geht, kein Sinn, dem Ganzen etwas zuliebe zu tun, sondern man trachtet nur, wie man sein eigenes Selbst bemerklich mache und es vor der Welt zu möglicher Evidenz bringe. Ja, viele kommen zur Erkenntnis des Vollendeten und ihrer eigenen Unzulänglichkeit nie und produzieren Halbheiten bis an ihr Ende.
2. Frage: Was hält Goethe von den Menschen?
Antwort:
Ich hätte die Erbärmlichkeit der Menschen und wie wenig ihnen um wahrhaft große Zwecke zu tun ist, nie so kennengelernt, wenn ich mich nicht durch meine naturwissenschaftlichen Bestrebungen an ihnen versucht hätte. Es scheint, daß die gütige Natur allen denen, die bei ihr in höherer Hinsicht zu kurz gekommen sind, die Einbildung und den Dünkel als versöhnendes Ausgleichungs- und Ergänzungsmittel gegeben hat.
3. Frage: Da er es selbst kurz angeschnitten hat, was hält Goethe von der Wissenschaft heutzutage?
Antwort:
Den meisten ist die Wissenschaft nur etwas, insofern sie davon leben, und daß sie sogar den Irrtum vergöttern, wenn sie davon ihre Existenz haben.
4. Frage: Und was sagt Goethe zur Gesellschaft?
Antwort:
Es geht uns alten Europäern mehr oder weniger allen herzlich schlecht; unsere Zustände sind viel zu künstlich und kompliziert; unsere Nahrung und unsere Lebensweise ist ohne die rechte Natur, und unser geselliger Verkehr ohne eigentliche Liebe und Wohlwollen - jedermann ist fein und höflich, aber niemand hat den Mut, gemütlich und wahr zu sein, so daß ein redlicher Mensch mit natürlicher Neigung und Gesinnung einen recht bösen Stand hat.
5. Frage: Apropos, da stellt sich die Frage zur heutigen Jugend.
Antwort:
Es geht bei uns alles dahin, die liebe Jugend frühzeitig zahm zu machen und alle Natur, alle Originalität und alle Wildheit auszutreiben, so daß am Ende nichts übrigbleibt als der Philister (Anm.:Spießer, engstirnig, engherzig). Ach, wenn ich die Studenten sehe - kurzsichtig, blaß, mit eingefallener Brust, das ist das Bild der meisten, wie sie sich mir darstellen. Von gesunden Sinnen und Freude am Sinnlichen ist bei ihnen keine Spur, alles Jugendgefühl und alle Jugendlust ist bei ihnen ausgetrieben, und zwar unwiderbringlich; denn wenn einer in seinem zwanzigsten Jahre nicht jung ist, wie soll er es erst in seinem vierzigsten sein!
6. Frage: Natürlich auch noch eine Frage zur Literatur und Schreibe allgemein.
Antwort:
Mangel an Charakter der einzelnen forschenden und schreibenden Individuen ist die Quelle alles Übels unserer neuesten Literatur. Besonders in der Kritik zeigt dieser Mangel sich zum Nachteil der Welt, indem er entweder Falsches für Wahres verbreitet, oder durch ein ärmliches Wahre uns um etwas Großes bringt, das uns besser wäre.
7. und letzte Frage: Hat Goethe für uns einen Tip, um es besser zu machen?
Antwort:
Sehr viel ist zu erreichen durch Strenge, mehr durch Liebe. Das meiste aber durch Einsicht und eine unparteiische Gerechtigkeit, bei der kein Ansehen der Person gilt. Aber eben, weil wir mehr sein wollen und überall einen großen Apparat von Philosophie und Hypothesen mit uns herumführen, verderben wir es.
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Tja, soweit dieses Channeling mit Jottpunktwepunkt. Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen, außer, daß ich kurze Zeit darauf auch noch ein Channeling mit Schiller machen wollte, doch der hatte keine Zeit; außerdem roch es die ganze Zeit über während dieser Bemühungen nach faulen Äpfeln, so daß ich doch ganz froh war, daß dieses Channeling letztendlich nicht zustande kam.


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Montag, 8. Februar 2010 um 10:01
Also, - ich sehe du kennst die richtigen Leute.
Du könntest mir übrigens bei deiner evtl. nächsten Seance mit Goethe einen Gefallen tun, - und ihn fragen warum es ihm nie gelungen ist sein Talent über sich selber nachzudenken, nicht auch seinem Kumpel Lord Byron zu vermitteln ;-) Mir ist, betreff Byrons Psyche einiges unklar. Trotzdem haben beide sich gegenseitig vergöttert.
Aber vielleicht liegt die Lösung ja schon in der Antwort auf die siebente Frage. Also lass man gut sein ;-)
Montag, 8. Februar 2010 um 10:10
Nachtrag.
Danke auch nochmals wegen Walt Whitman. Ich befürchte, ich muss vermehrt auch deine älteren Sachen durchstöbern.
Dienstag, 9. Februar 2010 um 13:43
Hey, so einen Chef hab ich hier auch unter meinem Schreibtisch sitzen, nur dass meiner ein ein Hund ist ;-)
weiterhin frohes Schaffen wünsche ich :-)