Hatte ich in meinem letzten Beitrag zu Erich Kästner den Fokus auf seine Chansons und Prosa der Jahre 1945 bis 1948 gelegt, die im Bändchen „Der tägliche Kram“ zusammengefaßt sind, so möchte ich heute „Die kleine Freiheit“ besprechen, die Chansons und Prosa der Jahre 1949 bis 1952 enthält und die Entstehung und allerersten Jahre der Bundesrepublik dokumentiert – aus der Sicht eines Moralisten natürlich, der seinen Landsleuten den (schon damals) dringend benötigten Spiegel vorhält.
Vor nicht allzulanger Zeit haben wir 60 Jahre Grundgesetz gefeiert (na ja, im Groben), in einer Phase, in der unsere Politiker sich als ärgste Feinde eben dieses Grundgesetzes generieren, denn wie sollte es anders zu erklären sein, daß das Bundesverfassungsgericht in schöner Regelmäßigkeit Gesetze einkassiert, weil sie gegen das Grundgesetz verstoßen? Erich Kästners Schriften der frühen Jahre der Bundesrepublik lassen insofern aufmerken, daß es wohl schon von Beginn an Politikersport war, das Grundgesetz auszuhöhlen, kaum daß es verabschiedet war.
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Heute ist Erich Kästners Geburtstag – würde er noch leben, wäre er heute 111 Jahre alt. In meinem ersten Beitrag über Kästner hatte ich geschrieben, daß ich es sehr bedauerlich finde, daß dieser Autor fast ausschließlich mit Kinderbüchern und seichteren Unterhaltungsromanen in Erinnerung ist und leider weniger mit seinen Gedichten, dem Roman „Fabian“ und den Schriften, die von ihm nach 1945 erschienen sind.
Darum möchte ich in zwei Beiträgen auf zwei Bücher aufmerksam machen, die eine Fundgrube für jeden sind, der etwas Verläßliches über die unmittelbare Zeit nach dem Zusammenbruchs des Nationalsozialistischen Deutschlands erfahren will: „Der tägliche Kram – Chansons und Prosa von 1945 – 1948“ und „Die kleine Freiheit – Chansons und Prosa von 1949 – 1952“. Zuvor allerdings gibt es noch einen kurzen Abriß zu Erich Kästners (Über-) Leben von 1933 bis 1945, zum besseren Verständnis.
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Am 23. Februar würde Erich Kästner 111 Jahre alt. Zugegeben, keines dieser runden Jubiläen, die mit Zahlenwerten wie 25, 50, 100, 250 usw. operieren; ehrlich gesagt benötige ich auch nicht wirklich solcherlei Anlässe und Begründungen, um mich einem jener Menschen zu widmen, der mich beeindruckt hat und mit dazu beitrug, daß mein Leben die Richtung nahm, die es genommen hat.
Tatsächlich liegt der Anlaß im Wetter begründet und in der Jahreszeit. Denn hier in Konstanz ist Fasnacht, ein Karneval, der sich doch deutlich von dem im Ruhrgebiet unterscheidet, dem ich alljährlich aus dem Weg gegangen bin. Ich feiere zwar auch hier nicht die kalendarisch verordnete Fröhlichkeit, aber ich kann sie gelassener hinnehmen, da ich in dieser Gegend zumindest das Aufgreifen echter Tradition wahrnehmen kann. Nun, und dieses Jahr versinkt die Fasnacht im Schnee, denn der will einfach nicht aufhören zu fallen.
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Frank,
14.02.2010, 14:18 | Abgelegt unter: Literatur, Menschen, Musik | RSS 2.0 | TB | Tags: Denken, Erich Kästner, Gedicht, Intuition, Satire, Seele, Wahrnehmung | 2 Kommentare
Wie im vorherigen Beitrag versprochen gibt es heute Original-Lesestoff aus den von Lessing 1759 veröffentlichten „Fabeln. Drei Bücher. Nebst Abhandlungen mit dieser Dichtungsart verwandten Inhalts“. Den Anfang macht die erste Fabel des ersten Buches, die auch sehr gut als Prolog verstanden werden kann und auf symphatische Weise leicht selbstironisch daherkommt. Die zweite Fabel ist „Die Geschichte des alten Wolfs in 7 Fabeln“ aus dem dritten Buch, die etwas länger ist und zu meinen Lieblingsfabeln zählt.
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Der am 22. Januar 1729 geborene Gotthold Ephraim Lessing zählt zu den wenigen aufklärerischen Philosophen und Schriftstellern in Deutschland, die meiner Ansicht nach tatsächlich auch heute noch lesenswert sind. Am Bekanntesten dürfte wohl das 1779 erschienene „Nathan der Weise. Ein dramatisches Gedicht“ sein, das seine Uraufführung allerdings erst 1783, zwei Jahre nach Lessings Tod, erlebte.
Lessing gilt als Reformer und Neuerer. Diesen Ruf genießt er zurecht, da er mit „Miß Sara Sampson“ 1755 das erste deutsche bürgerliche Trauerspiel publizierte, das im gleichen Jahr auch seine Erstaufführung hatte. Bis dahin waren Hauptrollen in der Tragödie den Königen und Kaisern, sowie den Märtyrern und Heiligen, vorbehalten worden. Bürgerlichen Protagonisten hingegen wurden lediglich Lustspiele zugebilligt.
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Vor knapp zwei Wochen war der kalendarische Herbstbeginn, nach einem Sommer, der seinen Namen endlich einmal wieder verdiente. Die Ernten sind eingefahren; Hagelstürme im Frühjahr haben in unserer Region etliche Rebstöcke zerstört, so daß unsere Spital-Kellerei in Konstanz z.B. tatsächlich auf „Fremdweine“ angewiesen ist, um dieses Jahr überhaupt Wein anbieten zu können; auch die Landwirte im Umkreis haben es nicht einfach gehabt. Die Tage werden kürzer, die Nächte länger; der erste Rauhreif liegt auf den Wiesen, und bald wird der für Konstanz so typische Nebel kommen.
Alles in allem eine Zeit, die für Rückzug steht, für Innehalten. Außerdem sind heute der „Welttag der geistigen Gesundheit“ und „Internationaler Tag der seelischen Gesundheit“. Was liegt für mich also näher, als dazu meinen kleinen, bescheidenen Beitrag zu leisten; dies möchte ich tun, indem ich eine handvoll Herbstgedichte und ein Musikstück präsentiere.
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Tintagel, die legendäre Burg in Cornwall, seit Tennyson Geburtsstätte von König Arthur, hat von jeher die Phantasie jener Künstler beflügelt, die einen Sinn für Romantik besitzen und sich den Glauben an die Kräfte der Mystik und des Mythos erhalten haben. Zwei Werke solcher Künstler möchte ich heute vorstellen und empfehlen. Sie könnten verschiedener nicht sein, trotz des gleichen Titels.
Das eine ist eine symphonische Dichtung des britischen Komponisten Arnold Bax, das andere ein Science Fiction Roman des amerikanischen Autors Paul Cook. Beide haben an der Vollendung ihres Werks rund drei Jahre gearbeitet. Und wenn vom Komponisten Arnold Bax der Ausspruch überliefert ist, daß ihm die ganze Musikgeschichte nicht das wert sei, was das Werk Yeat’s ihm gebe, so verhält es sich bei Paul Cook genau entgegengesetzt, dem ohne die Werke der modernen klassischen Musik sein Roman undenkbar erscheint.
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Übermorgen, am 1. September, ist wieder Antikriegstag. 1957 vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) ins Leben gerufen, um an den Überfall der Deutschen Wehrmacht auf Polen zu erinnern, der den 2. Weltkrieg zur Folge hatte, entwickelte sich der Antikriegstag im Laufe der Zeit mehr und mehr in Richtung Weltfriedenstag, auf dem gegen sämtliche Kriege Stellung bezogen wurde und wird, auch gegen aktuelle Kampfeinsätze.
Eine Weile sah es so aus, als brauchte die Menschheit sich keine Sorgen mehr zu machen wegen eines 3. – womöglich auch noch atomaren – Weltkrieges; doch das hat sich wieder geändert. Angesichts der Unfähigkeit der Politik, Konflikte friedlich zu lösen, ist das Szenario eines Krieges mit Atomwaffen nicht mehr zur Gänze auszuschließen. Mir drängt sich da die Frage auf, wie weit es eigentlich tatsächlich her ist mit dem sogenannten geistigen und kulturellen Fortschritt unserer Spezies.
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Im vorherigen Beitrag ging es noch hauptsächlich um die Romanvorlage des Films: Träumen Roboter von elektrischen Schafen? von Philip K. Dick. Heute geht es um die Geschichte zur Verfilmung, um die zwei verschiedenen Fassungen und um die Frage, warum Blade Runner in der Tat zu den besten Science Fiction Filmen gehört, die je über die Leinwand geflimmert sind – und damit ist ausdrücklich der Director’s Cut gemeint.
Doch da dieser erst ein knappes Jahrzehnt nach der Veröffentlichung der - durch die Produzenten angeordneten - verstümmelten Fassung von 1982 erschien, gehe ich natürlich zunächst auf diese erste Veröffentlichung ein; denn anhand der Irritationen, die die 1982er-Version bei so manchem Kinogänger ausgelöst hat, läßt sich besonders gut darstellen, warum der 1991 erschienene Director’s Cut (also die Originalversion) so genial ist.
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Wie in der Einführung zu dem US-amerikanischen Autor Philip K. Dick angekündigt, folgt heute der Artikel zu seinem 1966 geschriebenen Roman „Do androids dream of electric sheep?“ (dt. Träumen Roboter von elektrischen Schafen?), der 1968 veröffentlicht wurde. Kurze Zeit nach der Veröffentlichung erwarb die Filmindustrie bereits eine Option auf eine mögliche Verfilmung, die dann um 1973 etwa konkret wurde durch die Vorlage eines ersten Drehbuchs, das Philip K. Dick jedoch für ziemlich unausgegoren hielt.
Die Geschichte um die (langwierige) Entstehung und Realisierung des Films wird in der Fortsetzung (nächste Woche) Bestandteil dieses zweiteiligen Beitrags sein. Immerhin zogen von der Option bis zur endgültigen Verfilmung unter Regisseur Ridley Scott Anfang der 1980er Jahre über 10 Jahre ins Land, einschließlich wechselnder Drehbuchautoren und Konzeptionen, die schließlich in den SF-Klassiker „Blade Runner“ mündeten, den es jedoch ebenfalls in verschiedenen Fassungen gibt.
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