Am Samstag, den 10. April, ist am Morgen zwischen 8 und 10 Uhr der „Chef“ gestorben. Höchstwahrscheinlich im Schlaf. Das Herz verweigerte einfach seinen Dienst. Es war wohl ein friedlicher, ein gnädiger Tod. Als ich ihn fand, lag er beinahe wie immer da, an seinem Lieblingsplatz der letzten Monate, unter meinem Schreibtisch.
Ich bin traurig, ich vermisse ihn. Beinahe vier Wochen sind seitdem vergangen und ich war außerstande, irgendetwas zu schreiben über Musik, Film, Literatur und all den anderen Dingen, mit denen ich mich sonst so gern beschäftige. 16 Jahre hat diese Katze mich durch mein Leben begleitet, das sich in diesen Jahren durch drei sehr verschiedene, wichtige Lebensabschnitte gekennzeichnet hat. Drei verschiedene Lebenspartner, drei verschiedene Städte. Aufbruch, Abbruch, Aufbruch, Abbruch, Zusammenbruch und neuer Aufbruch.
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Vielleicht ist es wem aufgefallen, vielleicht auch nicht; seit meinem letzten Beitrag zu Erich Kästner sind rund zwei Wochen ins Land gezogen. Zwei Wochen, in denen ich wenig Zeit hatte und (leider) noch weniger Muße. Zwei Wochen, in denen nahezu sämtliche Jahreszeiten in raschem Wechsel von der Natur noch einmal durchgehechelt wurden – und nun ist Frühlingsanfang und es regnet.
Aber das macht nichts, denn an diesem Wochenende kann ich mal wieder durchatmen. Von der fehlenden Muße (zum Schreiben) einmal abgesehen hatte ich natürlich schon Zeit, um über gewisse Dinge nachzudenken. Zum Beispiel über dieses Blog hier. Letztes Jahr hatte ich ja recht konsequent mindestens einmal in der Woche einen Beitrag veröffentlicht, in diesem Jahr ist die Quote geringer. Darüberhinaus ist mir aufgefallen, daß sich die Politik doch noch – auf Umwegen – hineingeschlichen hat (mit Frau Käßmann, dem Afghanistankrieg, sogar mit Erich Kästner, was sich natürlich nicht ganz vermeiden ließ) – für mich Grund, eine Art Notbremse zu ziehen.
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Hatte ich in meinem letzten Beitrag zu Erich Kästner den Fokus auf seine Chansons und Prosa der Jahre 1945 bis 1948 gelegt, die im Bändchen „Der tägliche Kram“ zusammengefaßt sind, so möchte ich heute „Die kleine Freiheit“ besprechen, die Chansons und Prosa der Jahre 1949 bis 1952 enthält und die Entstehung und allerersten Jahre der Bundesrepublik dokumentiert – aus der Sicht eines Moralisten natürlich, der seinen Landsleuten den (schon damals) dringend benötigten Spiegel vorhält.
Vor nicht allzulanger Zeit haben wir 60 Jahre Grundgesetz gefeiert (na ja, im Groben), in einer Phase, in der unsere Politiker sich als ärgste Feinde eben dieses Grundgesetzes generieren, denn wie sollte es anders zu erklären sein, daß das Bundesverfassungsgericht in schöner Regelmäßigkeit Gesetze einkassiert, weil sie gegen das Grundgesetz verstoßen? Erich Kästners Schriften der frühen Jahre der Bundesrepublik lassen insofern aufmerken, daß es wohl schon von Beginn an Politikersport war, das Grundgesetz auszuhöhlen, kaum daß es verabschiedet war.
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Heute ist Erich Kästners Geburtstag – würde er noch leben, wäre er heute 111 Jahre alt. In meinem ersten Beitrag über Kästner hatte ich geschrieben, daß ich es sehr bedauerlich finde, daß dieser Autor fast ausschließlich mit Kinderbüchern und seichteren Unterhaltungsromanen in Erinnerung ist und leider weniger mit seinen Gedichten, dem Roman „Fabian“ und den Schriften, die von ihm nach 1945 erschienen sind.
Darum möchte ich in zwei Beiträgen auf zwei Bücher aufmerksam machen, die eine Fundgrube für jeden sind, der etwas Verläßliches über die unmittelbare Zeit nach dem Zusammenbruchs des Nationalsozialistischen Deutschlands erfahren will: „Der tägliche Kram – Chansons und Prosa von 1945 – 1948“ und „Die kleine Freiheit – Chansons und Prosa von 1949 – 1952“. Zuvor allerdings gibt es noch einen kurzen Abriß zu Erich Kästners (Über-) Leben von 1933 bis 1945, zum besseren Verständnis.
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Am 23. Februar würde Erich Kästner 111 Jahre alt. Zugegeben, keines dieser runden Jubiläen, die mit Zahlenwerten wie 25, 50, 100, 250 usw. operieren; ehrlich gesagt benötige ich auch nicht wirklich solcherlei Anlässe und Begründungen, um mich einem jener Menschen zu widmen, der mich beeindruckt hat und mit dazu beitrug, daß mein Leben die Richtung nahm, die es genommen hat.
Tatsächlich liegt der Anlaß im Wetter begründet und in der Jahreszeit. Denn hier in Konstanz ist Fasnacht, ein Karneval, der sich doch deutlich von dem im Ruhrgebiet unterscheidet, dem ich alljährlich aus dem Weg gegangen bin. Ich feiere zwar auch hier nicht die kalendarisch verordnete Fröhlichkeit, aber ich kann sie gelassener hinnehmen, da ich in dieser Gegend zumindest das Aufgreifen echter Tradition wahrnehmen kann. Nun, und dieses Jahr versinkt die Fasnacht im Schnee, denn der will einfach nicht aufhören zu fallen.
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Frank,
14.02.2010, 14:18 | Abgelegt unter: Literatur, Menschen, Musik | RSS 2.0 | TB | Tags: Denken, Erich Kästner, Gedicht, Intuition, Satire, Seele, Wahrnehmung | 2 Kommentare
Was hat James Camerons Film Avatar mit Afghanistan zu tun? Und was hat der Begriff Amoralität im Kontext mit Afghanistan und Avatar im Titel zu suchen? Darum geht es in dieser Fortsetzung meines Beitrags von letztem Samstag. Den Schwerpunkt des heutigen Artikels werde ich auf die Ethik legen; ein Begriff, der heute im öffentlichen Raum keine Rolle mehr zu spielen scheint. Dies finde ich nicht nur sehr bedauerlich, sondern es bereitet mir sogar Sorge, denn wo es an Ethik mangelt, ist es mit der Kultur nicht mehr weit her.
Nun möchte ich allerdings nicht seitenlang abstrakt darüber debattieren, was Ethik ist, worin sie sich von Moral unterscheidet und dergleichen mehr. Daher an dieser Stelle ein Link zu einer Seite, die recht griffig den Begriff Ethik erläutert und in Kurzform auf verwandte Begriffe, Art und Herleitung sowie inhaltliche Aussagen und Art und Begründung der Ethik eingeht (die Seite öffnet sich in einem neuen Fenster). Wenn ich nun also von Ethik spreche, dann meine ich damit explizit eine humanistische, demokratische Ethik.
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Wer sich durch den obigen Titel an die Alliteration Kinder, Küche, Kirche erinnert fühlt, liegt gar nicht so weit daneben, denn ich bin der festen Überzeugung, daß die harsche und teils völlig überzogene Kritik an Frau Käßmanns Position zum Afghanistankrieg aus politischen und (leider auch) intellektuellen Kreisen aus genau jenem schlammigen Nährboden erwächst, den die Theatermacher Dario Fo und Franca Rame bereits vor Jahrzehnten u.a. in ihrem Stück „Nur Kinder, Küche, Kirche“ kritsch hinterfragten und teils persiflierten.
Aber ich möchte in diesem Beitrag nicht über die Theaterstücke schreiben, auch wenn sie nach wie vor aktueller sind, als manche Menschen wahrhaben möchten; in diesem Beitrag möchte ich vielmehr auf grundsätzliche Muster eingehen, die mir im Zusammenhang mit Frau Käßmann, den Umgang mit Afghanistan und der Kritik am Krieg auffallen. Es sind inhumane und demokratiefeindliche Muster, es sind Muster, die den sogenannten geistigen Fortschritt der Menschheit ernsthaft in Frage stellen.
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2010 ist nun 10 Tage alt und meine kleine Auszeit ist zu Ende. Ehrlich gesagt erkenne ich zum abgelaufenen Jahr keine Unterschiede. Da ich im letzten Dezemberbeitrag ein paar Worte zur Politik verlor, was sich nicht vermeiden ließ, verliere ich auch in meinem ersten Januarbeitrag einige, aber zur Regel wird das sicher nicht. Mein Verhältnis zur Politik ist mit dem Wort „Enttäuschung“ recht gut beschrieben, in zweierlei Hinsicht.
Zum einen verstehen die meisten Menschen unter dem Begriff natürlich den daraus resultierenden emotionalen Zustand, bestehend aus einem bitteren Gefühl der Ohnmacht, dem Wunsch, alles hinzuwerfen, einer Art Wut über das, was da kaputt ging oder gemacht wurde durch Lüge, Unaufrichtigkeit, Dummheit, Ignoranz oder auch Gefühkskälte; auf der anderen Seite heißt „Enttäuschung“ eben auch Ent-Täuschung, die Täuschung hat also ein Ende, ist aufgeflogen, aus dem Schatten ans grelle Licht gezerrt worden.
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Nachdem ich am 1. Weihnachtstag eine kleine Sammlung von Wissenswertem zu diesem Fest veröffentlicht habe, möchte ich in diesem Beitrag durchaus mal etwas kritischer den Umgang der Menschen mit diesem Fest und den Tagen danach bis Silvester begutachten. Denn wenn ich zurückdenke an meine Kinderzeit, dann stelle ich fest, daß zwar der Konsum noch nicht alles in der Weise beherrscht hat, wie es heutzutage der Fall ist, doch gleichzeitig muß ich leider ebenso feststellen, daß meine Eltern sich seinerzeit genausowenig mit den Hintergründen der Festivitäten auseinandergesetzt haben wie viele Menschen heute.
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Alle Jahre wieder feiern die Menschen, die sich dem (westlichen) Christentum zuordnen, in diesen Tagen das Fest von Christi Geburt – der Menschwerdung Gottes. Dabei wurde der 25. Dezember als Geburtstag erst zu Beginn des 4. Jhs. amtlich festgelegt und hat rein gar nichts mit dem wirklichen wahrscheinlichen Geburtstag von Jesus zu tun, dessen historische Realität weiterhin umstritten bleibt.
Es kursieren eine ganze Menge möglicher Geburtstage in der Weltgeschichte herum, wobei der 25. Dezember nicht gerade als glaubwürdigstes Datum gehandelt wird, da im Gebiet, in dem Jesus geboren wurde, die Hirten nur von März bis November mit ihren Herden im Freien übernachteten. Wie dem auch sei, da ich im November und Dezember zu den kirchlichen Feiertagen einschließlich den Adventstagen Beiträge geschrieben habe, möchte ich das nun auch zu Weihnachten tun.
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