Heute ist Allerseelen, der Gedenk- und Fürbittetag für die Seelen der „Normalsterblichen“, der unmittelbar auf Allerheiligen, dem Gedenktag der christlichen Heiligen und Märtyrer, folgt und für gläubige Menschen wohl von größerer Bedeutung ist. Auch wenn Gabriel Faure sein Requiem op. 48 wohl nicht im Hinblick auf dieses kirchliche Hochfest komponiert hat -es wurde übrigens am 16. Januar 1888 in der Kirche, in der er als Kapellmeister und Chorleiter wirkte, das erste Mal aufgeführt - bin ich überzeugt davon, daß gerade diese Totenmesse für diesen Tag prädestiniert ist.
Warum ich das so sehe, habe ich gestern in einer längeren Einführung bereits erläutert. Sie müssen sie natürlich nicht gelesen haben, um der nun folgenden detaillierten Besprechung dieses Werkes folgen zu können, doch als Hintergrundinformation halte ich den gestrigen Beitrag allemal für empfehlenswert, da er aufzeigt, was gerade aus philosophischer und kulturhistorischer Sicht diese Messe so bemerkenswert macht – vom Kompositorischen einmal abgesehen.
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Heute ist der 1. November, Allerheiligen. An diesem Tag wird in der römisch-katholischen Konfession all der Märtyrer und Heiligen der christlichen Kirche gedacht. Einen Tag darauf ist Allerseelen, das dann dem Gedenken aller Verstorbener gewidmet ist. Zu diesen beiden zusammenhängenden Gebets- und Andachtstagen möchte ich auf ein Requiem aufmerksam machen, das sich von den – höchstwahrscheinlich bekannteren – Totenmessen Verdis und Mozarts um einiges unterscheidet.
Gabriel Faures Requiem ist weder ein Auftragswerk, noch folgt es in allen Punkten dem traditionellen Ablauf der katholischen Totenmesse. So verzichtet Faure bewußt auf jene dramatisierenden Komponenten, die den Gott des Zorns und das himmlische Strafgericht thematisieren, sondern zielt darauf ab, ein friedvoll anmutendes und trostspendendes Werk auszugestalten, das dem Tod seinen Stachel raubt. Eine Totenmesse, die sich auf liebevolle Weise den Hinterbliebenen annimmt. Ein Werk der caritas, aber auch der charis.
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Das Jahr nähert sich dem Ende, und in den letzten beiden Monaten werden sich meine Beiträge um den Komplex Leben, Tod und Wiedergeburt drehen. Dabei orientiere ich mich bewußt an den kirchlichen Feiertagen, auch wenn ich selbst nicht konfessionell gebunden bin und mich nicht als gläubig im herkömmlichen christlichen Sinne bezeichnen möchte. Über den Sinn von Religion und damit verbundene Glaubensfragen ließe sich natürlich trefflich streiten – doch dies möchte ich im November und Dezember nicht tun.
Denn genau in diesen Tagen endet der Zyklus des Kirchenjahrs und ein neuer Zyklus beginnt. Bemerkenswerterweise gibt es hier innerhalb der christlichen Traditionen zwischen der römisch-katholischen und der lutherisch-evangelischen Kirche durchaus Unterschiede, was die Bedeutung bestimmter Feiertage betrifft. So sind die beiden kommenden Festtage direkt am Anfang des Monats November: Allerheiligen und Allerseelen, katholische Feiertage, während die Protestanten am 22. November den Totensonntag sozusagen als Gegenentwurf installiert haben.
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Vor knapp zwei Wochen war der kalendarische Herbstbeginn, nach einem Sommer, der seinen Namen endlich einmal wieder verdiente. Die Ernten sind eingefahren; Hagelstürme im Frühjahr haben in unserer Region etliche Rebstöcke zerstört, so daß unsere Spital-Kellerei in Konstanz z.B. tatsächlich auf „Fremdweine“ angewiesen ist, um dieses Jahr überhaupt Wein anbieten zu können; auch die Landwirte im Umkreis haben es nicht einfach gehabt. Die Tage werden kürzer, die Nächte länger; der erste Rauhreif liegt auf den Wiesen, und bald wird der für Konstanz so typische Nebel kommen.
Alles in allem eine Zeit, die für Rückzug steht, für Innehalten. Außerdem sind heute der „Welttag der geistigen Gesundheit“ und „Internationaler Tag der seelischen Gesundheit“. Was liegt für mich also näher, als dazu meinen kleinen, bescheidenen Beitrag zu leisten; dies möchte ich tun, indem ich eine handvoll Herbstgedichte und ein Musikstück präsentiere.
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Tintagel, die legendäre Burg in Cornwall, seit Tennyson Geburtsstätte von König Arthur, hat von jeher die Phantasie jener Künstler beflügelt, die einen Sinn für Romantik besitzen und sich den Glauben an die Kräfte der Mystik und des Mythos erhalten haben. Zwei Werke solcher Künstler möchte ich heute vorstellen und empfehlen. Sie könnten verschiedener nicht sein, trotz des gleichen Titels.
Das eine ist eine symphonische Dichtung des britischen Komponisten Arnold Bax, das andere ein Science Fiction Roman des amerikanischen Autors Paul Cook. Beide haben an der Vollendung ihres Werks rund drei Jahre gearbeitet. Und wenn vom Komponisten Arnold Bax der Ausspruch überliefert ist, daß ihm die ganze Musikgeschichte nicht das wert sei, was das Werk Yeat’s ihm gebe, so verhält es sich bei Paul Cook genau entgegengesetzt, dem ohne die Werke der modernen klassischen Musik sein Roman undenkbar erscheint.
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Vor vierzig Jahren heute auf den Tag genau, am 26. September 1969, erschien das elfte und letzte Album einer Band, die in weniger als einer Dekade bereits Kultstatus erreicht hatte. Die Band, die dafür sorgte, daß der „Beat“ den „Rock’n’Roll“ ablöste; die Band, die Elvis vom Thron riß (wie die Residents mit „The Baby King“ eindrucksvoll untermauern); die Band, die der noch jungen Popmusik so viele wertvolle Impulse gegeben hat, hatte sich – obwohl bereits zerstritten – ein letztes Mal zusammengerauft, um zum Abschied noch einmal kraftvoll und voller Virtuosität zu belegen, daß sie diesen Status verdient.
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Auf den Tag genau vor einem Jahr, am 23. August 2008, wurde in einem kleinen Ort in Serbien namens Banatski Sokolac eine Bob Marley Statue vor der örtlichen Grundschule aufgestellt. Dies ist das erste Denkmal für den weltweit bekannten Reggae-Musiker in Europa. Mehrere tausend Menschen feierten das Ereignis unter den Klängen serbischer und jamaikanischer Reggae-Bands. Ich schrieb seinerzeit darüber einen kurzen Beitrag in einem regionalen Magazin, den ich für informativ genug halte, um ihn heute bei de tempore erneut zu publizieren, allerdings in erweiterter Form.
Denn ich möchte diese Gelegenheit auch dafür nutzen, auf das aktuelle Festival in diesem winzigen Ort im Nordosten Serbiens, etwa 70 Kilometer von Belgrad entfernt, hinzuweisen, das am nächsten Samstag eröffnet wird, dem 29. August. Auch wenn das diesjährige Thema der Veranstaltung die rapide und scheinbar unaufhaltsame weltweite Umweltzerstörung ist, verbunden mit dem Aufruf, sich vehementer für den Schutz der Umwelt einzusetzen, wird sicherlich auch der Jahrestag der Enthüllung des Bob Marley Denkmals gefeiert.
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Wie im gestrigen, einführenden Beitrag angekündigt, folgt nun eine ausführliche Besprechung der Plague Mass. Um es nachvollziehbar zu machen, warum Diamanda Galas in dieser Performance so kriegerisch und unversöhnlich daherkommt, stelle ich einige Anmerkungen voran. Als Anfang der 1980er Jahre AIDS scheinbar wie aus dem Nichts auftauchte und sich rasch zu einer Art Epidemie auszubreiten schien, griff ebenso schnell die sogenannte Sündenbockmentalität. AIDS wurde als Geißel Gottes und gerechte Strafe angesehen, das homophobe Amerika sprach von Sünde und Lustseuche und zeigte recht wenig Erbarmen.
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Heute möchte ich eine Künstlerin vorstellen, die mich ein gutes Jahrzehnt lang außerordentlich beeindruckt hat: wegen ihrer Fähigkeiten, wegen ihres Mutes, wegen ihrer Vehemenz und Unmittelbarkeit, und nicht zuletzt deshalb, weil sie sich nicht scheut, ihre Stimme zu erheben für Menschen, die von der Gesellschaft ausgeschlossen werden. Das zentrale Werk von Diamanda Galas, die im Jahre 1984 begonnene Arbeit an der Plague Mass, die ihren Höhepunkt in einer Live-Aufführung Ende 1990 fand, wird der Dreh- und Angelpunkt dieses (zweiteiligen) Beitrags sein.
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Als nach Ende des (I.) Weltkrieges 1918 im Rahmen einer privaten Premiere unter dem Dirigenten Adrian Boult The Planets erstmals öffentlich aufgeführt wurde, wurden die gespielten Musikstücke hochgelobt, besonders aber beeindruckte die Anwesenden der Eröffnungstitel „Mars – Bringer of War“. Denn in diesem Stück schien all das musikalisch zum Ausdruck gebracht zu werden, was diesen Weltkrieg charakterisiert: Der Aufmarsch gigantischer Armeen, die Mechanisierung durch Panzer und Maschinengewehre, die unerbittliche Maschinerie der modernen Kriegsführung, Beklemmung und Grauen.
Der Premierenerfolg führte zu weiteren Aufführungen unter Boult, die komplette Version der „Suite für großes Orchester“ jedoch wurde erst im Herbst 1920 uraufgeführt. Bis dahin waren weitere Details dieses Krieges an die Öffentlichkeit gelangt (die horrenden Opferzahlen, der Gaskrieg, der Grabenkrieg), was dazu führte, daß viele Menschen der Überzeugung waren, „Mars – Bringer of War“ sei eine Reaktion und Verarbeitung dieser Schrecken. Doch Gustav Holst hatte die Arbeit an diesem Stück schon vor Ausbruch des Krieges begonnen und bereits 1915 die Urfassung fertiggestellt. Die gesamte Suite entstand von 1914 bis 1916.
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