Heute ist zwar bereits der 7. Februar, doch es ist der erste Sonntag des Monats, und so feiere ich ein kleines und wohl nur mir wichtiges Jubiläum. Der 1. Februar des letzten Jahres war ebenfalls der erste Sonntag, und an diesem Tag ging dieses Blog online, damit ich mir selbst einen Ausgleich schaffen konnte zur Tagespolitik, der ich es unseligerweise erlaubt hatte, mein damaliges Blog “Amok Koma” zum Schluß so derartig zu dominieren, daß ich nahe dran war, geistig zu veröden.
Eröffnet wurde mit Walt Whitman und einem meiner Lieblingsgedichte von ihm. Bemerkenswerterweise – es war mir zu diesem Zeitpunkt gar nicht bewußt – war 2009 auch das Jahr der Astronomie, und es finden sich recht viele Beiträge in diesem Blog (das war dann schon mehr oder weniger beabsichtigt), die das Thema zumindest streifen. Nun, dieses kleine Jubiläum möchte ich nun mit einem Dichter begehen, an dem wohl kein(e) Deutsche(r) vorbeikommt, obs gefällt oder nicht.
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Wer sich durch den obigen Titel an die Alliteration Kinder, Küche, Kirche erinnert fühlt, liegt gar nicht so weit daneben, denn ich bin der festen Überzeugung, daß die harsche und teils völlig überzogene Kritik an Frau Käßmanns Position zum Afghanistankrieg aus politischen und (leider auch) intellektuellen Kreisen aus genau jenem schlammigen Nährboden erwächst, den die Theatermacher Dario Fo und Franca Rame bereits vor Jahrzehnten u.a. in ihrem Stück „Nur Kinder, Küche, Kirche“ kritsch hinterfragten und teils persiflierten.
Aber ich möchte in diesem Beitrag nicht über die Theaterstücke schreiben, auch wenn sie nach wie vor aktueller sind, als manche Menschen wahrhaben möchten; in diesem Beitrag möchte ich vielmehr auf grundsätzliche Muster eingehen, die mir im Zusammenhang mit Frau Käßmann, den Umgang mit Afghanistan und der Kritik am Krieg auffallen. Es sind inhumane und demokratiefeindliche Muster, es sind Muster, die den sogenannten geistigen Fortschritt der Menschheit ernsthaft in Frage stellen.
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2010 ist nun 10 Tage alt und meine kleine Auszeit ist zu Ende. Ehrlich gesagt erkenne ich zum abgelaufenen Jahr keine Unterschiede. Da ich im letzten Dezemberbeitrag ein paar Worte zur Politik verlor, was sich nicht vermeiden ließ, verliere ich auch in meinem ersten Januarbeitrag einige, aber zur Regel wird das sicher nicht. Mein Verhältnis zur Politik ist mit dem Wort „Enttäuschung“ recht gut beschrieben, in zweierlei Hinsicht.
Zum einen verstehen die meisten Menschen unter dem Begriff natürlich den daraus resultierenden emotionalen Zustand, bestehend aus einem bitteren Gefühl der Ohnmacht, dem Wunsch, alles hinzuwerfen, einer Art Wut über das, was da kaputt ging oder gemacht wurde durch Lüge, Unaufrichtigkeit, Dummheit, Ignoranz oder auch Gefühkskälte; auf der anderen Seite heißt „Enttäuschung“ eben auch Ent-Täuschung, die Täuschung hat also ein Ende, ist aufgeflogen, aus dem Schatten ans grelle Licht gezerrt worden.
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Eingebettet zwischen einer Totenmesse von Gabriel Faure zu Allerheiligen und Allerseelen und den demnächst folgenden Beiträgen zum Volkstrauertag mit einem Beitrag zu Dmitri Schostakowitsch und dem Totensonntag mit der Besprechung des Deutschen Requiems von Brahms möchte ich heute noch einige Gedanken zum Thema Leben, Tod und Sterben loswerden.
Sterben und Tod sind natürlich Bestandteile des Lebens, ob sie jedoch abschließender oder wandelnder Natur sind kann wohl kein Mensch mit absoluter Bestimmtheit sagen. Das ist, wie bei so vielen philosophisch ausgerichteten Fragen zu Leben und Tod, zum einen eine Angelegenheit des Individuums, zum anderen eine Frage des Glaubens, wobei ich betonen möchte, daß ich in diesem Fall auch Denkgebäude, Thesen und Theorien zum Glauben zähle.
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Heute ist der 1. November, Allerheiligen. An diesem Tag wird in der römisch-katholischen Konfession all der Märtyrer und Heiligen der christlichen Kirche gedacht. Einen Tag darauf ist Allerseelen, das dann dem Gedenken aller Verstorbener gewidmet ist. Zu diesen beiden zusammenhängenden Gebets- und Andachtstagen möchte ich auf ein Requiem aufmerksam machen, das sich von den – höchstwahrscheinlich bekannteren – Totenmessen Verdis und Mozarts um einiges unterscheidet.
Gabriel Faures Requiem ist weder ein Auftragswerk, noch folgt es in allen Punkten dem traditionellen Ablauf der katholischen Totenmesse. So verzichtet Faure bewußt auf jene dramatisierenden Komponenten, die den Gott des Zorns und das himmlische Strafgericht thematisieren, sondern zielt darauf ab, ein friedvoll anmutendes und trostspendendes Werk auszugestalten, das dem Tod seinen Stachel raubt. Eine Totenmesse, die sich auf liebevolle Weise den Hinterbliebenen annimmt. Ein Werk der caritas, aber auch der charis.
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Lag der Schwerpunkt des ersten Teils dieser Buchbesprechung eher auf der formalen Ebene der Umsetzung und Ausgestaltung der Arbeit Friedells, so geht es heute um den geistigen und programmatischen Hintergrund, auch wenn Form und Inhalt natürlich nicht so eindeutig zu trennen sind, wie es nun vielleicht den Anschein erweckt. Denn die Stilmittel, die Friedell anwendet, fußen eben auch auf der grundsätzlichen Prioritätensetzung bei seiner Kulturgeschichte der Neuzeit.
Eine, wenn nicht die wichtigste Priorität, räumt Friedell der Krisis der Seele ein, d.h., die Geschichte der Menschheit in Europa ist für Friedell eine Geschichte ihrer Krisen, ihrer geistigen und seelischen Entwicklung, und der Auslöser für diese Entwicklung ist, wie auch häufig bei einzelnen Menschen, der Ausbruch einer Krankheit. Und so markiert er in seiner Kulturgeschichte den Ausbruch der Schwarzen Pest anno 1348 in Europa als den Beginn der Neuzeit.
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Wie im letzten Artikel zu Egon Friedell angekündigt, bespreche ich heute sein Hauptwerk: Kulturgeschichte der Neuzeit - Untertitel: Die Krisis der europäischen Seele von der Schwarzen Pest bis zum Weltkrieg. Der Untertitel deutet schon an, daß hier nicht irgendwelche Triebmechanismen oder soziologische Überlegungen die Hauptrolle spielen werden bei der geschichtshistorischen Aufarbeitung und Beurteilung von rund 500 Jahren Entwicklung in der Lebenswirklichkeit der Menschen, sondern der Blick vielmehr explizit auf die geistige und seelische Verfassung des Menschen an sich gerichtet wird.
Außerdem weicht Friedell vom Gros der Historiker seiner Zeit ab in der Frage der Terminierung der Neuzeit, die ja das Mittelalter als Epoche in Europa ablöst. Er setzt den Beginn der Neuzeit mit dem Ausbruch der Schwarzen Pest an, im Jahr 1348, also rund ein bis zwei Jahrhunderte früher als seine „Berufskollegen“. Warum er das tut erläutert er auch im Vorwort und dem ersten Kapitel seines Werks. Doch das sind bei weitem nicht die einzigen Unterschiede zwischen Friedells Werk und dem der anderen. Sein programmatischer Ansatz und seine Deutungsweise der kulturgeschichtlichen Entwicklung stehen in der Relation zu den anderen kulturhistorischen Abrissen seiner Zeit einzigartig da.
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Lag der Schwerpunkt zu Egon Friedell in meinem ersten Beitrag noch auf dem Kabarettisten, Schauspieler, Cafehausbesucher und „munteren Seifensieder“ (Karl Kraus), so widmet sich der heutige Beitrag dem „ernsteren“ Friedell, der nach dem Weltkriege – auch aus gesundheitlichen Gründen – gesellschaftlich und beruflich kürzer trat, um sich nunmehr seiner eigentlichen Passion hinzugeben: eines umfangreichen kulturhistorischen und -philosophischen Essays, um die „Kulturgeschichte der Neuzeit“ auf atemberaubende Weise neu zu deuten und kritisch zu hinterfragen.
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Dies ist der Titel eines kleinen Hardcover-Büchleins des Haffmans-Verlags aus dem Jahr 1989. Es ist zugleich das erste Buch mit Texten von Friedell, das ich in die Hände bekommen habe. Bis dato hatte ich zwar hier und da von Egon Friedell gehört, doch was ich über ihn wußte, war sehr spärlich. Ich hielt ihn für einen Aphoristen und einen literarisch angehauchten Kabarettisten von etwas besserer Qualität als viele seiner Kollegen.
Es ist nicht so, daß das nicht stimmen würde, aber es ist eben auch nur ein Bruchteil dessen, was Friedells wirkliche Qualitäten betrifft. Denn – wie ich nun seit Jahren weiß – dieser Mann ist einer der intelligentesten und unkonventionellsten Denker, Philosophen und Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Und er zählt zu jenen, die es eigentlich aufgrund der Wissensexplosion in den Wissenschaften nach Leibnitz gar nicht mehr hätte geben dürfen: zu den Universalgelehrten.
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In diesem fünften Teil steigen wir ohne Umschweife ins Mittelalter ein und vervollständigen den historischen Abriß bis hin in die Neuzeit, die in Europa durch das Aufkommen eines ganz neuen, geistig und materiell einschneidenden Ereignisses geprägt wird: dem wissenschaftlich-technischen Zeitalter, das geistig im 17. Jh. konstituiert wurde und sich seit Ende des 18. Jh. entfaltete, um schließlich fast weltweit seit etwa 100 Jahren in materialistisch-mechanistischer Weise alles andere zu verdrängen – oftmals leider auch den „Geist“.
Doch bereits in der Renaissance wurde das vornehmliche Ende der Astrologie eingeläutet, während ihr Grab spätestens zu Zeiten Galileis, Keplers, Descartes und Isaac Newtons ausgehoben wurde – um eine längst Scheintote zur letzten Ruhe zu betten. Und daran sind die Vertreter der Astrologie des ausgehenden Mittelalters selbst nicht ganz unschuldig. Von dieser „Bestattung“ und der damit einhergehenden Abspaltung der Astronomie von ihrer Mutter, der Astrologie, hat sich diese bis heute nicht erholt.
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