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	<description>Menschen · Musik · Film · Literatur · Philosophie · Psychonautik · Tarot · Natur</description>
	<pubDate>Sat, 06 Mar 2010 14:11:52 +0000</pubDate>
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		<title>Erich K&#228;stner - die kleine Freiheit (Teil 2)</title>
		<link>http://www.mansol.de/2010/03/06/erich-kaestner-die-kleine-freiheit-teil-2/</link>
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		<pubDate>Sat, 06 Mar 2010 13:50:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Frank</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>

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		<category><![CDATA[Denken]]></category>

		<category><![CDATA[Erich Kästner]]></category>

		<category><![CDATA[Kulturgeschichte]]></category>

		<category><![CDATA[Wahrnehmung]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>&nbsp;<br />Hatte ich in meinem <a href="http://www.mansol.de/2010/02/23/erich-kaestner-der-taegliche-kram-teil-1/">letzten Beitrag</a> zu Erich K&#228;stner den Fokus auf seine Chansons und Prosa der Jahre 1945 bis 1948 gelegt, die im B&#228;ndchen „Der t&#228;gliche Kram“ zusammengefa&#223;t sind, so m&#246;chte ich heute „Die kleine Freiheit“ besprechen, die Chansons und Prosa der Jahre 1949 bis 1952 enth&#228;lt und die Entstehung und allerersten Jahre der Bundesrepublik dokumentiert – aus der Sicht eines Moralisten nat&#252;rlich, der seinen Landsleuten den (schon damals) dringend ben&#246;tigten Spiegel vorh&#228;lt.<br />&nbsp;<br />Vor nicht allzulanger Zeit haben wir 60 Jahre Grundgesetz gefeiert (na ja, im Groben), in einer Phase, in der unsere Politiker sich als &#228;rgste Feinde eben dieses Grundgesetzes generieren, denn wie sollte es anders zu erkl&#228;ren sein, da&#223; das Bundesverfassungsgericht in sch&#246;ner Regelm&#228;&#223;igkeit Gesetze einkassiert, weil sie gegen das Grundgesetz versto&#223;en? Erich K&#228;stners Schriften der fr&#252;hen Jahre der Bundesrepublik lassen insofern aufmerken, da&#223; es wohl schon von Beginn an Politikersport war, das Grundgesetz auszuh&#246;hlen, kaum da&#223; es verabschiedet war.<br />&nbsp;<br /><span id="more-563"></span><strong>60 Jahre alte Texte, die auch das <em>heute</em> widerspiegeln</strong><br />&nbsp;<br />Manche Texte des Bandes „Die kleine Freiheit“ k&#246;nnten mit minimalen &#196;nderungen heute erneut ver&#246;ffentlicht werden, und kaum einer w&#252;rde merken, da&#223; diese Texte bereits runde 60 Jahre auf dem Buckel haben. So erschien Anfang 1950 ein Artikel von K&#228;stner in der <em>M&#252;nchener Illustrierten</em>, in der er vor einem von den Politikern geplanten „Schmutz- und Schundgesetz“ warnt, da dieses eigentlich der Beschneidung der Freiheit der Kunst diene. Und schon damals sah sich K&#228;stner gen&#246;tigt, darauf hinzuweisen, da&#223; manche Themen anscheinend nur dazu dienen, von wesentlicheren Problemen abzulenken, da man f&#252;r diese Probleme keine L&#246;sungen anzubieten hat.<br />&nbsp;<br />Und zu den Politikern, von ihm „unsere, durch &#246;ffentliche Wahlen bestellten Vorturner“ genannt, wu&#223;te er schon damals zu sagen:<br />
<blockquote> „Wir hatten gemeint, sie kehrten ihre Gesichter der Zukunft zu. Das war ein fundamentaler Irrtum gewesen. Was wir f&#252;r Gesichter gehalten hatten, waren Masken. Die Gesichter selber blickten sehns&#252;chtig in die Vergangenheit. Dort leuchteten ihre Ideale, und dort winkten die Gesch&#228;fte.“</p></blockquote>
<p>Dieser Ausspruch k&#246;nnte von heute sein, so sehr stimmt er (wieder), dabei konnte er damals nun wirklich keine Ahnung haben von unseren jetzigen Regierungsparteien.<br />&nbsp;<br />Auch die Mahnung an die Publizisten und das Publikum seiner Zeit k&#246;nnte heute ohne jedwede &#196;nderung neu abgedruckt werden:<br />
<blockquote>„Die einen k&#246;nnen  nicht mehr schreiben. Die anderen k&#246;nnen nicht mehr lesen. (…) Ehrlichkeit und Verstand, Mut, Talent und kaltes Feuer, noch dazu in Personalunion, wie selten sind sie geworden!“</p></blockquote>
<p>Und er merkt an, da&#223; wirklich kritische Geister heute am Spie&#223; gegrillt w&#252;rden, w&#252;rden sie Mi&#223;st&#228;nde tats&#228;chlich beim Namen nennen und anprangern. Da f&#228;llt mir als heutiges Pendant sofort das Krakeel ums „Derblecken“ ein. Eine Schande.<br />&nbsp;<br />Auch bei Texten, die sich ganz und gar auf bestimmte Vorg&#228;nge bestimmter Zeitabschnitte beziehen, lassen sich mitunter aktuelle Bez&#252;ge herstellen. So findet sich im Band ein solidarischer Brief von K&#228;stner an Freiburger Studenten, die mit Hilfe einer Demonstration vergeblich zu verhindern suchten, da&#223; der einsichts- und reuelose Regisseur des &#252;blen Nazi-Propagada-Films „Jud S&#252;&#223;“, Veit Harlan, ohne jede Einschr&#228;nkung seinen Beruf weiter aus&#252;ben und neue Filme machen durfte – spannend zu lesen vor dem Hintergrund der Verfilmung um diesen Film, die vor wenigen Wochen in Berlin Premiere hatte.<br />&nbsp;<br />Erich K&#228;stner selbst schreibt im Vorwort, da&#223; er „Die kleine Freiheit“ als eine Art Fortsetzung von „Der t&#228;gliche Kram“ sieht, weil aus der gro&#223;en Freiheit nichts geworden war, da sie mit Hilfe der W&#228;hrungsreform verkauft worden sei. Allerdings finden sich in diesem Band entschieden mehr Sketche und B&#252;hnenst&#252;cke als im vorherigen, da das 1951 gegr&#252;ndete Kabarett gleichen Namens ungleich produktiver war als die vorhergehende Schaub&#252;hne, die &#252;brigens laut K&#228;stner nach nur knapp drei Jahren (1945 – 1948) eben an den Folgen der W&#228;hrungsreform „unsanft entschlafen“ war.<br />&nbsp;<br /><strong>Kunst und Kultur sind Schwerpunkte dieses Bandes</strong><br />&nbsp;<br />Zugleich sind – anders als bei „Der t&#228;gliche Kram“ – Beitr&#228;ge zu Kultur, Kunst und die Literatur &#252;berproportional vertreten. Auch daran l&#228;&#223;t sich erkennen, wie rasch das reine „&#220;berleben“ &#252;berwunden wurde und ein sogenanntes gesellschaftliches Leben mit allem, was dazu geh&#246;rt, bereits seit 1949 wieder Einzug hielt. So macht sich Erich K&#228;stner zu diesen Zeiten schon erste Gedanken dar&#252;ber, wie den nachfolgenden Generationen &#252;berhaupt Kunst und Kultur vermittelt werden kann angesichts des Kahlschlags des nationalsozialistischen Regimes und des Desinteresses weiter Teile der Bev&#246;lkerung an derlei Problemen.<br />&nbsp;<br />Es finden sich in diesem Buch also Texte zur Problematik der exilierten Schriftsteller, die in Deutschland kaum noch jemand kennt; er macht sich Gedanken dar&#252;ber, da&#223; die „moderne Kunst“, bestehend aus Zw&#246;lftonmusik, abstrakter Malerei u.&#228;. – die nun, weil unbelastet, ihren Siegeszug antreten kann und wird – durchaus zu einer Krise des deutschen Kulturlebens f&#252;hren kann, wenn sich keine „Transformatoren“ finden, die diese Kunst vermittelnd begleiten (er sah also bereits fr&#252;h das Probleme der drohenden Abspaltung der Kunst vom Leben ins Elit&#228;re); er sp&#246;ttelt &#252;ber „intuitive und esoterische“ Dichterlinge, die auf ihre handwerkliche Unkenntnis auch noch stolz sind.<br />&nbsp;<br />Es finden sich auch essayistische Texte zum Schreiben selbst, die absolut lesenswert sind. So konstatiert K&#228;stner im Beitrag „Die Abenteuer des Schriftstellers“:<br />
<blockquote>„Der Schriftsteller verwandelt Vorstellungen in Worte. Der Leser verwandelt Worte in Vorstellungen. Inwieweit diese und jene Vorstellungen einander &#228;hneln, ist unkontrollierbar. Das mag bedauerlich, kann aber auch ein Gl&#252;ck sein.“</p></blockquote>
<p>&nbsp;<br />&#220;ber das „Goethe-Jahr“ 1949 macht er sich trefflich lustig, da er von Anfang an wu&#223;te, da&#223; dieses „klassische 200-Jahr-Derby“ zu einem „olympischen Flachrennen“ verkommen w&#252;rde. Tja, und heute? Heute betreibt unsere Kulturszene derartiges immer noch. Viel ge&#228;ndert hat sich wahrlich nicht seit diesen beiden K&#228;stner-B&#228;nden von 1945 bis 1952. Traurig, aber wahr.<br />&nbsp;<br />Zum Schlu&#223; des Bandes schreibt Erich K&#228;stner &#252;ber Erich K&#228;stner und endet mit einer „unliterarischen Antwort“:<br />
<blockquote>„Woran arbeiten Sie?“ fragt ihr.<br />„An einem Roman?“ An <em>mir</em>.</p></blockquote>
<p>&nbsp;<br /><strong>Zum Schlu&#223; eine durchaus erschreckende Feststellung</strong><br />&nbsp;<br />Und so manches Mal w&#228;hrend des Lesens in den beiden B&#252;chern beschleicht mich das Gef&#252;hl, da&#223; es einfach zu wenige Menschen sind, denen nachgesagt werden k&#246;nnte, da&#223; sie ernsthaft an <em>sich</em> arbeiten; mag sein, da&#223; K&#228;stner seine Mahnungen und Warnungen in den Wind geschrieben hat; mag sein, da&#223; seine Worte weitgehend ungeh&#246;rt verhallten; doch ich m&#246;chte diese Texte keinesfalls missen m&#252;ssen, denn sie geben Aufschlu&#223; dar&#252;ber, wie die Deutschen waren, wie sie sind und vermutlich immer sein werden.<br />&nbsp;<br />Auch wenn heute „Die kleine Freiheit“ (zu maulen und zu schimpfen, wie K&#228;stner im Vorwort schreibt) von mir besprochen wurde, m&#246;chte ich doch mit einem Text aus dem vorherigen Band „Der t&#228;gliche Kram“ meinen Artikel schlie&#223;en, denn dessen Inhalte k&#246;nnen durchaus als Programmatik f&#252;r beide B&#228;nde verstanden werden – und f&#252;r mich l&#228;&#223;t sich diese Passage (die sich auf das Dritte Reich bezieht) locker auf das heutige Deutschland &#252;bertragen, was mich zu der erschreckenden Feststellung bringt: wir sind wohl beinahe wieder so weit.<br />&nbsp;<br />
<blockquote>„Das interessanteste und traurigste Buch, das &#252;ber das dritte Reich geschrieben werden mu&#223;, wird sich mit der Verderbung des deutschen Charakters zu besch&#228;ftigen haben. Niemals in unserer Geschichte hat ein solcher Generalangriff auf die menschlichen Tugenden stattgefunden. Nie zuvor sind Eigenschaften wie Zivilcourage, Ehrlichkeit, Gesinnungstreue, Mitleid und Fr&#246;mmigkeit so grausam und teuflisch bestraft, nie vorher sind Laster wie Roheit, Unterw&#252;rfigkeit, K&#228;uflichkeit, Verrat und Dummheit so ma&#223;los und so &#246;ffentlich belohnt worden.“</p></blockquote>
<p>&nbsp;<br /><strong>Und nun noch ein Gedicht aus den sp&#228;ten 1920er Jahren</strong><br />&nbsp;<br />Das war der dritte und letzte Artikel, der sich mit dem politisch engagierten Lyriker, Essayisten und Prosa-Autor Erich K&#228;stner befa&#223;t – ich hoffe, den einen oder die andere Leser(in) ein wenig neugierig auf den anderen K&#228;stner gemacht zu haben, der leider weniger bekannt ist als der Kinderbuchautor. Der Roman „Fabian – Geschichte eines Moralisten“ werde ich zu einem sp&#228;teren Zeitpunkt gesondert besprechen, doch bis dahin wird es noch eine Weile hin sein.<br />&nbsp;<br />Es d&#252;rfte kein Problem sein, f&#252;r kleines Geld an die besprochenen B&#252;cher heranzukommen, sei es auf Flohm&#228;rkten, in Antiquariaten oder sogar als Neukauf in Buchl&#228;den – es lohnt sich. Zum Abschlu&#223; dieser dreiteiligen Reihe gibt es nun noch meine dritte und letzte Vertonung eines K&#228;stner-Gedichts, wie versprochen.<br />&nbsp;<br />[Hier ist ein Audioclip eingebunden: Bitte den Beitrag im Blog aufrufen, um den Clip abspielen zu k&#246;nnen]<br />&nbsp;<br /><strong><em>Goldene Jugendzeit, 5:03 Minuten, MP3, 160kb</em></strong><br />&nbsp;</p>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>&nbsp;<br />Hatte ich in meinem <a href="http://www.mansol.de/2010/02/23/erich-kaestner-der-taegliche-kram-teil-1/">letzten Beitrag</a> zu Erich K&#228;stner den Fokus auf seine Chansons und Prosa der Jahre 1945 bis 1948 gelegt, die im B&#228;ndchen „Der t&#228;gliche Kram“ zusammengefa&#223;t sind, so m&#246;chte ich heute „Die kleine Freiheit“ besprechen, die Chansons und Prosa der Jahre 1949 bis 1952 enth&#228;lt und die Entstehung und allerersten Jahre der Bundesrepublik dokumentiert – aus der Sicht eines Moralisten nat&#252;rlich, der seinen Landsleuten den (schon damals) dringend ben&#246;tigten Spiegel vorh&#228;lt.<br />&nbsp;<br />Vor nicht allzulanger Zeit haben wir 60 Jahre Grundgesetz gefeiert (na ja, im Groben), in einer Phase, in der unsere Politiker sich als &#228;rgste Feinde eben dieses Grundgesetzes generieren, denn wie sollte es anders zu erkl&#228;ren sein, da&#223; das Bundesverfassungsgericht in sch&#246;ner Regelm&#228;&#223;igkeit Gesetze einkassiert, weil sie gegen das Grundgesetz versto&#223;en? Erich K&#228;stners Schriften der fr&#252;hen Jahre der Bundesrepublik lassen insofern aufmerken, da&#223; es wohl schon von Beginn an Politikersport war, das Grundgesetz auszuh&#246;hlen, kaum da&#223; es verabschiedet war.<br />&nbsp;<br /> <a href="http://www.mansol.de/2010/03/06/erich-kaestner-die-kleine-freiheit-teil-2/" class="more-link">(weiterlesen&#8230;)</a></p>
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		<title>Erich K&#228;stner – der t&#228;gliche Kram (Teil 1)</title>
		<link>http://www.mansol.de/2010/02/23/erich-kaestner-der-taegliche-kram-teil-1/</link>
		<comments>http://www.mansol.de/2010/02/23/erich-kaestner-der-taegliche-kram-teil-1/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 23 Feb 2010 15:52:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Frank</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>

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		<category><![CDATA[Krieg]]></category>

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		<category><![CDATA[Wahrnehmung]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>&nbsp;<br />Heute ist Erich K&#228;stners Geburtstag – w&#252;rde er noch leben, w&#228;re er heute 111 Jahre alt. In meinem <a href="http://www.mansol.de/2010/02/14/maskenball-im-hochgebirge-in-memoriam-erich-kaestner/">ersten Beitrag</a> &#252;ber K&#228;stner hatte ich geschrieben, da&#223; ich es sehr bedauerlich finde, da&#223; dieser Autor fast ausschlie&#223;lich mit Kinderb&#252;chern und seichteren Unterhaltungsromanen in Erinnerung ist und leider weniger mit seinen Gedichten, dem Roman „Fabian“ und den Schriften, die von ihm nach 1945 erschienen sind.<br />&nbsp;<br />Darum m&#246;chte ich in zwei Beitr&#228;gen auf zwei B&#252;cher aufmerksam machen, die eine Fundgrube f&#252;r jeden sind, der etwas Verl&#228;&#223;liches &#252;ber die unmittelbare Zeit nach dem Zusammenbruchs des Nationalsozialistischen Deutschlands erfahren will: „Der t&#228;gliche Kram – Chansons und Prosa von 1945 – 1948“ und „Die kleine Freiheit – Chansons und Prosa von 1949 – 1952“. Zuvor allerdings gibt es noch einen kurzen Abri&#223; zu Erich K&#228;stners (&#220;ber-) Leben von 1933 bis 1945, zum besseren Verst&#228;ndnis.<br />&nbsp;<br /><span id="more-553"></span><a class="shutter" href="http://www.mansol.de/wp-content/2010/02/erich_kaestner_3_buecherwebk.jpg" alt="Erich K&#228;stner Buchcover 1946 - 1952" title="Erich K&#228;stner B&#252;cher 1946 - 1952 (hier nat&#252;rlich neue Cover)"><img class="logoleft" src="http://www.mansol.de/wp-content/2010/02/erich_kaestner_3_buecherwebk.jpg" alt="Erich K&#228;stner Buchcover 1946 - 1952" title="Erich K&#228;stner B&#252;cher 1946 - 1952 (hier nat&#252;rlich neue Cover)" width="101" height="160"></a><strong>Vier Gedichtb&#228;nde bis zum Jahr 1933</strong><br />&nbsp;<br />Bis 1933 hatte Erich K&#228;stner neben Kinderromanen und Filmbearbeitungen derselben, neben dem Roman „Fabian – Geschichte eines Moralisten“ (1931) und einem H&#246;rspiel, vier Gedichtb&#228;nde ver&#246;ffentlicht: „Herz auf Taille“ (1928), „L&#228;rm im Spiegel“ (1929), „Ein Mann gibt Auskunft“ (1930) und „Gesang zwischen den St&#252;hlen“ (1932).<br />Im letztgenannten Band findet sich ein Gedicht von K&#228;stner, das seine Haltung zum NS-Regime deutlich zum Ausdruck bringt, daher m&#246;chte ich es nun zitieren:<br />&nbsp;<br />
<blockquote>Das F&#252;hrerproblem, genetisch betrachtet<br />&nbsp;<br />Als Gott am ersten Wochenende<br />die Welt besah, und siehe, sie war gut,<br />da rieb er sich vergn&#252;gt die H&#228;nde.<br />Ihn packte eine Art von &#220;bermut.<br />&nbsp;<br />Er blickte stolz auf seine Erde<br />und sah Tuberkeln, Standard Oil und Waffen.<br />Da kam aus Deutschland die Beschwerde:<br />„Du hast vers&#228;umt, uns F&#252;hrer zu erschaffen!“<br />&nbsp;<br />Gott war best&#252;zt. Man kann’s verstehn.<br />„Mein liebes deutsches Volk“, schrieb er zur&#252;ck,<br />„es mu&#223; halt ohne F&#252;hrer gehen.<br />Die Sch&#246;pfung ist vorbei. Gr&#252;&#223; Gott. Viel Gl&#252;ck.“<br />&nbsp;<br />Nun standen wir mit ohne da,<br />der Weltgeschichte freundlichst &#252;berlassen.<br />Und: Alles, was seitdem geschah,<br />ist ohne diesen Hinweis nicht zu fassen.<br />&nbsp;</p></blockquote>
<p>&nbsp;<br />Freilich hatte Erich K&#228;stner zu diesem Zeitpunkt noch keine Ahnung, welche Greueltaten die Nationalsozialisten noch ver&#252;ben w&#252;rden – doch die Menschen, die aufgrund egoistischer Motive und durch Dummheit, Bequemlichkeit, Desinteresse an der Politik und durch Verblendung die Machtergreifung der Nazis erst erm&#246;glicht hatten, die hatten an K&#228;stner einen, der ihnen den Spiegel vorhielt, auch als sie alle nichts mehr davon wissen wollten, nach 1945.<br />&nbsp;<br />In seiner ersten Buchver&#246;ffentlichung in Deutschland nach dem Zusammenbruch des 3. Reichs, dem Band „Bei Durchsicht meiner B&#252;cher“, findet sich dieses Gedicht in der Auswahl der Gedichte zur Wiederver&#246;ffentlichung, die er getroffen hatte. Das kam sicher nicht von ungef&#228;hr. Als die Nazis an die Macht kamen und nach dem Reichstagsbrand freie Bahn hatten zum Umbau der Gesellschaft in Deutschland, befand sich K&#228;stner gerade in Z&#252;rich. Obwohl ihm Kollegen, Freunde und andere gutmeinende Menschen rieten, nicht nach Deutschland zur&#252;ckzukehren, tat er es.<br />&nbsp;<br /><strong>Einer von 24</strong><br />&nbsp;<br />Im Mai 1933 war sein Name einer von 24 Namen, „mit denen der Minister f&#252;r literarische Feuerbestattung seinen Ha&#223; artikulierte“ (K&#228;stner 1957), und das bedeutete Publikationsverbot in Deutschland. K&#228;stner wurde nat&#252;rlich unter Beobachtung gestellt, zwei mal verhaftet und konnte sich finanziell nur deshalb &#252;ber Wasser halten, weil ihm erlaubt wurde, im Ausland zu ver&#246;ffentlichen (was dem Regime gutes Geld in Form von Tantiemen und Devisen einbrachte!).<br />&nbsp;<br />„Doktor Erich K&#228;stners Lyrische Hausapotheke“, der 1936 in der Schweiz erschien, enthielt infolgedessen nur unpolitische und aus Sicht des Regimes unbedenkliche Gedichte; auch die Romane K&#228;stners waren dementsprechend harmlos (er ver&#246;ffentlichte im Ausland zwischen 1934 und 1945 insgesamt neben dem o.g. Gedicht-Auswahlband zwei Kinderromane und drei Erwachsenenromane, darunter auch „Drei M&#228;nner im Schnee“). Au&#223;erdem verfa&#223;te er unter Pseudonym das Drehbuch f&#252;r den M&#252;nchhausen-Film mit Hans Albers, der mitten im Krieg die Menschen bei Laune halten sollte.<br />&nbsp;<br />Kurz vor Zusammenbruch des 3. Reichs schleuste ihn ein befreundeter Filmemacher aus Berlin raus, nach Tirol, das Ende des Krieges erlebte K&#228;stner in M&#252;nchen. Aus diesen Zeiten stammt sein erst 1961 ver&#246;ffentlichtes Tagebuch „Notabene 45“, das den Wahnsinn eines heruntergekommen Landes und Volkes mit sehr genauer Beobachtungsgabe noch einmal aufleben l&#228;&#223;t.<br />&nbsp;<br />K&#228;stner war nicht emigriert, er blieb in Deutschland, seiner Mutter wegen, und um Augenzeuge der kommenden Greuel zu sein. Er wollte den Roman der Nazidiktatur schreiben (was er freilich nicht getan hat – doch „Notabene 45“ ist „Ersatz“ genug), und er wollte dabei gewesen sein, als zuk&#252;nftiger Ankl&#228;ger.<br />&nbsp;<br /><strong>Die ersten Jahre nach dem Zusamenbruchs des 3. Reichs</strong><br />&nbsp;<br />Nach Kriegsende wurde aus dem Ankl&#228;ger kein Verurteilender, sondern eher ein Erinnerer und Mahner, genutzt hat es nicht viel, denn Autoren wie Erich K&#228;stner, die den Menschen den Spiegel vorhalten mit Worten wie: „…wir m&#252;ssen der Vergangenheit ins Gesicht sehen. Es ist ein Medusengesicht, und wir sind ein verge&#223;liches Volk… Die Vergangenheit mu&#223; reden, und wir m&#252;ssen zuh&#246;ren&#8230;“ waren und sind nie beliebt und werden es auch niemals sein.<br />&nbsp;<br />Und so ist es nat&#252;rlich geradezu ironisch und selbsterkl&#228;rend, da&#223; nicht der Erich K&#228;stner erinnert wird, der uns an die zw&#246;lf dunkelsten und widerlichsten Jahre in der Geschichte Deutschlands gemahnt und nach 1945 vorf&#252;hrt, wie die Menschen versuchen, sich ihrer Verantwortung zu entziehen, und welch skurrile Dinge in diesem Zuge passieren – sondern der nette, unterhaltsame, positive Erich K&#228;stner, mit den h&#252;bschen Romanen und Kinderb&#252;chern.<br />&nbsp;<br />Der Erich K&#228;stner der Jahre 1945 bis 1956 (da erschien „Die Schule der Diktatoren“, ein B&#252;hnenst&#252;ck, in dem K&#228;stner deutlich zum Ausdruck bringt, da&#223; Diktatoren nichts weiter sind als Marionetten, austauschbar, fremdgesteuert; und da&#223; Diktaturen immer und immer wieder mit den gleichen Mechanismen agieren, auf die die Menschen seltsamerweise immer wieder aufs Neue hereinfallen) ist n&#228;mlich ein Unbequemer, einer, der Finger in Wunden legt und mit seinen Beitr&#228;gen f&#252;r Magazine, Zeitschriften und das Kabarett best&#228;ndig die unausgesprochene Frage stellt: Wie konnte das passieren? Warum habt Ihr da alle so kritiklos mitgemacht? Warum verdr&#228;ngt Ihr das nun?<br />&nbsp;<br /><strong>Der t&#228;gliche Kram ist manchmal wichtiger als das hehre Ideal</strong><br />&nbsp;<br />In „Der t&#228;gliche Kram“ schildert er u.a., warum er sich hat breitschlagen lassen, als Redakteur zu arbeiten, anstatt sich endlich wieder dem Schriftstellern zu widmen, was ihm zw&#246;lf Jahre lang verboten gewesen war; er erinnert an solche Perfidit&#228;ten wie „offene Rechnungen“, die sich auf Hinrichtungen beziehen, die das Regime den Hinterbliebenen in Rechnung stellte; es findet sich die Forderung nach einer neuen Geschichtsschreibung, die nicht mehr machthungrige K&#246;nige huldigt und falschen Heldenmut beg&#252;nstigt; er beschreibt, wie mit der „Entnazifizierung“ umgegangen wird und vieles mehr – es ist mitunter sehr entlarvend, wie wenig Menschen bereit sind, sich zu &#228;ndern und weiterzuentwickeln.<br />&nbsp;<br />Am Schlu&#223; des Bands gibt’s noch eine kurze wahre Geschichte, die alles auf den Punkt bringt. Zu Dreharbeiten wurden 1948 f&#252;r Dreharbeiten an einem Film in Tirol Statisten gesucht, die SS-Schergen spielen sollten, die einen Bus durchsuchen. Da der Job gut bezahlt war fanden sich diese Statisten schnell, auch die Statistenrollen diverser Businsassen waren rasch besetzt. Am Ende des Drehs blieb ein alter Herr wie paralysiert im Bus sitzen, weil er vor Schreck nicht hatte aussteigen k&#246;nnen, und der Regisseur versuchte, den Mann zu beruhigen.<br />&nbsp;<br />„Wir drehen einen zeitnahen Film, wissen Sie. Dazu braucht man SS-M&#228;nner. Die Szene, die Sie eben erlebt haben, hat weder mit dem Film noch mit der Wirklichkeit etwas zu tun…die Buam sind Lausbuam, sie sind harmlose Hirten und Skilehrer aus dem Dorf hier.“ Doch der alte Mann erwiderte: „Ich habe in dieser Gegend &#246;fter mit der SS zu tun gehabt, Herr Regisseur. Sie haben gut ausgew&#228;hlt, Herr Regisseur. Es sind…<em>dieselben</em>!“<br />&nbsp;<br />Im <a href="http://www.mansol.de/2010/03/06/erich-kaestner-die-kleine-freiheit-teil-2/">zweiten Teil</a> stelle ich dann „Die kleine Freiheit“ vor, in der sich Erich K&#228;stner mit der noch jungen Bundesrepublik besch&#228;ftigt – eine bitterb&#246;se Analyse.<br />&nbsp;<br />Zum Ende des heutigen Beitrags, wie auch schon beim <a href="http://www.mansol.de/2010/02/14/maskenball-im-hochgebirge-in-memoriam-erich-kaestner/">vorherigen Artikel</a> zu Erich K&#228;stner, gibt’s nun noch eine Vertonung eines Gedichts (mein zweites K&#228;stner-Musikst&#252;ck).<br />&nbsp;<br />[Hier ist ein Audioclip eingebunden: Bitte den Beitrag im Blog aufrufen, um den Clip abspielen zu k&#246;nnen]<br />&nbsp;<br /><strong><em>Gewisse Ehepaare, 4:46 Minuten, MP3, 160kb</em></strong><br />&nbsp;</p>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>&nbsp;<br />Heute ist Erich K&#228;stners Geburtstag – w&#252;rde er noch leben, w&#228;re er heute 111 Jahre alt. In meinem <a href="http://www.mansol.de/2010/02/14/maskenball-im-hochgebirge-in-memoriam-erich-kaestner/">ersten Beitrag</a> &#252;ber K&#228;stner hatte ich geschrieben, da&#223; ich es sehr bedauerlich finde, da&#223; dieser Autor fast ausschlie&#223;lich mit Kinderb&#252;chern und seichteren Unterhaltungsromanen in Erinnerung ist und leider weniger mit seinen Gedichten, dem Roman „Fabian“ und den Schriften, die von ihm nach 1945 erschienen sind.<br />&nbsp;<br />Darum m&#246;chte ich in zwei Beitr&#228;gen auf zwei B&#252;cher aufmerksam machen, die eine Fundgrube f&#252;r jeden sind, der etwas Verl&#228;&#223;liches &#252;ber die unmittelbare Zeit nach dem Zusammenbruchs des Nationalsozialistischen Deutschlands erfahren will: „Der t&#228;gliche Kram – Chansons und Prosa von 1945 – 1948“ und „Die kleine Freiheit – Chansons und Prosa von 1949 – 1952“. Zuvor allerdings gibt es noch einen kurzen Abri&#223; zu Erich K&#228;stners (&#220;ber-) Leben von 1933 bis 1945, zum besseren Verst&#228;ndnis.<br />&nbsp;<br /> <a href="http://www.mansol.de/2010/02/23/erich-kaestner-der-taegliche-kram-teil-1/" class="more-link">(weiterlesen&#8230;)</a></p>
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		<title>Maskenball im Hochgebirge - in memoriam Erich K&#228;stner</title>
		<link>http://www.mansol.de/2010/02/14/maskenball-im-hochgebirge-in-memoriam-erich-kaestner/</link>
		<comments>http://www.mansol.de/2010/02/14/maskenball-im-hochgebirge-in-memoriam-erich-kaestner/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 14 Feb 2010 13:18:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Frank</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>

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		<category><![CDATA[Erich Kästner]]></category>

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		<category><![CDATA[Seele]]></category>

		<category><![CDATA[Wahrnehmung]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>&nbsp;<br />Am 23. Februar w&#252;rde Erich K&#228;stner 111 Jahre alt. Zugegeben, keines dieser runden Jubil&#228;en, die mit Zahlenwerten wie 25, 50, 100, 250 usw. operieren; ehrlich gesagt ben&#246;tige ich auch nicht wirklich solcherlei Anl&#228;sse und Begr&#252;ndungen, um mich einem jener Menschen zu widmen, der mich beeindruckt hat und mit dazu beitrug, da&#223; mein Leben die Richtung nahm, die es genommen hat.<br />&nbsp;<br />Tats&#228;chlich liegt der Anla&#223; im Wetter begr&#252;ndet und in der Jahreszeit. Denn hier in Konstanz ist Fasnacht, ein Karneval, der sich doch deutlich von dem im Ruhrgebiet unterscheidet, dem ich allj&#228;hrlich aus dem Weg gegangen bin. Ich feiere zwar auch hier nicht die kalendarisch verordnete Fr&#246;hlichkeit, aber ich kann sie gelassener hinnehmen, da ich in dieser Gegend zumindest das Aufgreifen echter Tradition wahrnehmen kann. Nun, und dieses Jahr versinkt die Fasnacht im Schnee, denn der will einfach nicht aufh&#246;ren zu fallen.<br />&nbsp;<br /><span id="more-542"></span>Da pa&#223;t so ein Gedicht wie „Maskenball im Hochgebirge“ schon sehr gut, finde ich. Das Gedicht hat auch genau jenen k&#228;stnertypischen bei&#223;enden Humor, der den einen Teil der Gedichte und kurzen Essays ausmacht und sich mit dem anderen Teil, dem der melancholischen und leisen T&#246;ne, best&#228;ndig abwechselt. Worauf mensch sich jedoch immer verlassen kann bei den Gedichten von K&#228;stner sind die scharfe, fast sezierende Beobachtungsgabe und die Ehrlichkeit in der Beschreibung von Zust&#228;nden, auch die seelischer Art.<br />&nbsp;<br /><a class="shutter" href="http://www.mansol.de/wp-content/2010/02/505px-dresden_albertplatz_kaestner-denkmal_von_eike-kuntsche_2_autor_x-weinzar_webkkk.jpg" alt="Erich K&#228;stner Denkmal in Dresden - Foto von X-Weinzar Lizenz GNU und CC" title="Erich K&#228;stner Denkmal in Dresden - Foto von X-Weinzar Lizenz GNU und CC"><img class="logoleft" src="http://www.mansol.de/wp-content/2010/02/505px-dresden_albertplatz_kaestner-denkmal_von_eike-kuntsche_2_autor_x-weinzar_webkkk.jpg" alt="Erich K&#228;stner Denkmal in Dresden - Foto von X-Weinzar Lizenz GNU und CC" title="Erich K&#228;stner Denkmal in Dresden - Foto von X-Weinzar Lizenz GNU und CC" width="140" height="167"></a><strong>Erich K&#228;stner, Zeitkritiker und Moralist</strong><br />&nbsp;<br />Ich finde es bedauerlich, da&#223; immer noch viel zu viele Menschen den Namen Erich K&#228;stner lediglich mit Kinderb&#252;chern und leichter Unterhaltung assoziieren.<br />&nbsp;<br />Sicher sind „Kn&#246;pfchen und Anton“, „Emil und die Detektive“, „Das fliegende Klassenzimmer“ und „Das doppelte Lottchen“ v&#246;llig zu recht Evergreens der Kinder- und Jugendliteratur; nat&#252;rlich sind „Drei M&#228;nner im Schnee“ und „Der kleine Grenzverkehr“ wundersch&#246;ne Erz&#228;hlungen; doch Erich K&#228;stner hat sich auch als Kritiker seiner Zeit bet&#228;tigt, gar nicht so sehr viel anders als bspw. Kurt Tucholsky, vielleicht ein bi&#223;chen lyrischer und leiser, und wohl auch nicht so sehr dem Tagesgeschehen zugewandt, mag sein.<br />&nbsp;<br />Doch seine Gedichte, die er selbst „Gebrauchsgedichte“ genannt hat und von denen viele aus den 1920er bis 1950er Jahren stammen, sind auch heute noch lesenswert und mitunter erstaunlich aktuell – sofern es einen erstaunen kann, wie wenig sich anscheinend in den Herzen und K&#246;pfen der Menschen &#228;ndert, und wie oft sie auf ein- und dieselben L&#252;gner und Gauner hereinzufallen scheinen, m&#246;gen sie nun Hitler oder Honecker, Kohl oder Strau&#223;, Schr&#246;der, Merkel oder Westerwelle hei&#223;en oder Industrielle und Bankster sein.<br />&nbsp;<br />Wer z.B. die  Gedichtsammlung „Dr. Erich K&#228;stners lyrische Hausapotheke“ zur Hand nimmt, die erstmals 1936 in der Schweiz erschien (denn im nationalsozialistischen Deutschland hatte K&#228;stner seit 1933 Publikationsverbot), findet beim St&#246;bern m&#252;helos immer wieder Gedichtzeilen, die Zust&#228;nde beschreiben, die damals wie heute immer noch die gleichen sind. Kostproben gef&#228;llig?<br />&nbsp;<br />
<blockquote>Wir reisen alle im gleichen Zug<br />zur Gegenwart in spe.<br />Wir sehen hinaus. Wir sahen genug.<br />Wir sitzen alle im gleichen Zug.<br />Und viele im falschen Coupè.<br />&nbsp;<br />(aus: <em>Das Eisenbahngleichnis</em>)<br />&nbsp;</p>
<p>&nbsp;<br />Einst haben die Kerls auf den B&#228;umen gehockt,<br />behaart und mit b&#246;ser Visage.<br />Dann hat man sie aus dem Urwald gelockt,<br />und die Welt asphaltiert und aufgestockt,<br />bis zur 30. Etage.<br />…<br />&nbsp;<br />Sie h&#246;ren weit. Sie sehen fern.<br />Sie sind mit dem Weltall in F&#252;hlung.<br />Sie putzen die Z&#228;hne. Sie atmen modern.<br />Die Erde ist ein gebildeter Stern<br />mit sehr viel Wassersp&#252;lung.<br />…<br />&nbsp;<br />So haben sie mit dem Kopf und dem Mund<br />den Fortschritt der Menschheit geschaffen.<br />Doch davon mal abgesehen und<br />bei Lichte betrachtet, sind sie im Grund<br />noch immer die alten Affen.<br />&nbsp;<br />(aus: <em>Entwicklung der Menschheit</em>)<br />&nbsp;</p>
<p>&nbsp;<br />Streichh&#246;lzer! Kaufen Sie Streichh&#246;lzer!<br />Drei Schachteln zwanzig!<br />&nbsp;<br />Vater kriegt zehn Mark Unterst&#252;tzung<br />und Mutter ein kleines Gesicht.<br />…<br />&nbsp;<br />Mit braunen und schwarzen Schn&#252;rsenkeln<br />verdient man nat&#252;rlich mehr.<br />Doch da brauchte ich erst mal drei Mark.<br />Und wo nehm ich die her?<br />&nbsp;<br />Streichh&#246;lzer! Braune und schwarze Streichh&#246;lzer!<br />Drei Paar zwanzig…<br />&nbsp;<br />(aus: <em>Der Streichholzjunge</em>)<br />&nbsp;</p></blockquote>
<p>&nbsp;<br />Erich K&#228;stner ist auch ein Meister der &#220;berschriften. Alleine die Betitelung der Gedichte, die in diesem Band versammelt sind, lassen oft unwillk&#252;rlich aufmerken, ob „Sachliche Romanze“, „Vornehme Leute, 1200 Meter hoch“, „Monolog mit verteilten Rollen“, „Selbstmord im Familienbad“ oder auch „Ganz vergebliches Gel&#228;chter“ - h&#228;ufig wird bereits im Titel ganz offen die Stimmungslage benannt, in der das Gedicht daherkommt.<br />&nbsp;<br /><strong>K&#228;stner-Gedichte eignen sich sehr gut zur Vertonung</strong><br />&nbsp;<br />Auch „Maskenball im Hochgebirge“ entstammt dieser Sammlung. Wie schon gesagt, es pa&#223;t ganz gut in die Zeit und auch zum Wetter, und es ist eines der drei Gedichte dieses Bandes, die ich vertont habe. Diese Arbeiten wiederum sind mittlerweile auch schon gut 20 Jahre alt. Und die Gedichte entdeckte ich durch ein anderes Gedicht, das zuvor vertont wurde, die „Sachliche Romanze“, interpretiert von Hermann van Veen (dessen Live-Alben ich &#252;brigens jedem empfehlen kann, der Liedermacher, Entertainer, Clowns und wirklich gute Musik mag).<br />&nbsp;<br />Dieser Interpretation habe ich es zu verdanken, da&#223; ich den Lyriker in Erich K&#228;stner kennenlernte, das war Mitte der 1980er. Ende der 1980er hatte ich mir zw&#246;lf Gedichte ausgeguckt, die ich vertonen wollte – auf eine Weise, die es m&#246;glich machen sollte, diese St&#252;cke auch mit einer kleinen Combo live auf der B&#252;hne vortragen zu k&#246;nnen, mit einfachster Instrumentierung.<br />&nbsp;<br />Letztendlich habe ich es geschafft, drei Gedichte so zu vertonen, da&#223; ich damit zufrieden bin. Bei den &#252;brigen waren die musikalischen Ideen entweder nicht fundiert genug, gefielen mir nicht oder gingen sogar voll daneben; dazu kam dann irgendwann akuter Zeitmangel hinzu, und so starb diese Idee heimlich, still und leise den Gnadentod, so da&#223; eben lediglich drei Aufnahmen existieren: „Maskenball im Hochgebirge“, „Gewisse Ehepaare“ und „Goldne Jugendzeit“ (von Gesang bis zu den Instrumenten habe ich da alles in Eigenregie gemacht).<br />&nbsp;<br />Ich beabsichtige, in den n&#228;chsten Wochen noch einige Beitr&#228;ge mehr zu Erich K&#228;stner zu schreiben, unter anderem m&#246;chte ich dann den Roman „Fabian. Geschichte eines Moralisten“ besprechen und empfehlen, denn in diesem Roman Ende der 1920er Jahre schildert K&#228;stner das nahende Ende der Weimarer Republik und das Aufkommen der Nazis und macht &#252;ber seinen Hauptprotagonisten Fabian eben auch keinen Hehl daraus, was er davon h&#228;lt. Das Schreib- und Publikationsverbot hat K&#228;stner nicht zuletzt eben auch diesem Roman zu verdanken.<br />&nbsp;<br />Auch mit dem Lyriker und Essayisten K&#228;stner werde ich mich noch besch&#228;ftigen, denn unmittelbar nach Kriegsende und dem Zusammenbruch des 3. Reiches publizierte er wieder und hielt so manchem Deutschen unangenehmerweise den Spiegel vor, zu lesen unter anderem in den Ausgaben „<a href="http://www.mansol.de/2010/02/23/erich-kaestner-der-taegliche-kram-teil-1/">Der t&#228;gliche Kram, Chansons und Prosa 1945 – 1948</a>“ und „Die kleine Freiheit, Chansons und Prosa 1949 – 1952“. Tja, und die beiden anderen Vertonungen werde ich dann in diesen Kontexten sicher auch noch hier einstellen.<br />&nbsp;<br />[Hier ist ein Audioclip eingebunden: Bitte den Beitrag im Blog aufrufen, um den Clip abspielen zu k&#246;nnen]<br />&nbsp;<br /><em><strong>Maskenball im Hochgebirge, 4:08 Minuten, MP3, 160kb</strong></em><br />&nbsp;</p>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>&nbsp;<br />Am 23. Februar w&#252;rde Erich K&#228;stner 111 Jahre alt. Zugegeben, keines dieser runden Jubil&#228;en, die mit Zahlenwerten wie 25, 50, 100, 250 usw. operieren; ehrlich gesagt ben&#246;tige ich auch nicht wirklich solcherlei Anl&#228;sse und Begr&#252;ndungen, um mich einem jener Menschen zu widmen, der mich beeindruckt hat und mit dazu beitrug, da&#223; mein Leben die Richtung nahm, die es genommen hat.<br />&nbsp;<br />Tats&#228;chlich liegt der Anla&#223; im Wetter begr&#252;ndet und in der Jahreszeit. Denn hier in Konstanz ist Fasnacht, ein Karneval, der sich doch deutlich von dem im Ruhrgebiet unterscheidet, dem ich allj&#228;hrlich aus dem Weg gegangen bin. Ich feiere zwar auch hier nicht die kalendarisch verordnete Fr&#246;hlichkeit, aber ich kann sie gelassener hinnehmen, da ich in dieser Gegend zumindest das Aufgreifen echter Tradition wahrnehmen kann. Nun, und dieses Jahr versinkt die Fasnacht im Schnee, denn der will einfach nicht aufh&#246;ren zu fallen.<br />&nbsp;<br /> <a href="http://www.mansol.de/2010/02/14/maskenball-im-hochgebirge-in-memoriam-erich-kaestner/" class="more-link">(weiterlesen&#8230;)</a></p>
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		<title>Goethe gechannelt</title>
		<link>http://www.mansol.de/2010/02/07/goethe-gechannelt/</link>
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		<pubDate>Sun, 07 Feb 2010 12:40:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Frank</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Philosophie]]></category>

		<category><![CDATA[Psychonautik]]></category>

		<category><![CDATA[Goethe]]></category>

		<category><![CDATA[Kulturgeschichte]]></category>

		<category><![CDATA[Phantastik]]></category>

		<category><![CDATA[Satire]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>&nbsp;<br />Heute ist zwar bereits der 7. Februar, doch es ist der erste Sonntag des Monats, und so feiere ich ein kleines und wohl nur mir wichtiges Jubil&#228;um. Der 1. Februar des letzten Jahres war ebenfalls der erste Sonntag, und an diesem Tag ging dieses Blog online, damit ich mir selbst einen Ausgleich schaffen konnte zur Tagespolitik, der ich es unseligerweise erlaubt hatte, mein damaliges Blog &#8220;Amok Koma&#8221; zum Schlu&#223; so derartig zu dominieren, da&#223; ich nahe dran war, geistig zu ver&#246;den.<br />&nbsp;<br />Er&#246;ffnet wurde mit <a href="http://www.mansol.de/2009/02/01/als-den-gelehrten-astronomen-ich-hoerte/">Walt Whitman und einem meiner Lieblingsgedichte</a> von ihm. Bemerkenswerterweise – es war mir zu diesem Zeitpunkt gar nicht bewu&#223;t – war 2009 auch das Jahr der <a href="http://www.mansol.de/tag/astronomie/">Astronomie</a>, und es finden sich recht viele Beitr&#228;ge in diesem Blog (das war dann schon mehr oder weniger beabsichtigt), die das Thema zumindest streifen. Nun, dieses kleine Jubil&#228;um m&#246;chte ich nun mit einem Dichter begehen, an dem wohl kein(e) Deutsche(r) vorbeikommt, obs gef&#228;llt oder nicht.<br />&nbsp;<br /><span id="more-532"></span>Der folgende Beitrag ist ein Repost, denn er wurde vor etwa zwei Jahren bereits bei &#8220;Amok Koma&#8221; ins Netz gestellt und war eines der ersten Beitr&#228;ge vom <a href="http://www.magnifikatz.de/">Chef</a>, meinem Katzer, der mich auf schnodderige Weise beim Bloggen unterst&#252;tzte, lange bevor &#8220;Amok Koma&#8221; ins Verkrampfte abglitt. Ich wurde im letzten Jahr &#246;fter mal drauf angesprochen, ob ich den einen oder anderen Beitrag von &#8220;Amok Koma&#8221; wieder ins Netz stellen k&#246;nnte. Das w&#252;rde ich ja gern bei einigen wenigen Texten tun, aber ich habe mir nie Sicherheitskopien gemacht und nur wenige Texte vorgeschrieben, daher ist da nichts zu machen.<br />&nbsp;<br /><a class="shutter" href="http://www.mansol.de/wp-content/2010/02/goethe_1828web.jpg" alt="Gem&#228;ldeausschnitt Goethe im 70. Lebensjahr" title="Gem&#228;ldeausschnitt Goethe im 70. Lebensjahr"><img class="logoleft" src="http://www.mansol.de/wp-content/2010/02/goethe_1828web.jpg" alt="Gem&#228;ldeausschnitt Goethe im 70. Lebensjahr" title="Gem&#228;ldeausschnitt Goethe im 70. Lebensjahr" width="120" height="166"></a>Allerdings finde ich das auch nicht sonderlich tragisch, denn die meisten Texte waren auf die Tagespolitik bezogen und haben aufgrunddessen auch keinen Erhaltungswert an sich, so wie die meisten tagesjournalistischen (hey, ein Pleonasmus!) Texte &#252;berhaupt in der Regel keinerlei Wert haben, zumindest nicht mehr heutzutage. Aber ich will hier nicht schwafeln, sondern lieber Goethe das Wort erteilen, den ich vor rund zwei Jahren gechannelt (glauben Sie das!) und zu Deutschland, seinen Menschen und seiner Politik befragt habe.<br />&nbsp;<br />Nun, ich mu&#223; gestehen, seitdem hat zwar die Regierung gewechselt, grundlegende &#196;nderungen haben sich jedoch nicht ergeben, so da&#223; ich das gechannelte Gespr&#228;ch mit Goethe durchaus noch einmal einstellen kann, da alles, was er zu den befragten Themen zu sagen wu&#223;te, nach wie vor ohne Einschr&#228;nkung gilt.<br />Nachfolgend also die Aufzeichnung des Channelings.<br />&nbsp;<br />&nbsp;<br /><strong>Goethe gechannelt – 7 Fragen zu Deutschland</strong><br />&nbsp;<br />
1. Frage: Wie beurteilt Goethe die heutige politische Lage?<br />&nbsp;<br />Antwort:<br /><em>Das Ungl&#252;ck ist im Staat, da&#223; niemand leben und genie&#223;en, sondern jeder regieren will. Es ist ferner kein Ernst da, der ins Ganze geht, kein Sinn, dem Ganzen etwas zuliebe zu tun, sondern man trachtet nur, wie man sein eigenes Selbst bemerklich mache und es vor der Welt zu m&#246;glicher Evidenz bringe. Ja, viele kommen zur Erkenntnis des Vollendeten und ihrer eigenen Unzul&#228;nglichkeit nie und produzieren Halbheiten bis an ihr Ende.</em><br />&nbsp;<br />2. Frage: Was h&#228;lt Goethe von den Menschen?<br />&nbsp;<br />Antwort:<br /><em>Ich h&#228;tte die Erb&#228;rmlichkeit der Menschen und wie wenig ihnen um wahrhaft gro&#223;e Zwecke zu tun ist, nie so kennengelernt, wenn ich mich nicht durch meine naturwissenschaftlichen Bestrebungen an ihnen versucht h&#228;tte. Es scheint, da&#223; die g&#252;tige Natur allen denen, die bei ihr in h&#246;herer Hinsicht zu kurz gekommen sind, die Einbildung und den D&#252;nkel als vers&#246;hnendes Ausgleichungs- und Erg&#228;nzungsmittel gegeben hat.</em><br />&nbsp;<br />3. Frage: Da er es selbst kurz angeschnitten hat, was h&#228;lt Goethe von der Wissenschaft heutzutage?<br />&nbsp;<br />Antwort:<br /><em>Den meisten ist die Wissenschaft nur etwas, insofern sie davon leben, und da&#223; sie sogar den Irrtum verg&#246;ttern, wenn sie davon ihre Existenz haben.</em><br />&nbsp;<br />4. Frage: Und was sagt Goethe zur Gesellschaft?<br />&nbsp;<br />Antwort:<br /><em>Es geht uns alten Europ&#228;ern mehr oder weniger allen herzlich schlecht; unsere Zust&#228;nde sind viel zu k&#252;nstlich und kompliziert; unsere Nahrung und unsere Lebensweise ist ohne die rechte Natur, und unser geselliger Verkehr ohne eigentliche Liebe und Wohlwollen - jedermann ist fein und h&#246;flich, aber niemand hat den Mut, gem&#252;tlich und wahr zu sein, so da&#223; ein redlicher Mensch mit nat&#252;rlicher Neigung und Gesinnung einen recht b&#246;sen Stand hat.</em><br />&nbsp;<br />5. Frage: Apropos, da stellt sich die Frage zur heutigen Jugend.<br />&nbsp;<br />Antwort:<br /><em>Es geht bei uns alles dahin, die liebe Jugend fr&#252;hzeitig zahm zu machen und alle Natur, alle Originalit&#228;t und alle Wildheit auszutreiben, so da&#223; am Ende nichts &#252;brigbleibt als der Philister</em> (Anm.:Spie&#223;er, engstirnig, engherzig). <em>Ach, wenn ich die Studenten sehe - kurzsichtig, bla&#223;, mit eingefallener Brust, das ist das Bild der meisten, wie sie sich mir darstellen. Von gesunden Sinnen und Freude am Sinnlichen ist bei ihnen keine Spur, alles Jugendgef&#252;hl und alle Jugendlust ist bei ihnen ausgetrieben, und zwar unwiderbringlich; denn wenn einer in seinem zwanzigsten Jahre nicht jung ist, wie soll er es erst in seinem vierzigsten sein!</em><br />&nbsp;<br />6. Frage: Nat&#252;rlich auch noch eine Frage zur Literatur und Schreibe allgemein.<br />&nbsp;<br />Antwort:<br /><em>Mangel an Charakter der einzelnen forschenden und schreibenden Individuen ist die Quelle alles &#220;bels unserer neuesten Literatur. Besonders in der Kritik zeigt dieser Mangel sich zum Nachteil der Welt, indem er entweder Falsches f&#252;r Wahres verbreitet, oder durch ein &#228;rmliches Wahre uns um etwas Gro&#223;es bringt, das uns besser w&#228;re.</em><br />&nbsp;<br />7. und letzte Frage: Hat Goethe f&#252;r uns einen Tip, um es besser zu machen?<br />&nbsp;<br />Antwort:<br /><em>Sehr viel ist zu erreichen durch Strenge, mehr durch Liebe. Das meiste aber durch Einsicht und eine unparteiische Gerechtigkeit, bei der kein Ansehen der Person gilt. Aber eben, weil wir mehr sein wollen und &#252;berall einen gro&#223;en Apparat von Philosophie und Hypothesen mit uns herumf&#252;hren, verderben wir es.</em><br />&nbsp;<br />&nbsp;<br />&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<br />&nbsp;<br />Tja, soweit dieses Channeling mit Jottpunktwepunkt. Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzuf&#252;gen, au&#223;er, da&#223; ich kurze Zeit darauf auch noch ein Channeling mit Schiller machen wollte, doch der hatte keine Zeit; au&#223;erdem roch es die ganze Zeit &#252;ber w&#228;hrend dieser Bem&#252;hungen nach faulen &#196;pfeln, so da&#223; ich doch ganz froh war, da&#223; dieses Channeling letztendlich nicht zustande kam.<br />&nbsp;</p>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>&nbsp;<br />Heute ist zwar bereits der 7. Februar, doch es ist der erste Sonntag des Monats, und so feiere ich ein kleines und wohl nur mir wichtiges Jubil&#228;um. Der 1. Februar des letzten Jahres war ebenfalls der erste Sonntag, und an diesem Tag ging dieses Blog online, damit ich mir selbst einen Ausgleich schaffen konnte zur Tagespolitik, der ich es unseligerweise erlaubt hatte, mein damaliges Blog &#8220;Amok Koma&#8221; zum Schlu&#223; so derartig zu dominieren, da&#223; ich nahe dran war, geistig zu ver&#246;den.<br />&nbsp;<br />Er&#246;ffnet wurde mit <a href="http://www.mansol.de/2009/02/01/als-den-gelehrten-astronomen-ich-hoerte/">Walt Whitman und einem meiner Lieblingsgedichte</a> von ihm. Bemerkenswerterweise – es war mir zu diesem Zeitpunkt gar nicht bewu&#223;t – war 2009 auch das Jahr der <a href="http://www.mansol.de/tag/astronomie/">Astronomie</a>, und es finden sich recht viele Beitr&#228;ge in diesem Blog (das war dann schon mehr oder weniger beabsichtigt), die das Thema zumindest streifen. Nun, dieses kleine Jubil&#228;um m&#246;chte ich nun mit einem Dichter begehen, an dem wohl kein(e) Deutsche(r) vorbeikommt, obs gef&#228;llt oder nicht.<br />&nbsp;<br /> <a href="http://www.mansol.de/2010/02/07/goethe-gechannelt/" class="more-link">(weiterlesen&#8230;)</a></p>
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		<item>
		<title>Avatar, Afghanistan und Amoralit&#228;t</title>
		<link>http://www.mansol.de/2010/01/30/avatar-afghanistan-und-amoralitaet/</link>
		<comments>http://www.mansol.de/2010/01/30/avatar-afghanistan-und-amoralitaet/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 30 Jan 2010 14:23:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Frank</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Film]]></category>

		<category><![CDATA[Menschen]]></category>

		<category><![CDATA[Natur]]></category>

		<category><![CDATA[Intuition]]></category>

		<category><![CDATA[Krieg]]></category>

		<category><![CDATA[Mythos]]></category>

		<category><![CDATA[Science Fiction]]></category>

		<category><![CDATA[Seele]]></category>

		<category><![CDATA[Wahrnehmung]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.mansol.de/?p=526</guid>
		<description><![CDATA[<p>&nbsp;<br />Was hat James Camerons Film <em><strong>Avatar</strong></em> mit Afghanistan zu tun? Und was hat der Begriff Amoralit&#228;t im Kontext mit Afghanistan und <em><strong>Avatar</strong></em> im Titel zu suchen? Darum geht es in dieser Fortsetzung meines <a href="http://www.mansol.de/2010/01/23/frau-kaessmann-der-krieg-und-die-kritik/">Beitrags von letztem Samstag</a>. Den Schwerpunkt des heutigen Artikels werde ich auf die Ethik legen; ein Begriff, der heute im &#246;ffentlichen Raum keine Rolle mehr zu spielen scheint. Dies finde ich nicht nur sehr bedauerlich, sondern es bereitet mir sogar Sorge, denn wo es an Ethik mangelt, ist es mit der Kultur nicht mehr weit her.<br />&nbsp;<br />Nun m&#246;chte ich allerdings nicht seitenlang abstrakt dar&#252;ber debattieren, was Ethik ist, worin sie sich von Moral unterscheidet und dergleichen mehr. Daher an dieser Stelle ein <a target="_new" href="http://www.philolex.de/ethik.htm">Link zu einer Seite</a>, die recht griffig den Begriff Ethik erl&#228;utert und in Kurzform auf verwandte Begriffe, Art und Herleitung sowie inhaltliche Aussagen und Art und Begr&#252;ndung der Ethik eingeht (die Seite &#246;ffnet sich in einem neuen Fenster). Wenn ich nun also von Ethik spreche, dann meine ich damit explizit eine humanistische, demokratische Ethik.<br />&nbsp;<br /><span id="more-526"></span>Die Konzeption einer solchen Ethik d&#252;rfte am konkreten Wohl des ganzen und des einzelnen Menschen orientiert sein. Unverzichtbare Basis dieses Wohls bilden die sogenannten Grund- und Pers&#246;nlichkeitsrechte: Achtung vor der W&#252;rde des Menschen, das Recht auf Selbstbestimmung, auf Leben, Unversehrtheit, Bildung, Arbeit, auf gleiche Chancen und gleiche Rechte, auf Religions- und Meinungsfreiheit. Nicht von ungef&#228;hr sind diese Grundlagen feste Bestandteile demokratischer Verfassungen.<br />&nbsp;<br />Besonders Staaten mit demokratischen Regierungsformen unterliegen hier einer h&#246;heren Pflicht, wenn es darum geht, in das Leben von Menschen einzugreifen. Denn ob es und gef&#228;llt oder nicht, Bevormundung ist und bleibt Bevormundung, selbst wenn sie vermeintlich der Verbesserung (von Lebensumst&#228;nden, Wahlfreiheit, materielle Grundlagen usw.) dient. Und es ist moralisch nicht sonderlich glaubw&#252;rdig, wenn in ein Land einmarschiert wird, weil es undemokratisch und menschenverachtend agiert – w&#228;hrend zugleich mit anderen undemokratisch und menschenverachtend agierenden L&#228;ndern Gesch&#228;fte gemacht werden.<br />&nbsp;<br /><a class="shutterset" href="http://www.mansol.de/wp-content/2010/01/afghanistan_kabul_river_farm_foto_sven_dirks_wien_gfdl_und_cc_lizenz_webkk.jpg" alt="Afghanistan - Foto: Sven Dirks (GFDL und CC-Lizenz)" title="Afghanistan - Foto: Sven Dirks (GFDL und CC-Lizenz)"><img class="logoleft" src="http://www.mansol.de/wp-content/2010/01/afghanistan_kabul_river_farm_foto_sven_dirks_wien_gfdl_und_cc_lizenz_webkk.jpg" alt="Afghanistan - Foto: Sven Dirks (GFDL und CC-Lizenz)" title="Afghanistan - Foto: Sven Dirks (GFDL und CC-Lizenz)" width="173" height="128"></a><strong>Logik und L&#252;gen, Logikl&#252;gen, L&#252;gnerlogik</strong><br />&nbsp;<br />Aufgrund der st&#228;ndig bem&#252;hten Logik, die zur Einmischung in den jugoslawischen B&#252;rgerkrieg gef&#252;hrt hat und zum Einmarsch in den Irak und zu der Truppenentsendung nach Afghanistan, m&#252;&#223;ten eigentlich auch Einm&#228;rsche und Einmischungen in Saudi-Arabien, China, Israel, in den Iran, nach Kuwait und wahrscheinlich noch gef&#252;hlte 87 L&#228;nder mehr erfolgen, vielleicht sogar nach Griechenland und Italien. Das passiert aber nicht. Warum? Weil die genannten Gr&#252;nde nicht stimmen. Sie sind eine L&#252;ge, sie sind vorgeschoben.<br />&nbsp;<br />In Aghanistan zeigt sich das ganz deutlich, denn seit dem Einmarsch der Nato-Truppen ist dieses Land noch verarmter, noch kaputter, noch unmenschlicher geworden als es zuvor schon (h&#246;chstwahrscheinlich) war. Profitiert haben Warlords, die Drogenindustrie, eine Menge Waffenlieferanten; Korruption (auch bei der Polizei) ist an der Tagesordnung; es gibt eine kaum &#252;berschaubare Anzahl von bewaffneten Interessensgruppen (von denen die antiwestlichen allesamt in Verkennung jeglicher Realit&#228;ten Taliban genannt werden, um eine Homogenit&#228;t zu unterstellen, die gar nicht exisitiert) – und die zivilen Aufbauhelfer haben durch die Pr&#228;senz des Milit&#228;rs mittlerweile sogar mehr Schaden erlitten als Nutzen daraus zu ziehen.<br />&nbsp;<br />Denn das Verhalten der Milit&#228;rs in Afghanistan ist das von Besatzern, von Okkupanten; es ist das Verhalten von Eindringlingen und Eroberern, die ihre eigenen Ziele verfolgen, die mit denen der Bev&#246;lkerung des betroffenen Landes herzlich wenig zu tun haben. Wer das nicht wahrhaben will ist entweder dumm oder verlogen. Wenn Frau K&#228;&#223;mann davon spricht, da&#223; der Krieg in Afghanistan ethisch nicht zu legitimieren sei, wenn das milit&#228;rische gegen&#252;ber dem zivilen vorrangig geworden sei, dann ist das eine ganz konkrete und vollkommen korrekte Bewertung der Situation.<br />&nbsp;<br /><strong>Gescheiterter Ansatz – gescheiterter Einsatz</strong><br />&nbsp;<br />Ich w&#252;rde sogar noch weiter gehen: egal, ob aus einer Wahrheit im Laufe der Zeit eine L&#252;ge wurde oder ob es immer schon eine L&#252;ge war, die Aufrechterhaltung des Mandats ist unter solchen Bedingungen amoralisch, unethisch und nicht mehr vertretbar. Zudem ist das Verhalten unserer Politiker sehr inkonsequent. Mittlerweile sind sie der &#220;berzeugung, da&#223; eine Demokratie nach westlichen Vorstellungen ohnehin nicht mehr Ziel sein kann, wollen aber andererseits nicht zugeben, da&#223; sie somit faktisch gescheitert sind.<br />&nbsp;<br />Stattdessen werden noch mehr Soldaten entsendet, es sollen finanzielle Anreize geschaffen werden, um Widerstandsk&#228;mpfer zu befrieden (welch ein Unfug!), da ja die wirtschaftliche Not, und weniger die ideologische &#220;berzeugung dazu gef&#252;hrt habe, da&#223; es so viele „Rebellen“ gebe. Seltsam das, denn ich w&#252;rde rein logisch nun mal eher vermuten, da&#223; sich die wirtschaftliche Situation der Afghanen im Laufe von mehr als 8 (!) Jahren verbessert h&#228;tte bei soviel „Unterst&#252;tzung“ durch den Westen und so viel „ziviler Aufbauarbeit und Entwicklungshilfe“. Aber Pustekuchen, merkw&#252;rdig, merkw&#252;rdig.<br />&nbsp;<br />Alles in allem bleibt zu konstatieren: der mittlerweile fast ein Jahrzehnt w&#228;hrende Einsatz wurde von Jahr zu Jahr milit&#228;rischer, hat z.B. im vergangenen Jahr zu mehr Toten bei der Zivilbev&#246;lkerung gef&#252;hrt als je zuvor und st&#252;tzt im Wesentlichen eine korrupte Regierung, die sich sogar nur mittels Wahlbetr&#252;gereien an der Macht halten kann, die international zwar ger&#252;gt, aber nicht bestraft werden. Stellt sich eigentlich bei den Verantwortlichen wirklich noch jemand wenigstens ab und zu mal die Frage: Was soll das? Ich denke nicht, denn gebetsm&#252;hlenartig werden stets die gleichen Phrasen aus der Mottenkiste geholt, wenn es darum geht, die Unabdingbarkeit der Pr&#228;senz in Afghanistan zu unterstreichen.<br />&nbsp;<br /><strong>Warum mir bei Afghanistan spontan Vietnam, Irak und Pandora einfallen</strong><br />&nbsp;<br />Mich erinnert das ganze Szenario sehr an den Einmarsch in den Irak, an den Vietnam-Krieg, und ich mu&#223; auch beim Anschauen des Science-Fiction-Films <em><strong>Avatar</strong></em> von James Cameron stets einerseits an die indianische Urbev&#246;lkerung in den USA und andererseits an Afghanistan denken; denn die Menschen auf Pandora (Firmenvertreter, Milit&#228;rs und sonstige Angestellten) interessieren sich nicht im geringsten f&#252;r die Kultur der Eingeborenen, von wenigen Wissenschaftlern ausgenommen, die aber keine Entscheidungsgewalt haben.<br />&nbsp;<br /><a class="shutterset" href="http://www.mansol.de/wp-content/2010/01/avatar_cover_webkk.jpg" alt="Avatar Kinoplakat" title="Avatar Kinoplakat"><img class="logoleft" src="http://www.mansol.de/wp-content/2010/01/avatar_cover_webkk.jpg" alt="Avatar Kinoplakat" title="Avatar Kinoplakat" width="86" height="121"></a>Die einheimischen V&#246;lker der Na’vi werden einfach als primitiv und r&#252;ckst&#228;ndig deklariert, da sie sich vom menschlichen (westlichen) Lebensstil nichts annehmen und leider nicht k&#228;uflich und korrumpierbar sind. Dabei hocken sie auf wertvollen Rohstoffen, ohne da&#223; diese abgebaut werden k&#246;nnen – also wird kurzerhand Gewalt angewendet, um sich die Ressourcen zu sichern. Da&#223; hier nat&#252;rlich gegebene Eigentumsrechte verletzt werden (wie schon damals in den USA, wie heute in Afrika, im Amazonasgebiet usw.) interessiert niemanden.<br />&nbsp;<br />Wenn ein Volk der Auffassung ist, da&#223; die Erde und die Natur, in der und mit der es lebt, niemanden geh&#246;ren kann, scheint die westlich-kapitalistische-materialistische „Kultur“ das stets zum Anla&#223; zu nehmen, sich r&#252;cksichtslos selbst zum Eigent&#252;mer zu deklarieren (entweder durch „Kaufen“, Erpressung oder Eroberung). Auch hier kollidieren Politik und Wirtschaft auf der einen Seite mit der Ethik auf der anderen Seite. Dazu gesellt sich denn noch eine fatale Unaufmerksamkeit und Unsensibilit&#228;t, den Lebensweisen und Lebenseinstellungen der Ureinwohner gegen&#252;ber. Aber was will mensch von Imperialisten auch erwarten?<br />&nbsp;<br /><em><strong>In Avatar</strong></em> wird das sehr drastisch gezeigt, als der Soldat Sully im &#8220;Avatargewand&#8221; vor wilden Tieren gerettet werden mu&#223; und, als er sich bedankt, eine deftige Abfuhr bekommt, denn „<em>daf&#252;r bedankt man sich nicht, es ist traurig</em>“, da Sully durch sein Verhalten diese Situation des T&#246;tenm&#252;ssens erst herbeigef&#252;hrt hat, denn die angreifenden Tiere h&#228;tten nicht sterben m&#252;ssen, wenn Sully aufmerksamer gewesen w&#228;re. Eine der st&#228;rksten Szenen f&#252;r mich im Film, denn hier wird die Grundhaltung der Na’vi eingef&#252;hrt.<br />&nbsp;<br />Es ist diese Grundhaltung und alles damit verbundene, die Sully in den Bann schl&#228;gt und ihn zuletzt als Na’vi f&#252;hlen, denken und handeln l&#228;&#223;t – und nicht mehr als Mensch. Gef&#246;rdert wird dieser Proze&#223; nat&#252;rlich durch den Umstand, da&#223; Sully ein Au&#223;enseiter ist - bei den Menschen wie bei den Na’vi, denn er geh&#246;rt nicht wirklich mehr zum Milit&#228;r (ausgemustert aufgrund seiner L&#228;hmung), er geh&#246;rt auch nicht zu den Wissenschaftlern; und schlie&#223;lich geh&#246;rt er auch (anf&#228;nglich) nicht zu den Na’vi (da die „Himmelsmenschen“, wie die Avatare von den Na’vi genannt werden, lernunf&#228;hig und -willig seien, was Sully auch eine geraume Weile durch seine falsche innere Einstellung best&#228;tigt).<br />&nbsp;<br /><strong><em>Avatar</em> ist  moralischer und ethischer als die Realit&#228;t</strong><br />&nbsp;<br />Es ist eine Entwicklungsgeschichte: Mensch kommt zu fremden Volk, lernt u.a. aus pers&#246;nlichen Motiven heraus ihre Sitten und Gebr&#228;uche, ist fasziniert, beginnt dann  zu verstehen, identifiziert sich letztendlich, weil es das „bessere“ Leben ist (durchaus im Sinne von ethisch und moralisch, aber auch von der Lebensfreude her, was eigentlich auch nicht zu trennen ist, selbst wenn uns die Vergn&#252;gungsindustrie etwas anderes einreden will), und setzt sich an die Spitze des Volkes, um es zu retten (und somit auch die eigene Seele und sich selbst) und seine Kultur zu verteidigen gegen die Eindringlinge.<br />&nbsp;<br />Wenn ich dann bei Filmkritiken lesen mu&#223;, da&#223; dies im Kern rassistisch sei, weil Jack Sully mit Tarzan und Co verglichen wird (also die &#220;berlegenheit des wei&#223;en Mannes aus der Kolonialzeit thematisiert wird), sch&#252;ttele ich nur fassungslos den Kopf ob solcher intellektuellen Tieffl&#252;ge, da v&#246;llig au&#223;er acht gelassen wird, welcher Entwicklungsproze&#223; in Sully selbst dem ganzen vorausgeht; mal ganz davon abgesehen, da&#223; beinahe alle diejenigen, die gro&#223;e Ver&#228;nderungen bewirkt haben, nie aus dem System selbst gekommen sind, sondern stets von au&#223;erhalb kommen mu&#223;ten!<br />&nbsp;<br />Wenn ich dann nach Afghanistan schaue, dann f&#228;llt mir auf, da&#223; es da nur einige wenige Menschen aus den westlichen L&#228;ndern gibt, die sich die M&#252;he machen, Land und Leute &#252;berhaupt zu begreifen. Das sind dann zivile Helfer von NGOs (Nicht-Regierungs-Organisationen), deren kleine Erfolge wohl auch eben genau darauf zur&#252;ckzuf&#252;hren sind. Wenn jemand den Leuten und dem Land helfen k&#246;nnte, dann solche Menschen. Das Milit&#228;r in Afghanistan verh&#228;lt sich im Gegensatz dazu doch eher wie das Milit&#228;r bei <em><strong>Avatar</strong></em>. Und die staatlichen Entwicklungshilfen dienen den „spendenden“ Staaten wahrscheinlich mehr als Afghanistan selbst.<br />&nbsp;<br />Das meiste Geld versickert im korrupten System (Regierung, B&#252;rokratie, Polizei usw.), das mich mittlerweile sehr an Deutschland erinnert. Da immerhin sind endlich die &#196;hnlichkeiten, die einen Einsatz &#252;berhaupt rechtfertigen k&#246;nnten: beide L&#228;nder sind neopatrimonialistisch organisiert. Der Einfachheit halber verlinke ich an dieser Stelle auf die <a target="_new" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Neopatrimonialismus">Definition bei wikipedia</a> (Link &#246;ffnet sich in neuem Fenster). Es braucht wahrlich nicht viel Phantasie und Intelligenz, um die dort genannten typischen Elemente und Merkmale auf Afghanistan <strong>und</strong> Deutschland zu &#252;bertragen.<br />&nbsp;<br /><strong>Abschlie&#223;ende Worte zum Thema Politik</strong><br />&nbsp;<br />Ich habe am Donnerstag mein 49. Lebensjahr vollendet und gehe nun das 50. an. Nach der Chakrenlehre ist dies eine Art Neugeburt. Nach 7 x 7 Jahren ist ein kompletter Lebenszyklus abgeschlossen. Bemerkenswerterweise ist das chinesische I Ging-Zeichen Nr. 49 denn auch das der Revolution, Umw&#228;lzung, Mauserung, H&#228;utung. Ich erw&#228;hne dies nicht, weil ich jetzt auf Geschenke und Gl&#252;ckwunsche hoffe, sondern ich erw&#228;hne es, um an dieser Stelle deutlich zu machen, da&#223; ich mich nach reiflicher &#220;berlegung dazu entschlossen habe, politisch mit diesem Land nichts mehr zu schaffen haben zu wollen, bis es sich wieder auf den Weg zur&#252;ck zu einer Demokratie bewegt hat, die ihren Namen auch verdient. Ich bin alt und erfahren genug und habe in meinem Leben (auch politisch) genug erlebt und getan, um mir ein solches Urteil erlauben zu k&#246;nnen.<br />&nbsp;<br />Nat&#252;rlich werde ich mich politisch weiter bet&#228;tigen, das l&#228;&#223;t sich auch gar nicht vermeiden bei meinen ehrenamtlichen T&#228;tigkeiten innerhalb der Strukturen dieser Gesellschaft, doch hier im Blog werde ich umso konsequenter fortf&#252;hren, was ich im letzten Jahr bereits getan habe: &#252;ber Kunst, Kultur, philosophische Gedanken mit spirituellem Hintergrund und all das zu schreiben, was mich bewegt, was mich gepr&#228;gt hat, was mir Freude bereitet (und seltener auch &#252;ber etwas, was mich zutiefst ver&#228;rgert) und von dem ich kundtun m&#246;chte, damit auch andere Menschen davon erfahren.<br />&nbsp;<br />Tagespolitik z&#228;hlt definitiv nicht dazu. Insofern bitte ich darum, meine beiden letzten Beitr&#228;ge zu Afghanistan als das zu verstehen, was sie sind: eine Ausnahme, weil mir der Kragen geplatzt ist ob der Art der Debatten und der medialen Berichterstattung. Immerhin bot sich mir dabei die Gelegenheit, den Begriff der Ethik ins Spiel zu bringen. Denn eine ethische Lebensf&#252;hrung ist f&#252;r mich eine der Grundvoraussetzungen f&#252;r ein „richtiges“ Leben, zugleich ist es auch immer eine philosophische Lebensf&#252;hrung, und &#252;ber die werde ich sicher in diesem Jahr noch mehr schreiben. Auch der Privatier kann gesellschaftspolitisch relevant sein.<br />&nbsp;</p>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>&nbsp;<br />Was hat James Camerons Film <em><strong>Avatar</strong></em> mit Afghanistan zu tun? Und was hat der Begriff Amoralit&#228;t im Kontext mit Afghanistan und <em><strong>Avatar</strong></em> im Titel zu suchen? Darum geht es in dieser Fortsetzung meines <a href="http://www.mansol.de/2010/01/23/frau-kaessmann-der-krieg-und-die-kritik/">Beitrags von letztem Samstag</a>. Den Schwerpunkt des heutigen Artikels werde ich auf die Ethik legen; ein Begriff, der heute im &#246;ffentlichen Raum keine Rolle mehr zu spielen scheint. Dies finde ich nicht nur sehr bedauerlich, sondern es bereitet mir sogar Sorge, denn wo es an Ethik mangelt, ist es mit der Kultur nicht mehr weit her.<br />&nbsp;<br />Nun m&#246;chte ich allerdings nicht seitenlang abstrakt dar&#252;ber debattieren, was Ethik ist, worin sie sich von Moral unterscheidet und dergleichen mehr. Daher an dieser Stelle ein <a target="_new" href="http://www.philolex.de/ethik.htm">Link zu einer Seite</a>, die recht griffig den Begriff Ethik erl&#228;utert und in Kurzform auf verwandte Begriffe, Art und Herleitung sowie inhaltliche Aussagen und Art und Begr&#252;ndung der Ethik eingeht (die Seite &#246;ffnet sich in einem neuen Fenster). Wenn ich nun also von Ethik spreche, dann meine ich damit explizit eine humanistische, demokratische Ethik.<br />&nbsp;<br /> <a href="http://www.mansol.de/2010/01/30/avatar-afghanistan-und-amoralitaet/" class="more-link">(weiterlesen&#8230;)</a></p>
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		<title>Frau K&#228;&#223;mann, der Krieg und die Kritik</title>
		<link>http://www.mansol.de/2010/01/23/frau-kaessmann-der-krieg-und-die-kritik/</link>
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		<pubDate>Sat, 23 Jan 2010 13:44:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Frank</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Menschen]]></category>

		<category><![CDATA[Philosophie]]></category>

		<category><![CDATA[Denken]]></category>

		<category><![CDATA[Krieg]]></category>

		<category><![CDATA[Religion]]></category>

		<category><![CDATA[Wahrnehmung]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.mansol.de/?p=517</guid>
		<description><![CDATA[<p>&nbsp;<br />Wer sich durch den obigen Titel an die Alliteration <em>Kinder, K&#252;che, Kirche</em> erinnert f&#252;hlt, liegt gar nicht so weit daneben, denn ich bin der festen &#220;berzeugung, da&#223; die harsche und teils v&#246;llig &#252;berzogene Kritik an Frau K&#228;&#223;manns Position zum Afghanistankrieg aus politischen und (leider auch) intellektuellen Kreisen aus genau jenem schlammigen N&#228;hrboden erw&#228;chst, den die Theatermacher Dario Fo und Franca Rame bereits vor Jahrzehnten u.a. in ihrem St&#252;ck „Nur Kinder, K&#252;che, Kirche“ kritsch hinterfragten und teils persiflierten.<br />&nbsp;<br />Aber ich m&#246;chte in diesem Beitrag nicht &#252;ber die Theaterst&#252;cke schreiben, auch wenn sie nach wie vor aktueller sind, als manche Menschen wahrhaben m&#246;chten; in diesem Beitrag m&#246;chte ich vielmehr auf grunds&#228;tzliche Muster eingehen, die mir im Zusammenhang mit Frau K&#228;&#223;mann, den Umgang mit Afghanistan und der Kritik am Krieg auffallen. Es sind inhumane und demokratiefeindliche Muster, es sind Muster, die den sogenannten geistigen Fortschritt der Menschheit ernsthaft in Frage stellen.<br />&nbsp;<br /><span id="more-517"></span><a class="shutter" href="http://www.mansol.de/wp-content/2010/01/kaessmannwebkk.jpg" alt="Margot K&#228;&#223;mann, Bildautor ist Kalep78, bearb. F. Dreyer, Lizenz GNU" title="Margot K&#228;&#223;mann, Bildautor ist Kalep78, bearb. F. Dreyer, Lizenz GNU"><img class="logoleft" src="http://www.mansol.de/wp-content/2010/01/kaessmannwebkk.jpg" alt="Margot K&#228;&#223;mann, Bildautor ist Kalep78, bearb. F. Dreyer, Lizenz GNU" title="Margot K&#228;&#223;mann, Bildautor ist Kalep78, bearb. F. Dreyer, Lizenz GNU" width="94" height="165"></a><strong>Es gibt keinen gerechten Krieg</strong><br />&nbsp;<br />„Jeder Krieg ist eine Niederlage des menschlichen Geistes“, so lautet ein mehr oder weniger bekanntes Zitat. Es ist von Henry Miller, der lange Zeit in seinem Heimatland USA als pornografischer Autor gebrandmarkt wurde, obwohl er in erster Linie die verlogene Moral der b&#252;rgerlichen Gesellschaft aufs Korn nahm. Ob nun Margot K&#228;&#223;mann, die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, dieses Zitat kennt, wei&#223; ich nicht – ich bin jedoch sicher, da&#223; sie diesen Ausspruch ohne Einschr&#228;nkung bejahen w&#252;rde.<br />&nbsp;<br />Bereits zu Weihnachten &#252;bte sie deutliche Kritik an der Art und Weise des mentalen und politischen Umgangs mit dem Afghanistankrieg. Zu Recht machte sie darauf aufmerksam, da&#223; das milit&#228;rische den Vorrang bekommen habe, da&#223; Deutschland nicht nur das drittgr&#246;&#223;te Kontingent an Soldaten in Afghanistan stellen w&#252;rde, sondern auch drittgr&#246;&#223;er R&#252;stungsexporteur sei und somit auch noch an den Kriegen verdienen w&#252;rde, die wir dann beklagen.<br />&nbsp;<br />Aus christlicher Sicht seien die Geschehnisse in Afghanistan nicht zu rechtfertigen, denn es gebe keinen gerechten Krieg; das freigesetzte Gewaltpotential eines Krieges zerst&#246;re alle, die daran beteiligt seien. Unangenehme Fakten, unangenehme Mahnungen; doch die Reaktion darauf hielt sich in Grenzen. In den Kommentarspalten der konservativen Online-Medien gab es allerdings bereits kritische &#196;u&#223;erungen. Die etablierten Medien, Politiker und sonstige „Amtstr&#228;ger“ wagten sich jedoch erst aus der Deckung, als K&#228;&#223;mann in ihrer Predigt im Neujahrsgottesdienst in der Frauenkirche in Dresden ihre Mahnungen wiederholte und untermauerte.<br />&nbsp;<br />Ich finde das umso erstaunlicher, da der Afghanistankrieg in der Predigt nur ein kleiner Bestandteil einer fundamentalen Kritik an den Zust&#228;nden in der Welt darstellt. Er wird in einer Passage von mehreren, die mit „Nichts ist gut“ beginnen, zur Sprache gebracht; neben dem Krieg werden Kinderarmut – Klimaproblematik - Die Angst, Depressionen zuzugeben - und anderes thematisiert; doch all dies geht unter, es entsteht der Eindruck, als w&#252;rde K&#228;&#223;manns Predigt aus nichts anderem als einer einzigen gewaltigen Kritik und Absage an den Bundeswehreinsatz in Afghanistan bestehen.<br />&nbsp;<br /><strong>K&#228;&#223;manns Kritiker sind unlauter</strong><br />&nbsp;<br />Allein deswegen m&#252;ssen sich die Kritiker bereits das Pr&#228;dikat der Unterlauterkeit ans Revers heften lassen, finde ich; denn die Kritik am Krieg bettet sich in einen Themenkomplex ein, der das Erschrecken &#252;ber die Zust&#228;nde in der Welt und das Erschrecken &#252;ber die eigene Rolle in dieser „Atmosph&#228;re der Gnadenlosigkeit“ beleuchtet. Es geht in der Predikt darum, zu erkennen, da&#223; etwas in unserem Dasein entsetzlich falsch l&#228;uft; es geht darum, zu erkennen, da&#223; Angst und Ersch&#252;tterung eine existentielle Dimension angenommen haben, &#252;ber die nicht mehr so einfach hinweggegangen werden sollte.<br />&nbsp;<br />All das wird wohlweislich von den Kritikern der Predigt unterschlagen. Es ist eine Predigt, die sich nat&#252;rlich mit dem weltlichen Dasein auseinandersetzt; es ist eine Predigt, die die Finger in Wunden legt, ohne konkrete L&#246;sungsans&#228;tze zu pr&#228;sentieren (was ja nun auch nicht die Aufgabe einer Predigt ist); es ist halt eine Predigt – und nicht die schlechteste. Ich habe sie gelesen, sie ist auch gar nicht so lang, hier der <a target="_new" href="http://www.ekd.de/predigten/kaessmann/100101_kaessmann_neujahrspredigt.html">Link zur Predigt</a> f&#252;r alle, die sich ihre eigene Meinung dazu bilden m&#246;chten (&#246;ffnet sich in einem neuen Fenster).<br />&nbsp;<br />Nun, ich bin Atheist; ich bin kein Fan der christlichen Kirchen (weder der katholischen noch der evangelischen); auch mir ist in den Sinn gekommen, ob hier nicht auch eine geh&#246;rige Portion PR mit hineinspielt, um der Kirche einige ihrer verlorengegangenen Sch&#228;fchen wieder zur&#252;ckzuholen; es mag so sein – Fakt ist jedoch, da&#223; Margot K&#228;&#223;mann im Grunde doch nur die Position vertritt, die die evangelische Kirche bereits in einer Denkschrift des Jahres 2007 definiert hat.<br />&nbsp;<br />Darum verwundert es mich auch nicht, wenn Bisch&#246;fin K&#228;&#223;mann sich dar&#252;ber verwundert zeigt, da&#223; ihre Predigt und ihre inhaltlichen Positionen zum Thema Krieg im Allgemeinen und zum Krieg in Afghanistan im Besonderen so viel Aufregung verursachen. Und ich gebe ihr uneingeschr&#228;nkt recht, wenn sie nicht m&#252;de wird, darauf hinzuweisen, da&#223; die ethische Legitimation dieses Einsatzes in Frage steht, wenn der Vorrang des zivilen nicht mehr erkennbar ist. Denn eben dieses „zivile“ ist doch der argumentative Dreh- und Angelpunkt, den uns die Politiker immer um die Ohren hauen, wenn es darum geht, den Kampfeinsatz der Bundeswehr zu rechtfertigen.<br />&nbsp;<br /><strong>Die Kriegsbef&#252;rworter sind noch verlogener</strong><br />&nbsp;<br />Ich habe noch sehr deutlich im Ohr, wie massiv und wie oft die <em>kleinen Kopftuchm&#228;dchen</em> (Thilo Sarrazins zynische Definition) und ihr Schulgang daf&#252;r herhalten m&#252;ssen, um u.a. die Bombardierung von gestohlenen Tanklastz&#252;gen zu erkl&#228;ren, w&#228;hrend sie in Berlin wohl offensichtlich nicht als Schulg&#228;ngerinnen erw&#252;nscht sind. Mensch m&#246;ge mir diesen Sarkasmus nachsehen, aber diese elende Doppelmoral, die da permanent aus dem Munde aller m&#246;glichen und unm&#246;glichen Politiker (der CDU, CSU, SPD, FDP und auch die der Gr&#252;nen leider!) abgesondert wird, ekelt mich mittlerweile doch sehr an.<br />&nbsp;<br />Und damit w&#252;hle ich mich bereits tief in den Sumpf derer, die einsichtslos und kritikresistent den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan guthei&#223;en und sich dar&#252;ber echauffieren, wenn sie mit der Nase darauf gesto&#223;en werden, da&#223; ihre Legitimation nicht nur fragw&#252;rdig geworden ist (wenn sie es nicht schon von jeher war), sondern die gesamte politische Zielsetzung, die damit einhergeht, auf den Pr&#252;fstand gestellt werden mu&#223;, wenn es darum geht, das Ganze realistisch einzusch&#228;tzen.<br />&nbsp;<br />Ich erinnere mich gut, wie Kurt Beck ausgelacht worden ist, als er vor ein bis zwei Jahren den Vorschlag machte, mit den Taliban zu reden, statt die Lage noch mehr eskalieren zu lassen; heute wird K&#228;&#223;mann kritisiert und als unrealistisch abqualifiziert, weil sie &#228;hnliches anregt – und ich bin &#252;berzeugt, da&#223; Verteidigungsminister Guttenberg ganz dolle gelobt wird von den etablierten Medien, wenn er inhaltlich vergleichbares sagt. Doch das ist ein ganz anderes Thema, darum gehe ich darauf nun nicht weiter ein, obwohl es symptomatisch ist f&#252;r das Versagen und den moralischen Niedergang der etablierten Medien in diesem Lande.<br />&nbsp;<br /><strong>Es wurde Zeit, da&#223; Ethik mal wieder als Kriterium genannt wird</strong><br />&nbsp;<br />Ich pers&#246;nlich bin der &#220;berzeugung, da&#223; ich keiner Religion bedarf, um ethisch und moralisch denken, empfinden, reden und handeln zu k&#246;nnen; es ist aber leider nun mal so, da&#223; Ethik und Moral in diesem Staat kaum noch eine Rolle im &#246;ffentlichen Disput spielen; diese Kriterien sind weggedr&#228;ngt und selbst in den Kirchen z.B. im sozialen Bereich (Hartz IV sei hier als Beispiel genannt) kaum mehr angewendet worden; und da bin ich – rein menschlich, als empathisches Wesen – bereits gl&#252;cklich, wenn endlich einmal wieder jemand (eine Frau, Amtskirche, na so was!) daherkommt, und diese Kriterien zur&#252;ck ins Spiel bringt.<br />&nbsp;<br />Und ich denke, genau das ist es letztendlich, warum Frau K&#228;&#223;mann gerade von den Intellektuellen so arg kritisiert wird: sie sind kalt erwischt worden; sie sind kalt erwischt worden dabei, da&#223; sie selbst ihren eigenen Anspruch verraten haben, so etwas tut nat&#252;rlich weh, und nun bellen die getroffenen Hunde, wie z.B. einer der Chefs der Heinrich-B&#246;ll-Stiftung, J&#252;rks oder W&#252;rgs, ich kann mir den Namen nicht merken und er ist mir ehrlich gesagt auch zu unwichtig, um ihn zu ergoogeln; es ist ein Armutszeugnis f&#252;r das „Land der Dichter und Denker“, da&#223; zun&#228;chst einmal Jahre vergehen, bis die Frage der Ethik &#252;berhaupt wieder aufgebracht wird, um dann zu allem &#220;berdru&#223; diesem Vorsto&#223; auch noch eine Absage zu erteilen. Heinrich B&#246;ll w&#252;rde dieser Type wohl sofort den Vorsitz entziehen, doch unsere Realpolitiker sind dazu nicht imstande.<br />&nbsp;<br />Unsere Realpolitiker nehmen lieber diese „Atmosph&#228;re der Gnadenlosigkeit“ als gegeben hin und wurschelten weiter herum, als da&#223; sie auch nur im Traum auf den Gedanken k&#228;men, einmal ihren eigenen Anteil daran zu hinterfragen und sich zu sch&#228;men; denn da g&#228;be es einiges, weshalb sie sich sch&#228;men k&#246;nnten: immerhin unterst&#252;tzen sie ein durch und durch korruptes (aber gl&#252;cklicherweise prowestliches) System, um ein antiwestliches zu verhindern. Karsei und Konsorten konnten doch nur durch die milit&#228;rische Hilfe und Pr&#228;senz der Nato-Einheiten so m&#228;chtig werden.<br />&nbsp;<br />Und eine geh&#246;rige Portion Kolonialdenke und damit Hand in Hand gehender Rassismus lassen sich nun leider auch nicht leugnen; denn der westliche Lebensstil, das europ&#228;isch/amerikanische Verst&#228;ndnis von Kultur und Politik sollen hier den „r&#252;ckst&#228;ndigen Barbaren“ aufgezwungen werden (ob sie es wollen oder nicht); doch kaum jemand der Verantwortlichen unterzog sich bislang der M&#252;he, sich einmal mit der Mentalit&#228;t der Afghanen wirklich auseinanderzusetzen. Um die Menschen ging es nie.<br />&nbsp;<br /><span class="klein"><em>Der <a href="http://www.mansol.de/2010/01/30/avatar-afghanistan-und-amoralitaet/">zweite Teil meines Beitrags</a> folgt im Lauf der n&#228;chsten Woche; dann werde ich einen Querbezug herstellen zu <strong>Avatar</strong> von James Cameron (oh ja, ich meine das todernst) und einen kleinen Exkurs dar&#252;ber halten, warum ich der Ansicht bin, da&#223; dieses Deutschland keine Demokratie mehr ist, sondern der Begriff des Neopatrimonialismus eine wesentlich treffendere Bezeichnung f&#252;r das reale politische System ist, in dem wir uns seit geraumer Zeit befinden. Und ich werde ganz kurz darauf eingehen, warum ich zu Beginn dieses Jahres doch der Politik Raum gebe in meinem Blog, obwohl ich das eigentlich nicht wollte.</em></span><br />&nbsp;</p>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>&nbsp;<br />Wer sich durch den obigen Titel an die Alliteration <em>Kinder, K&#252;che, Kirche</em> erinnert f&#252;hlt, liegt gar nicht so weit daneben, denn ich bin der festen &#220;berzeugung, da&#223; die harsche und teils v&#246;llig &#252;berzogene Kritik an Frau K&#228;&#223;manns Position zum Afghanistankrieg aus politischen und (leider auch) intellektuellen Kreisen aus genau jenem schlammigen N&#228;hrboden erw&#228;chst, den die Theatermacher Dario Fo und Franca Rame bereits vor Jahrzehnten u.a. in ihrem St&#252;ck „Nur Kinder, K&#252;che, Kirche“ kritsch hinterfragten und teils persiflierten.<br />&nbsp;<br />Aber ich m&#246;chte in diesem Beitrag nicht &#252;ber die Theaterst&#252;cke schreiben, auch wenn sie nach wie vor aktueller sind, als manche Menschen wahrhaben m&#246;chten; in diesem Beitrag m&#246;chte ich vielmehr auf grunds&#228;tzliche Muster eingehen, die mir im Zusammenhang mit Frau K&#228;&#223;mann, den Umgang mit Afghanistan und der Kritik am Krieg auffallen. Es sind inhumane und demokratiefeindliche Muster, es sind Muster, die den sogenannten geistigen Fortschritt der Menschheit ernsthaft in Frage stellen.<br />&nbsp;<br /> <a href="http://www.mansol.de/2010/01/23/frau-kaessmann-der-krieg-und-die-kritik/" class="more-link">(weiterlesen&#8230;)</a></p>
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		<title>Blick zur&#252;ck nach vorn</title>
		<link>http://www.mansol.de/2010/01/10/blick-zurueck-nach-vorn/</link>
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		<pubDate>Sun, 10 Jan 2010 14:31:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Frank</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Menschen]]></category>

		<category><![CDATA[Philosophie]]></category>

		<category><![CDATA[Denken]]></category>

		<category><![CDATA[Intuition]]></category>

		<category><![CDATA[Wahrnehmung]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>&nbsp;<br />2010 ist nun 10 Tage alt und meine kleine Auszeit ist zu Ende. Ehrlich gesagt erkenne ich zum abgelaufenen Jahr keine Unterschiede. Da ich im <a href="http://www.mansol.de/2009/12/29/weihnachten-silvester-jahresendzeit-stresszeit/">letzten Dezemberbeitrag</a> ein paar Worte zur Politik verlor, was sich nicht vermeiden lie&#223;, verliere ich auch in meinem ersten Januarbeitrag einige, aber zur Regel wird das sicher nicht. Mein Verh&#228;ltnis zur Politik ist mit dem Wort „Entt&#228;uschung“ recht gut beschrieben, in zweierlei Hinsicht.<br />&nbsp;<br />Zum einen verstehen die meisten Menschen unter dem Begriff nat&#252;rlich den daraus resultierenden emotionalen Zustand, bestehend aus einem bitteren Gef&#252;hl der Ohnmacht, dem Wunsch, alles hinzuwerfen, einer Art Wut &#252;ber das, was da kaputt ging oder gemacht wurde durch L&#252;ge, Unaufrichtigkeit, Dummheit, Ignoranz oder auch Gef&#252;hksk&#228;lte; auf der anderen Seite hei&#223;t „Entt&#228;uschung“ eben auch Ent-T&#228;uschung, die T&#228;uschung hat also ein Ende, ist aufgeflogen, aus dem Schatten ans grelle Licht gezerrt worden.<br />&nbsp;<br /><span id="more-512"></span><a class="shutter" href="http://www.mansol.de/wp-content/2010/01/blick_fensterwebkkk.jpg" alt="Blick aus dem Arbeitszimmer" title="Blick aus dem Arbeitszimmer"><img class="logoleft" src="http://www.mansol.de/wp-content/2010/01/blick_fensterwebkkk.jpg" alt="Blick aus dem Arbeitszimmer" title="Blick aus dem Arbeitszimmer" width="222" height="166"></a>Wie in meiner Kurzbio hier auf diesem Blog zu lesen ist, bin ich in einen Arbeiterhaushalt hineingeboren worden. Meine Mutter stammt allerdings aus einem eher kleinb&#252;rgerlichen Milieu, ihre Eltern kamen aus der Eifel ins Ruhrgebiet und waren streng katholisch. Was bei meiner Mutter davon &#252;brig blieb war ein kurzes, dahingehuschtes Segnungszeichen vor dem Mittagessen und einige Fixtermine im Jahr, von denen ich einen zu Weihnachten/Neujahr beschrieben habe.<br />&nbsp;<br /><strong>Reflektion? In der Bundesrepublik? Fehlanzeige!</strong><br />&nbsp;<br />Mein Vater ist kulturlos. Ich w&#252;&#223;te nicht, wie ich es anders ausdr&#252;cken sollte. Ich kann mich nicht erinnern, ihn bspw. jemals ein Buch lesend gesehen zu haben; Lesen beschr&#228;nkte sich auf die Tageszeitung – selbst Magazine bl&#228;tterte er h&#246;chst selten einmal durch. Irgendwo habe ich mal gelesen, da&#223; B&#252;chergeschenke an M&#228;nner meist aus gro&#223;formatigen Bilderb&#228;nden best&#252;nden – nun, es k&#246;nnte durchaus daran liegen, da&#223; bunte Bildchen wenigstens zum Durchbl&#228;ttern animieren, w&#228;hrend eine sogenannte Textw&#252;ste auf M&#228;nner wie meinen Vater abschreckend wirkt.<br />&nbsp;<br />Wobei ich da nicht einmal den soziologischen Hintergrund meine, sondern eher die Generationenfrage aufwerfen m&#246;chte. Es ist die Generation derer, die als Kind in Tr&#252;mmern gro&#223; wurden, die in einer Zeit der absoluten Verdr&#228;ngung und L&#252;ge auswuchsen, denn das „Dritte Reich“ war gerade erst untergegangen, und alle Deutschen wurden ruckzuck zu waschechten Demokraten amerikanischer oder zu waschechten Kommunisten sowjetischer Pr&#228;gung. Diese generierten sich als antifaschistisch, unsere Seite hatte nicht einmal ein Meinungsbild zur eigenen j&#252;ngsten Vergangenheit (auch 1968 war f&#252;r Menschen wie meine Eltern kulturell und politisch nicht andersartiger als z.B. 1960 oder 1980).<br />&nbsp;<br />Stattdessen wurde wieder aufgebaut. W&#228;hrend die DDR die Nationalhymne mit „Auferstanden aus Ruinen…“ beginnen lie&#223;, geschah dies ganz realiter und pragmatisch in der noch jungen, neuen Bundesrepublik, verbunden mit Sanierungswut und einem „Wirtschaftswunder“, das es m&#246;glich machte, da&#223; selbst die „kleinen Leute“ sich einen mehr oder weniger bescheidenen Wohlstand erarbeiten konnten, zu ihren (Reihen-)H&#228;uschen kamen und sich den obligatorischen Zweitwagen erlauben konnten – von all dem Elektrofirlefanz, den Ledergarnituren, Einbauk&#252;chen und Sammlerschnickschnack gar nicht zu reden.<br />&nbsp;<br /><strong>Meine Literatur bestand aus Heftromanen, mein politisches Verst&#228;ndnis war naiv</strong><br />&nbsp;<br />Die hohe Zeit der sozialen Marktwirtschaft und des „rheinischen Kapitalismus“. Inwiefern das nun gut oder schlecht, echt oder unecht war, lasse ich mal dahingestellt, da es nicht mein Thema ist. Tatsache ist aber, da&#223; ich in einem solchen kulturfernen Klima aufgewachsen bin, da&#223; es schon arg verwunderlich ist, warum ich anfing, Musik und Lesen zu meinen Hobbies zu machen; mit 10 etwa verschlang ich die alten Abenteuerromane f&#252;r Kinder und Jugendliche, die meist noch aus den 1950er Jahren stammten, mit 14 etwa fing ich an, Horror- und Gruselromane zu lesen und zu sammeln; ja, genau, die Hefte f&#252;r 80 Pfennig, 1 Mark, dann 1,20 Mark. Es gab Unmengen an Reihen: D&#228;monenkiller, Dr. Morton, Geisterkrimi, Gespensterkrimi, Z-Silber-Gruselkrimi, Macabros, Vampir-Horror-Reihe, um nur einige wenige zu nennen.<br />&nbsp;<br />Mit 18 kutschierte ich rund 1500 dieser Hefte in drei gro&#223;en blauen M&#252;lls&#228;cken auf dem R&#252;cksitz meines K&#228;fers durch die Gegend auf der Suche nach einem An- und Verkauf oder einem Tauschladen (so was gabs damals noch, Anfang der 1980er Jahre, da wurden Heftromane getauscht, 1 f&#252;r 2), um die Dinger los zu werden, da meine Sammelleidenschaft erloschen und mein Anspruch gestiegen war. Kurz gesagt, ich wurde sie los f&#252;r 200 Mark. Ich wei&#223; also sehr genau, was „Verm&#246;gensvernichtung“ bedeutet (damals freilich noch nicht).<br />&nbsp;<br />Wie dem auch sei. Hatte ich mich schon in der Schule „politisch“ engagiert, als Klassensprecher, so nahm dieses Engagement seinen Fortschritt w&#228;hrend meiner Ausbildung. Vertrauensmann (Gewerkschaft), sp&#228;ter Jugendvertreter; zum Betriebsrat brachte ich es nicht, da ich nur ein Jahr nach Abschlu&#223; der Ausbildung die Firma verlie&#223;. Im Ersatzdienst ging das Engagement weiter, schlie&#223;lich trat ich aus der Gewerkschaft aus und bei den Gr&#252;nen ein (das war 1983). Damals gabs noch nicht die Fl&#252;gel der „Fundis“ und „Realos“, zumindest nicht in Duisburg. Das kam erst ein paar Jahre sp&#228;ter. Und da stieg ich angewidert aus.<br />&nbsp;<br />&#220;brigens, da sollten die Linken aufpassen; es wurde &#252;bel in Duisburg bei den Gr&#252;nen, als all die marxistisch-leninistischen Splittergr&#252;ppchen, karrieregeilen Jusos und Dauerstudenten die Partei infiltrierten, um sich dort breit zu machen. Ich bin bestimmt kein B&#252;rgerlicher, aber was ich da seinerzeit erlebt habe, war sehr, sehr abschreckend; an sinnvoller, thematischer und praktischer Arbeit war nicht mehr zu denken. Das wars dann auch f&#252;r mich, was Parteipolitik betrifft, f&#252;r die n&#228;chsten 20 Jahre. Es folgte eine lange Phase an politischer Arbeit in unabh&#228;ngigen Initiativen, vornehmlich im Bereich Jugend, Kunst und Kultur.<br />&nbsp;<br /><strong>Kaum etwas ist unertr&#228;glicher als alternde Revoluzzer</strong><br />&nbsp;<br />Erst Schr&#246;ders Agenda 2010 mit dem wohl verbrecherischstem Gesetz (Hartz IV), das in der Bundesrepublik jemals verabschiedet wurde, brachte mich zur&#252;ck in die aktive Parteipolitik. Ich trat Ende 2007 bei der Linken ein und bin (noch) Mitglied, habe allerdings nach etwa einem Jahr die Nase voll gehabt von all den „revolution&#228;ren Kleinb&#252;rgern“, die viel reden, sich noch mehr aufregen, faktisch aber so gut wie nichts tun, um an den Zust&#228;nden wirklich etwas zu &#228;ndern.<br />&nbsp;<br />Ich mu&#223;te einmal mehr feststellen, da&#223; es nur zwei Arten Menschen gibt in Parteien und Gewerkschaften: r&#252;cksichtslose, gewissenlose Egoisten, die den Apparat dazu nutzen, ihre Karriere voranzutreiben – und die „ewigen Revoluzzer“, die einen auf Anarchist und Sozialromantiker machen, obwohl sie doch schon l&#228;ngst zu denen geh&#246;ren, die sie zu bek&#228;mpfen vorgeben. Ich denke, ich kann es mir erlauben, diese Urteile zu f&#228;llen, ich habe rund 30 Jahre Erfahrung damit; und nach langer Zeit der parteipolitischen Abstinenz feststellen zu m&#252;ssen, da&#223; sich da nichts ge&#228;ndert hat, ist durchaus schmerzlich, aber eben auch ent-t&#228;uschend.<br />&nbsp;<br />Diese Ent-T&#228;uschung war auch im Sptember letzten Jahre der Grund, warum ich mein Blog „Amok Koma“ einstellte: es machte keinen Sinn mehr f&#252;r mich, gegen die dummdreiste Tagespolitik und die Politmafia in Berlin anzuschreiben. Bereits <strong><em>de tempore</em></strong> hatte ich im Februar unter anderem deshalb er&#246;ffnet, um vor lauter Tagespolitik nicht zu ver&#246;den und zu verbl&#246;den – denn die gr&#246;&#223;te Kraft, die beste Lebensmotivation zog ich immer schon aus dem, was gemeinhin mit Kunst und Kultur bezeichnet wird; obwohl ich dies weiter umfasse, als es in Intellektuellen-Kreisen wohl der Fall ist. Ich bin Nicht-Akademiker, ich bin Autodidakt, und ich sa&#223; stets zwischen den St&#252;hlen, egal, was ich gerade machte.<br />&nbsp;<br />Vielleicht ist es bei meiner Generation einfach zwangsl&#228;ufig so: mit Eltern, die kultur- und politikfern, vollkommen materiell ausgerichtet sind, mit ihren Gef&#252;hlen nicht umgehen k&#246;nnen, sind Ausbruch und Aufbruch zu neuen Ufern fast vorprogrammiert gewesen, egal, in welche Richtung. Meine Richtung war zun&#228;chst die der Gewerkschaft, sp&#228;ter folgte die Parteipolitk, das Soziale war immer wichtig und ist es auch heute noch f&#252;r mich; aber die Entdeckung von Philosophen, von Schriftstellern, Theater und Kunst im Allgemeinen (wozu auch Religionsphilosophie z&#228;hlen und Psychologie) hat mich wirklich wachger&#252;ttelt.<br />&nbsp;<br />Und so kann ich sagen, da&#223; ich beinahe wider besseren Wissens noch mal Tagespolitik betrieb, hier in Konstanz bei den Linken und mit ehrenamtlichen T&#228;tigkeiten im sozialen Bereich; und mit „Amok Koma“ im Netz – das bereue ich auch nicht, aber eigentlich wei&#223; ich es besser: der Zustand dieses Landes, der Zustand der Welt hat massiv mit dem Zustand der Herzen und des Intellekts der Menschen zu tun, und zwar der Menschen, die regieren, und der, die sich regieren lassen.<br />&nbsp;<br /><strong>Grunds&#228;tzliches zum Abschlu&#223;</strong><br />&nbsp;<br />Wenn es zu k&#228;mpfen gilt, dann geht es im Wesentlichen darum, die Vorherrschaft der falschen Denke zu bek&#228;mpfen, auf die vielf&#228;ltigen Manipulationen aufmerksam zu machen, die zum Zwecke des Machterhalts betrieben werden. Und ob ich es will oder nicht, ob ich es beabsichtige oder nicht, auch bei <strong><em>de tempore</em></strong> wird Politik gemacht. Ob ich nun Filme bespreche oder Musik – ein Kommentator merkte letztens an, ich sei in den letzten Wochen recht klassiklastig gewesen -, ob ich Literatur bespreche, Sachb&#252;cher, oder Beitr&#228;ge verfasse zu eigenwilligen K&#252;nstlern und ihre Sicht der Dinge, immer ist dies auch ein St&#252;ck Politik.<br />&nbsp;<br />Ein kritischer <em>mind</em>, das Hinterfragen an sich, auch gesunde Skepsis (die freilich nicht in Zerst&#246;rung ausarten sollte) sind unabdingbar, wenn mensch sich jenseits von Mainstream und medialer Vorgaben, losgel&#246;st von „Wei&#223;kittelsyndrom“ und Expertenh&#246;rigkeit ein eigenes Qualit&#228;tsbewu&#223;tsein, eine eigene Ethik und eine eigene &#196;stethik erarbeiten will; und ein solcher <em>mind</em> sprengt zwangsl&#228;ufig seine Grenzen, der Horizont erweitert sich St&#252;ck um St&#252;ck, und dies bereichert das Dasein so ungemein, da&#223; dadurch endlich auch der Begriff „Leben“ gerechtfertigt erscheint.<br />&nbsp;<br />Und dieses Leben – k&#246;rperlich wie auch geistig, intellektuell wie auch emotional – kann zwar immens erschwert, aber niemals mehr zerst&#246;rt werden durch die Tagespolitik, durch soziale Ungerechtigkeit, durch korrupte Wirtschaft, durch Angstmacherei und gesellschaftliche Verwerfungen. Ich werde also auch in diesem Jahr diese Art der Politik bewu&#223;t fern halten aus diesem Blog, ohne hier eine Idylle aufbauen zu wollen – aber eine Oase in der W&#252;stenei sollte <strong><em>de tempore</em></strong> schon sein. Wenn mir das gelingt, bin ich zufrieden.<br />&nbsp;<br />Frohes neues Jahr w&#252;nsche ich.<br />&nbsp;</p>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>&nbsp;<br />2010 ist nun 10 Tage alt und meine kleine Auszeit ist zu Ende. Ehrlich gesagt erkenne ich zum abgelaufenen Jahr keine Unterschiede. Da ich im <a href="http://www.mansol.de/2009/12/29/weihnachten-silvester-jahresendzeit-stresszeit/">letzten Dezemberbeitrag</a> ein paar Worte zur Politik verlor, was sich nicht vermeiden lie&#223;, verliere ich auch in meinem ersten Januarbeitrag einige, aber zur Regel wird das sicher nicht. Mein Verh&#228;ltnis zur Politik ist mit dem Wort „Entt&#228;uschung“ recht gut beschrieben, in zweierlei Hinsicht.<br />&nbsp;<br />Zum einen verstehen die meisten Menschen unter dem Begriff nat&#252;rlich den daraus resultierenden emotionalen Zustand, bestehend aus einem bitteren Gef&#252;hl der Ohnmacht, dem Wunsch, alles hinzuwerfen, einer Art Wut &#252;ber das, was da kaputt ging oder gemacht wurde durch L&#252;ge, Unaufrichtigkeit, Dummheit, Ignoranz oder auch Gef&#252;hksk&#228;lte; auf der anderen Seite hei&#223;t „Entt&#228;uschung“ eben auch Ent-T&#228;uschung, die T&#228;uschung hat also ein Ende, ist aufgeflogen, aus dem Schatten ans grelle Licht gezerrt worden.<br />&nbsp;<br /> <a href="http://www.mansol.de/2010/01/10/blick-zurueck-nach-vorn/" class="more-link">(weiterlesen&#8230;)</a></p>
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		<title>Weihnachten – Silvester – Jahresendzeit – Stre&#223;zeit?</title>
		<link>http://www.mansol.de/2009/12/29/weihnachten-silvester-jahresendzeit-stresszeit/</link>
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		<pubDate>Tue, 29 Dec 2009 15:47:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Frank</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Menschen]]></category>

		<category><![CDATA[Psychonautik]]></category>

		<category><![CDATA[Denken]]></category>

		<category><![CDATA[Feiertage]]></category>

		<category><![CDATA[Religion]]></category>

		<category><![CDATA[Wahrnehmung]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>&nbsp;<br />Nachdem ich am <a href="http://www.mansol.de/2009/12/25/wissenswertes-zu-weihnachten/">1. Weihnachtstag</a> eine kleine Sammlung von Wissenswertem zu diesem Fest ver&#246;ffentlicht habe, m&#246;chte ich in diesem Beitrag durchaus mal etwas kritischer den Umgang der Menschen mit diesem Fest und den Tagen danach bis Silvester begutachten. Denn wenn ich zur&#252;ckdenke an meine Kinderzeit, dann stelle ich fest, da&#223; zwar der Konsum noch nicht alles in der Weise beherrscht hat, wie es heutzutage der Fall ist, doch gleichzeitig mu&#223; ich leider ebenso feststellen, da&#223; meine Eltern sich seinerzeit genausowenig mit den Hintergr&#252;nden der Festivit&#228;ten auseinandergesetzt haben wie viele Menschen heute.<br />&nbsp;<br /><span id="more-505"></span><a class="shutter" href="http://www.mansol.de/wp-content/2009/12/kirchentuer_webkkk.jpg" alt="Die Kirchent&#252;r des Konstanzer M&#252;nsters" title="Die Kirchent&#252;r des Konstanzer M&#252;nsters"><img class="logoleft" src="http://www.mansol.de/wp-content/2009/12/kirchentuer_webkkk.jpg" alt="Die Kirchent&#252;r des Konstanzer M&#252;nsters" title="Die Kirchent&#252;r des Konstanzer M&#252;nsters" width="135" height="167"></a><strong>Eine handvoll Kindheitserinnerungen</strong><br />&nbsp;<br />Bei meinem vorigen Beitrag kam die Krippe und ihre Bedeutung leider etwas zu kurz, darum m&#246;chte ich das hier nun nachholen und dies gleichzeitig auch benutzen, um deutlich zu machen, wie wenig sich bereits meine Eltern mit der Materie besch&#228;ftigt haben, mit der sie herumhantierten: Weihnachten, seine Bedeutung und ihr (sogenannter) christlicher Glaube.<br />&nbsp;<br />Denn wir hatten zuhause stets einen Weihnachtsbaum, meist eine Fichte; sp&#228;ter wurde mit k&#252;nstlichen Weihnachtsb&#228;umen herumhantiert, so in den 1970ern; da gabs B&#228;ume, die zurechtgebogen werden konnten, und es gab B&#228;ume, die zusammengesteckt wurden – die hatten nat&#252;rlich allesamt den Vorteil, da&#223; sie nicht nadelten.<br />&nbsp;<br />Dazu gabs Weihnachtsschmuck; ebenfalls Tand vom Feinsten: Weihnachtskugelsets aus dem Versandhaus, nat&#252;rlich preiswert; dazu abwechselnd silber- oder goldfarbene Plastikspitzen, die mehr schlecht als recht angebracht werden konnten: bunte Bimmeln aus porzellanartigem Material kamen auch noch hinzu; dazu gabs dann Weihnachtslieder von Schallplatte (sp&#228;ter von CD, aber da war ich bereits erwachsen). Als ich noch wirklich klein war (so mit 4 bis 8 Jahren) wurde von meinen Eltern sogar eine (Kunststoff-)Krippe aufgebaut. Diese Krippe wurde allj&#228;hrlich aus dem Keller hervorgekramt (meist wurde sie zuvor fluchend gesucht).<br />&nbsp;<br />Jedes Jahr fehlte etwas mehr, doch das spielte keine Rolle. Aufgebaut wurde sie an Heilig Abend, mit allem, was da war. Seit ich mich mit Weihnachten kritisch auseinandersetze wei&#223; ich, da&#223; das falsch ist; wohlgemerkt: als kritischer und ablehnender Mensch wei&#223; ich mehr &#252;ber das Weihnachtsfest als Leute wie meine Eltern und eine Menge anderer Verteidiger, die regelm&#228;&#223;ig feiern. Die Krippe greift n&#228;mlich auf das mittelalterliche Krippenspiel zur&#252;ck, das (historisch ungesichert) vom Heiligen Franziskus in die Feierlichkeiten eingef&#252;hrt wurde.<br />&nbsp;<br /><strong>Die Sache mit der Krippe</strong><br />&nbsp;<br />Nach altem Brauch allerdings h&#228;tte die Krippe bereits am 1. Advent aufgestellt werden m&#252;ssen, und zwar leer oder aber mit Viehzeugs (Esel, Ochse). An Heilig Abend d&#252;rfen dann Maria und Joseph in die Krippe gestellt werden, in der Nacht zum 1. Weihnachtstag folgt das Christkind, kurze Zeit darauf die Hirten, und erst am 6. Januar (Heilige Drei K&#246;nige) werden dann die drei K&#246;nige/Weisen aus dem Morgenland in die Krippe postiert, zusammen mit dem Stern von Bethlehem, der auch noch zum festen Repertoire geh&#246;rt. Kurz gesagt, meine Eltern bestanden auf ein Ritual, dessen Bedeutung sie nicht kannten und dessen Sinn ihnen offensichtlich auch v&#246;llig egal war, was eben dieses Ritual so hohl werden lie&#223;.<br />&nbsp;<br />Ich gebe ja zu, als Kind machte ich mir dar&#252;ber keine Gedanken, da interessierten mich in erster Linie die Geschenke und S&#252;&#223;igkeiten, ab der Pubert&#228;t fand ich Weihnachten nervig wegen der Verlogenheit des „Heile Welt“-Spielens, obwohl meine Eltern nicht zu denen geh&#246;rten, die meinten, unbedingt zu Weihnachten in die Kirche rennen zu m&#252;ssen, und seit etwa dem 16. Lebensjahr feiere ich zu Weihnachten gar nicht, weil ich meine, da&#223; es da nichts zu feiern gibt – aber das ist meine pers&#246;nliche Einstellung; jahrelang machte ich leider die Erfahrung, da&#223; diese Sichtweise innerhalb der Familie und auch im Bekanntenkreis nicht wirklich akzeptiert werden konnte.<br />&nbsp;<br />Ich kann mich zwar nicht daran erinnern, die anderen kritisiert zu haben, weil sie Weihnachten feiern, aber r&#252;ckblickend kann ich sagen, da&#223; meine Nichtwilligkeit wohl als Angriff gesehen wurde, den es abzuschmettern galt. Damals verstand ich das nicht, heute ist es mir klar: wer selbst nicht mehr recht dran glaubt, was er da treibt, aber nicht loslassen will, betrachtet jeden als Gefahr, der losgelassen hat; das gilt &#252;brigens nicht nur f&#252;r solche Dinge wie Weihnachten.<br />&nbsp;<br /><strong>Waren vor 40 Jahren die Feiernden bewu&#223;ter?</strong><br />&nbsp;<br />Meine Kindheitserfahrungen mit Weihnachten unterscheiden sich wahrscheinlich nicht gro&#223;artig von den Erfahrungen, die die heutigen Kinder wohl machen. Denn ich bin &#252;berzeugt davon, da&#223; nicht nur zu meiner Zeit bereits im Vorfeld die Streitereien der Eltern &#252;ber die Liste der Einladungen, &#252;ber den Stre&#223;, wessen Eltern zuerst besucht werden, &#252;ber zu viel Alkohol und mi&#223;gl&#252;ckten Braten und hinter L&#228;cheln verborgener Entt&#228;uschung &#252;ber geschmack- und einfallslose oder ganz und gar unpassende Geschenke und &#252;ber falschen Geiz im Gange waren und die Stimmung tr&#252;bten, was dann vor den Kindern versucht wurde zu kaschieren, meist erfolglos, denn Kinder sind nicht dumm.<br />&nbsp;<br />Vielleicht gab es w&#228;hrend meiner Kindheitszeit die Depressionen noch nicht so stark, und vielleicht waren die Agressionen noch nicht so m&#246;rderisch wie heute, daf&#252;r gabs sicherlich mehr Br&#228;nde, denn ich kann mich tats&#228;chlich an echte Kerzen erinnern, die am Baum angebracht wurden (zumindest bei den Gro&#223;eltern war das so) und das Licht verbreiteten. Doch mit dem heutigen Abstand kann ich mit Fug und Recht sagen, da&#223; damals bereits das gleiche Unwissen, gepaart mit Desinteresse am eigentlichen Gegenstand der Feier herrschte; das ist also wohl keine moderne Unart.<br />&nbsp;<br />Modern und popul&#228;r scheint mir allenfalls der Gedanke zu sein, das Fest abzuschaffen; prinzipiell f&#228;nde ich das in meiner Eigenschaft als religi&#246;ser Atheist ja ganz gut, doch leider sind die Motive die falschen, so da&#223; es mich tats&#228;chlich grauselt: fast jeder F&#252;nfte m&#246;chte Weihnachten am liebsten ganz abschaffen, wegen des Stresses (!) und weil oft dicke Luft herrscht (!). Es ist nicht etwa so, da&#223; diese Menschen mal ihre Lebensweise, ihre Ehe und ihre Denke hinterfragen, nein, weit gefehlt. Weihnachten hat Schuld; weil &#252;ber Weihnachten mu&#223; man(n) zuhause bleiben – was f&#252;r ein geistiges und emotionales Armutszeugnis.<br />&nbsp;<br />Da wundert es mich nicht, in den Zeitungen von h&#228;uslicher Gewalt zu lesen, von P&#246;beleien, Schl&#228;gereien und gar Messerstechereien unter Eheleuten, Paaren und innerhalb der Familie. Das Fest der Liebe – garniert von sinnentleerten Fernsehansprachen und vage-verschwurbelten, ver&#228;rgernden Bischofsreden – mutiert zum Flucht-, Suizid- und Mordsfest. Einmal ganz abgesehen vom Konsumterror davor und danach.<br />&nbsp;<br /><strong>Das heruntergekommene Fest</strong><br />&nbsp;<br />Es ist gerade einmal zwei Jahre her, da hatte ich bereits am 2. Weihnachtstag eine Werbe-email von einem Online-Auktionshaus im virtuellen Postkasten, der mich dazu einlud/aufforderte, doch so rasch wie m&#246;glich alles zu verscherbeln, was mir entbehrlich erscheint (weils mir nicht gef&#228;llt oder weil ichs doppelt habe oder auch ohne Grund). Voriges Jahr gab es dann erst nach den Feiertagen eine eher zur&#252;ckhaltende mail. Dieses Jahr habe ich noch keine bekommen bis jetzt. Ob sich da die Leute wohl doch ein wenig angewidert gezeigt haben? Das lie&#223;e ja hoffen!<br />&nbsp;<br />Trotzdem, ich kann nicht verstehen, wenn der Konsumterror sogar noch in Schutz genommen wird, wie z.B. von einem unserer M&#246;nche auf der Reichenau bei einem Interview des &#246;rtlichen Werbebl&#228;ttchens, der auf die Frage nach dem verfehlten Sinn des Weihnachtsfests wegen des Kommerzes antwortet: „Die Menschen geben sich dem Kommerz ja nicht grundlos hin. Dies ist ein Ausdruck der Liebe.“ Ja geht’s noch? Das ist beinahe noch unertr&#228;glicher als das Gew&#228;sch der gar so christlichen Prediger auf und ab im Lande, die allesamt das Fehlen des Sozialen anmahnen, nachdem sie jahrelang die Politik, die dazu gef&#252;hrt hat, enthusiastisch mittrugen und via Caritas, Diakonie und Co auch gute Gesch&#228;fte damit mach(t)en.<br />&nbsp;<br /><strong>Ich w&#252;nschte, Politiker w&#252;rden mal das Maul halten</strong><br />&nbsp;<br />Ich habe das Jahr &#252;ber versucht, die Politik aus meinem Blog rauszuhalten, es ist mir im Wesentlichen auch gelungen (auch wenns manchmal doch sein mu&#223;, siehe bspw. bei den <a href="http://www.mansol.de/tag/diamanda-galas/">Diamanda Galas-Artikeln</a>), doch zu Weihnachten – auch wenn ich wie gesagt mit dem Fest herzlich wenig verbinde – w&#252;rde ich mir doch w&#252;nschen, da&#223; Politiker (zu denen ich auch hohe W&#252;rdentr&#228;ger von Kirche, Wirtschaft und Co z&#228;hle) wenigstens zum Jahresausklang hin mal ihre verlogenes Mundwerk halten w&#252;rden.<br />&nbsp;<br />Ich verstehe auch nicht, warum Menschen zu glauben meinen, sie k&#246;nnten an wenigen Tagen im Jahr alles, was sich sonst so im Verlauf des Jahres abspielt, vergessen machen, um dann heile Welt zu spielen – nur um danach umso heftiger fortzufahren im Kampf „jeder gegen jeden“. Ich verstehe auch nicht, warum Menschen meinen, ausgerechnet zu Weihnachten die Kirchen st&#252;rmen zu m&#252;ssen, die sie sonst das Jahr &#252;ber nicht betreten.<br />&nbsp;<br />Da verstehe ich schon eher den Mann, der laut einer dpa-Pressemeldung an Heilig Abend auf einer Polizeiwache aufkreuzte, um sich in Gewahrsam nehmen zu lassen. Gerade ein halbes Jahr aus der Haft entlassen, einsam, arbeitslos, alkoholisiert, dachte er sich wahrscheinlich: der Knast ist mir vertraut, da f&#252;hle ich mich wohler als hier drau&#223;en. Vermutlich zu recht. Das ist das Traurige an der ganzen Angelegenheit.<br />&nbsp;<br />Ich glaube nicht, da&#223; allzuviele Menschen diese Tage dazu genutzt haben, um ein wenig zur Besinnung zu kommen, denn das m&#252;&#223;te sich dann doch recht konkret in der Gesellschaft widerspiegeln, was nicht der Fall ist und sein wird. Ich glaube sogar eher, da&#223; eine Menge Menschen aufatmen werden, wenn sie endlich wieder dem Kreis der „Liebenden“ entfliehen k&#246;nnen durch Arbeiten und „Schichten kloppen“, wie mies das auch bezahlt sein sollte in diesem Land.<br />&nbsp;<br />Trotzdem oder geradedrum w&#252;nsche ich denen, die noch zur (Selbst-)Reflektion in der Lage sind, eine paar ruhige, gelassene und erholsame Tage und einen guten Rutsch ins Neue Jahr, vorzugsweise ohne all die erhabenen Besserungs- und &#196;nderungsschw&#252;re, die ohnehin im Januar bereits den diversen Realit&#228;ten wieder zum Opfer fallen. Das war auch mein letzter Beitrag in diesem Jahr. Wir lesen uns wieder im Januar 2010. <br />&nbsp;</p>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>&nbsp;<br />Nachdem ich am <a href="http://www.mansol.de/2009/12/25/wissenswertes-zu-weihnachten/">1. Weihnachtstag</a> eine kleine Sammlung von Wissenswertem zu diesem Fest ver&#246;ffentlicht habe, m&#246;chte ich in diesem Beitrag durchaus mal etwas kritischer den Umgang der Menschen mit diesem Fest und den Tagen danach bis Silvester begutachten. Denn wenn ich zur&#252;ckdenke an meine Kinderzeit, dann stelle ich fest, da&#223; zwar der Konsum noch nicht alles in der Weise beherrscht hat, wie es heutzutage der Fall ist, doch gleichzeitig mu&#223; ich leider ebenso feststellen, da&#223; meine Eltern sich seinerzeit genausowenig mit den Hintergr&#252;nden der Festivit&#228;ten auseinandergesetzt haben wie viele Menschen heute.<br />&nbsp;<br /> <a href="http://www.mansol.de/2009/12/29/weihnachten-silvester-jahresendzeit-stresszeit/" class="more-link">(weiterlesen&#8230;)</a></p>
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		<title>Wissenswertes zu Weihnachten</title>
		<link>http://www.mansol.de/2009/12/25/wissenswertes-zu-weihnachten/</link>
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		<pubDate>Fri, 25 Dec 2009 12:25:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Frank</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Menschen]]></category>

		<category><![CDATA[Natur]]></category>

		<category><![CDATA[Feiertage]]></category>

		<category><![CDATA[Kulturgeschichte]]></category>

		<category><![CDATA[Religion]]></category>

		<category><![CDATA[Symbole]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>&nbsp;<br />Alle Jahre wieder feiern die Menschen, die sich dem (westlichen) Christentum zuordnen, in diesen Tagen das Fest von Christi Geburt – der Menschwerdung Gottes. Dabei wurde der 25. Dezember als Geburtstag erst zu Beginn des 4. Jhs. amtlich festgelegt und hat rein gar nichts mit dem wirklichen wahrscheinlichen Geburtstag von Jesus zu tun, dessen historische Realit&#228;t weiterhin umstritten bleibt.<br />&nbsp;<br />Es kursieren eine ganze Menge m&#246;glicher Geburtstage in der Weltgeschichte herum, wobei der 25. Dezember nicht gerade als glaubw&#252;rdigstes Datum gehandelt wird, da im Gebiet, in dem Jesus geboren wurde, die Hirten nur von M&#228;rz bis November mit ihren Herden im Freien &#252;bernachteten. Wie dem auch sei, da ich im November und Dezember zu den kirchlichen Feiertagen einschlie&#223;lich den Adventstagen Beitr&#228;ge geschrieben habe, m&#246;chte ich das nun auch zu Weihnachten tun.<br />&nbsp;<br /><span id="more-500"></span><a class="shutter" href="http://www.mansol.de/wp-content/2009/12/weih-cranachwebk.jpg" alt="Lucas Cranach der &#196;ltere - Die Geburt Christi (um 1520)" title="Lucas Cranach der &#196;ltere - Die Geburt Christi (um 1520)"><img class="logoleft" src="http://www.mansol.de/wp-content/2009/12/weih-cranachwebk.jpg" alt="Lucas Cranach der &#196;ltere - Die Geburt Christi (um 1520)" title="Lucas Cranach der &#196;ltere - Die Geburt Christi (um 1520)" width="128" height="165"></a><strong>Historie des Weihnachtsfest</strong><br />&nbsp;<br />Ich finde es teils recht am&#252;sant, welche Br&#228;uche heute zu Weihnachten geh&#246;ren, ohne da&#223; ein Gro&#223;teil der feiernden Menschen anscheinend &#252;berhaupt wei&#223;, woher die Br&#228;uche stammen und von wem sie eingef&#252;hrt wurden und welchen Sinn sie haben. Eigentlich erwarte ich von Menschen, die sich zu einem bestimmten Glauben bekennen, da&#223; sie &#252;ber ihre Festtage Bescheid wissen, aber gerade bei den Christen werde ich h&#228;ufig das Gef&#252;hl nicht los, da&#223; sie &#252;ber ihre Religion im Allgemeinen kaum etwas relevantes wissen.<br />&nbsp;<br />Trotzdem str&#246;men sie zu Weihnachten in genau die Kirchen, die sie unter das Jahr so gut wie gar nicht von innen zu Gesicht bekommen. Merkw&#252;rdig, sonderbar. Weniger sonderbar, aber sicher sehr merkw&#252;rdig (also w&#252;rdig, es sich zu merken) ist da die Terminierung des Festes, kaum da&#223; das Christentum in Rom zur Staatsreligion erkl&#228;rt wurde. Denn es wurde genau auf jene Tage gelegt, die zuvor als „Saturnalien“ bekannt und beliebt waren beim Volk.<br />&nbsp;<br />Der 25. Dezember war bei den R&#246;mern der „Geburtstag der unbesiegten Sonne“, bis Kaiser Konstantin das Volk dazu anhielt, nicht mehr die Sonne, sondern Christus anzubeten, der sich selbst ja als „Licht der Welt“ bezeichnet hat. Das pa&#223;te inhaltlich nat&#252;rlich ganz gut und half dabei, die Saturnalien letztlich zu verdr&#228;ngen. Wir sehen also, der Klerus im Christentum fing bereits fr&#252;hzeitig damit an, vorchristliche Feiertage zu okkupieren und zu &#252;berlagern, um sie vergessen zu machen (und leider auch ihren Sinn zu verf&#228;lschen und dem Christentum anzupassen).<br />&nbsp;<br />Urspr&#252;nglich wurden die Saturnalien vom 17. bis 23. Dezember abgehalten. Sie waren ein Opferfest zu Ehren des Gottes Saturn. In diesen Tagen blieben z.B. die Gerichte geschlossen, die Gesch&#228;fte ruhten, die Menschen &#252;berbrachten sich kleine Geschenke, sonst verbotene Gl&#252;cksspiele waren erlaubt. Au&#223;erdem wurden alle sozialen Rangunterschiede vor&#252;bergehend aufgehoben, und bei dem &#246;ffentlichen Festmahl (Weihnachtsmahl) bedienten gar die Herren ihre Diener.<br />&nbsp;<br /><strong>Von Beschw&#246;rungen, Rauhn&#228;chten und Weihnachtsriten</strong><br />&nbsp;<br />Der Begriff „Weihnachten“ wiederum bedeutet nichts anderes als „die geweihten N&#228;chte um die Wintersonnenwende“ und entstammt vorchristlichen, sogenannten heidnischen Zeiten. Die Wintersonnenwende bezeichnet auf der Nordhalbkugel (also unserer Hemisp&#228;hre) den k&#252;rzesten Tag des Jahres – der 21. Dezember. Ab da werden die Tage wieder l&#228;nger. In vorchristlichen Zeiten war bei den R&#246;mern (w&#228;hrend der Saturnalien) dieser Tag dem Gott Mithras geweiht, w&#228;hrend bei den Germanen das „Julfest“ begangen wurde, ein Fruchtbarkeitsfest, auf das dann als fester Bestandteil die „Rauhn&#228;chte“ folgten.<br />&nbsp;<br />Diese zw&#246;lf N&#228;chte umfa&#223;ten den Zeitraum vom 25. Dezember bis zum 6. Januar. Urspr&#252;nglich wurden jedoch nur vier N&#228;chte als Rauhn&#228;chte bezeichnet: merkw&#252;rdigerweise der 21. Dezember, dann die Christnacht, die Silvesternacht und schlie&#223;lich die Nacht auf Heilige drei K&#246;nige. In Verbindung mit dem Julfest wurden Riten abgehalten, die zum einen dazu dienten, die Wiederkehr des fr&#252;chtebringenden Fr&#252;hlings zu beschw&#246;ren, und zum anderen waren die langen, kalten N&#228;chte seit Urzeiten mit Sorgen und &#196;ngsten verbunden, denen die Menschen mit Beschw&#246;rungen beizukommen versuchten, auch sp&#228;ter noch, im Christentum.<br />&nbsp;<br />So wurde z.B. Gro&#223;z&#252;gigkeit gro&#223;geschrieben beim Spenden (Bettler, „Sternsinger“), um die b&#246;sen Geister zu bes&#228;nftigen, zu denen &#252;brigens auch Frau Holle geh&#246;rte (eine Hexe), die zur Zeit des Nationalsozialismus (der die altgermanischen Br&#228;uche in pervertierter Form wieder aufleben lie&#223;) tats&#228;chlich Nikolaus und Christkind (das Luther seinerzeit erfunden hatte, um den Hl. Nikolaus zu verdr&#228;ngen) ersetzen sollte. Einige unserer Br&#228;uche entstammen also sehr alten Zeiten bzw. erinnern an sie: Bleigie&#223;en zu Silvester (Orakel), der Brauch des Trinkgeldes zum neuen Jahr f&#252;r M&#252;llm&#228;nner und Postboten, das R&#228;uchern der Wohnr&#228;ume und Stallungen (mit Weihrauch) sollen hier beispielhaft genannt sein.<br />&nbsp;<br /><strong>Immergr&#252;n – Symbol des Lebens</strong><br />&nbsp;<br />Nach all diesen Infos wird es nun wahrscheinlich auch nicht mehr verwundern, da&#223; nat&#252;rlich auch der Brauch des Weihnachtsbaumes kein origin&#228;r christlicher ist und dieser sogar erst recht sp&#228;t zu einem festen Bestandteil des Weihnachtsfestes wurde. Sehr grob terminiert kann festgehalten werden: vom 4. bis 6. Jh. entwickelte sich das Weihnachtsfest langsam, aber stetig; ab dem 6. Jh. bis ins 16. Jh. hinein kamen das Schm&#252;cken, die Krippen und Weihnachtslieder hinzu; ab dem 16. Jh. dann werden die ersten Christb&#228;ume bezeugt, die Krippen hielten Einzug in die Privath&#228;user, bei den Protestanten wurde das „Kinder beschenken“ obligatorisch; ab dem 19. Jh. schlie&#223;lich kann das Weihnachtsfest durchaus als Familienfest bezeichnet werden und nimmt seitdem immer kommerziellere Z&#252;ge an.<br />&nbsp;<br />Doch zur&#252;ck zum Christbaum. Immergr&#252;ne Gew&#228;chse wurden schon von jeher als Symbol des Lebens gesehen und hatten zum einen die Aufgabe, die Angst vor einem „ewigen Winter“ zu bannen und waren zum anderen Sinnbild f&#252;r die Wiederkehr der Sonne. So bekr&#228;nzten die R&#246;mer ihre H&#228;user w&#228;hrend der Saturnalien mit Lorbeerzweigen, in Deutschland wurden die immergr&#252;nen B&#228;ume mit Strohsternen und Geb&#228;ck geschm&#252;ckt, um die Pflanzengeister um eine gute Ernte zu bitten, ab dem Mittelalter stellten sich die Menschen Tannenzweige ins Haus und h&#228;ngten ab dem 16.Jh. sogar Eiben, Stechpalmen, Buchsb&#228;umchen und Misteln in der guten Stube auf.<br />&nbsp;<br />Der Weihnachtsbaum, wie wir ihn kennen – n&#228;mlich stehend – wird zum Ende des 16. Jh. erstmals bezeugt. Zwar soll es einen Kupferstich von Lucas Cranach d.&#196;. aus dem Jahre 1509 geben, auf dem ein mit Lichtern und Sternen geschm&#252;ckter Tannenbaum zu sehen sein soll, doch mir ist es bis jetzt nicht gelungen, davon eine Abbildung aufzutreiben. Darum gilt f&#252;r mich das Aufstellen eines Christbaums zu Dekorationszwecken im Jahr 1597 in Bremen durch die Handwerkerzunft als erster Beleg.<br />&nbsp;<br />Der Christbaum setzte sich in der &#214;ffentlichkeit durch und l&#246;ste als Weihnachtsschmuck Nr. 1 schlie&#223;lich auch die „Krippe“ in den Wohnstuben ab (obwohl die Krippe auch heute noch in nicht wenigen katholischen Haushalten zu Weihnachten aufgestellt wird), obwohl der Klerus diesem „heidnischen Symbol“ lange Zeit durchaus ablehnend gegen&#252;berstand. Ab dem 18. Jh. beginnt der eigentliche Siegeszug des Weihnachtsbaums, von 1815 an (Biedermeier) ersetzen Fichte und Tanne zunehmend die anderen Immergr&#252;nen, und in diesem Jahr wurden allein in Deutschland rund 29 Millionen(!) Weihnachtsb&#228;ume verkauft.<br />&nbsp;<br />Zu Beginn wurden die Christb&#228;ume mit &#196;pfeln, Lebkuchen, Papierblumen, Strohsternen, Fr&#252;chten und Zuckerwaren geschm&#252;ckt, Kerzen kamen erst sp&#228;ter hinzu und stehen f&#252;r das ewige Licht Jesu, so wie es in den Kirchen ganzj&#228;hrig gepflegt wird. Weihnachtskugeln aus Glas und Keramik sowie Lametta sind eine Erfindung der Neuzeit und belegen die Kommerzialisierung sehr deutlich. Denn bedeutungsvoll sind lediglich der Stern als Christbaumspitze (er symbolisiert den Stern zu Bethlehem, dem die 3 Weisen aus dem Morgenland folgten), die Strohsterne (bei den Christen Symbol f&#252;r Jesus, den Morgenstern und das Stroh in der Krippe), die &#196;pfel in der Fr&#252;hzeit des Schm&#252;ckens sollten an den S&#252;ndenfall im Paradies gemahnen.<br />&nbsp;<br /><strong>Eine Merkw&#252;rdigkeit zum Abschlu&#223;</strong><br />&nbsp;<br />Zum Schlu&#223; dieses Artikels m&#246;chte ich noch auf eine kleine Absurdit&#228;t hinweisen: weiter oben hatte ich bereits erw&#228;hnt, da&#223; das „Christkind“ (auch „Christkindl“) eine Erfindung Martin Luthers ist, mit der er den Heiligen Nikolaus verdr&#228;ngen wollte. Dies ist ihm insofern gelungen, da&#223; ausgerechnet die katholischen Christen das Christkindl als Mu&#223; betrachten, wenn es darum geht, wer die Geschenke bringt, w&#228;hrend die evangelischen Kreise den Weihnachtsmann bevorzugen, dessen charakteristische Erscheinungsform (dicklich, wei&#223;er Bart, roter Mantel usw.) bereits seit dem 19. Jh. bekannt ist.<br />&nbsp;<br />Der Weihnachtsmann ist also nicht die Erfindung eines us-amerikanischen Getr&#228;nkekonzerns, obwohl dieser im letzten Jahrhundert sehr viel dazu beigetragen hat, da&#223; diese Figur (als &#8220;Santa Claus&#8221;, was &#252;bersetzt nichts anderes hei&#223;t als Heiliger Klaus [Nikolaus]) so popul&#228;r wurde, da&#223; sie z.B. in vielen Teilen Deutschlands das Christkind weitestgehend verdr&#228;ngen konnte. Und damit beschlie&#223;e ich nun auch den ersten Teil meines Beitrags. Der <a href="http://www.mansol.de/2009/12/29/weihnachten-silvester-jahresendzeit-stresszeit/">zweite Teil</a> folgt dann nach den Feiertagen (am Montag oder Dienstag) und wird sich dann mit dem heutigen Umgang des Festes besch&#228;ftigen.<br />&nbsp;</p>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>&nbsp;<br />Alle Jahre wieder feiern die Menschen, die sich dem (westlichen) Christentum zuordnen, in diesen Tagen das Fest von Christi Geburt – der Menschwerdung Gottes. Dabei wurde der 25. Dezember als Geburtstag erst zu Beginn des 4. Jhs. amtlich festgelegt und hat rein gar nichts mit dem wirklichen wahrscheinlichen Geburtstag von Jesus zu tun, dessen historische Realit&#228;t weiterhin umstritten bleibt.<br />&nbsp;<br />Es kursieren eine ganze Menge m&#246;glicher Geburtstage in der Weltgeschichte herum, wobei der 25. Dezember nicht gerade als glaubw&#252;rdigstes Datum gehandelt wird, da im Gebiet, in dem Jesus geboren wurde, die Hirten nur von M&#228;rz bis November mit ihren Herden im Freien &#252;bernachteten. Wie dem auch sei, da ich im November und Dezember zu den kirchlichen Feiertagen einschlie&#223;lich den Adventstagen Beitr&#228;ge geschrieben habe, m&#246;chte ich das nun auch zu Weihnachten tun.<br />&nbsp;<br /> <a href="http://www.mansol.de/2009/12/25/wissenswertes-zu-weihnachten/" class="more-link">(weiterlesen&#8230;)</a></p>
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		<title>4. Advent - Luigi Nono – Das Chorwerk „Il canto sospeso“</title>
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		<pubDate>Sun, 20 Dec 2009 12:18:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Frank</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Menschen]]></category>

		<category><![CDATA[Musik]]></category>

		<category><![CDATA[Advent]]></category>

		<category><![CDATA[Feiertage]]></category>

		<category><![CDATA[Klassik]]></category>

		<category><![CDATA[Krieg]]></category>

		<category><![CDATA[Luigi Nono]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>&nbsp;<br />Zum Abschluss der musikalischen <a href="http://www.mansol.de/tag/advent/">Adventsreihe</a> stelle ich ein Werk vor, dem zehn Abschiedsbriefe junger Frauen und M&#228;nner aus Griechenland, Bulgarien, Polen, Ru&#223;land, Italien und Deutschland zugrundeliegen, die als Widerstandsk&#228;mpfer im 2. Weltkrieg von Wehrmacht und SS hingerichtet wurden.<br />&nbsp;<br />Den heutigen letzten Sonntag vor der Weihnacht m&#246;chte ich nun folgerichtig (nicht nur) jenen Widerstandsk&#228;mpfern widmen, lautet der Leitsatz des 4. Advent doch <em>„Rorate, coeli desuper, et nubes pluant iustum“</em> (deutsch: Tauet, ihr Himmel, von oben, und die Wolken sollen herabregnen den Gerechten).<br />&nbsp;<br /><span id="more-492"></span>Aus diesem Grunde ist es nat&#252;rlich naheliegend, das 1956 von dem Italiener Luigi Nono komponierte Chorwerk <em>Il canto sospeso</em> – uraufgef&#252;hrt am 24. Oktober 1956 unter der Leitung von Hermann Scherchen in K&#246;ln – vorzustellen und zu besprechen. Es hat eine Vor- und eine Nachgeschichte, die auch f&#252;r den Schulunterricht nicht ganz uninteressant sein d&#252;rfte. Vorweg jedoch zun&#228;chst einige Worte zum Komponisten.<br />&nbsp;<br /><a class="shutter" href="http://www.mansol.de/wp-content/2009/12/luigi-nono_neuweb.jpg" alt="Luigi Nono" title="Luigi Nono"><img class="logoleft" src="http://www.mansol.de/wp-content/2009/12/luigi-nono_neuweb.jpg" alt="Luigi Nono" title="Luigi Nono" width="157" height="165"></a><strong>Luigi Nono – Komponist und Kommunist</strong><br />&nbsp;<br />Der am 29. Januar 1924 geborene Venezianer erhielt bereits ab 1941 Kompositionsunterricht. Auf Wunsch der Familie studierte er jedoch zun&#228;chst Jura, das er mit Promotion abschloss. Danach wendete er sich recht schnell erneut dem Kompositionsstudium zu. 1948 lernte er den deutschen Dirigenten Hermann Scherchen kennen, dem er es auch zu verdanken hat, sich intensiv mit der deutschen Musiktradition und den Werken von z. B. Sch&#246;nberg und von Webern auseinandersetzen zu k&#246;nnen.<br />&nbsp;<br />In den 1950er Jahren arbeitete Nono mit den Techniken der Sch&#246;nbergschen Zw&#246;lftonreihe, variierte und erweiterte sie, indem er u.a. mit komplizierten Spiegeltechniken operierte und mit auseinanderstrebenden Intervallen. 1952 trat er der italienischen KP bei. Bei einer Sch&#246;nberg-Auff&#252;hrung zwei Jahre sp&#228;ter lernte Nono dessen Tochter Nuria kennen, der er ein Liebeslied f&#252;r gemischten Chor und Instrumente widmete und die er 1955 heiratete. Als einer der f&#252;hrenden Vertreter der neuen seriellen Musik wurde er in einem Atemzug mit Karlheinz Stockhausen und Pierre Boulez genannt.<br />&nbsp;<br />Die 1960er Jahre brachten einige &#196;nderungen in Nonos Schaffensweise. Zum einen war es dem Komponisten ein gro&#223;es Anliegen, da&#223; seine Werke in allen sozialen Schichten rezipiert wurde, zum anderen erweiterte er das innerhalb seiner Kompositionen verwendete Instrumentarium um elektronische Kl&#228;nge bis hin zum Einbau von Ger&#228;uschen. So wurden z.B. Diskussionskonzerte mit Auff&#252;hrungen in Fabriken organisiert, die tausende Zuh&#246;rer aus der italienischen Arbeiterschaft anzogen. In vielen seiner Werke prangerte er soziale Mi&#223;st&#228;nde an, thematisierte den Holocaust, und ging dabei akustisch bis an die Grenze des Ertr&#228;glichen, Lautst&#228;rke und Dichte betreffend.<br />&nbsp;<br />Doch seit dem Ende der 1970er Jahre wendete sich zunehmend davon ab, seine avantgardistische Tonsprache weiterhin mit politischem Agitprop zu verbinden, da er dies als musikalische Sackgasse empfand. In der Folge widmete er sich konsequenterweise der Erforschung subtilerer Klangnuancen. Die Erkundung des Einzelklangs und dessen Entstehung bildete in den darauffolgenden Jahrzehnten Luigi Nonos Schwerpunkt, was in seinen Sp&#228;twerken dazu f&#252;hrte, da&#223; sich seine Kompositionen oft bis an die Grenze des Verstummens bewegen. Die Suche nach immer neuen Kl&#228;ngen und Perspektiven der akustischen Wahrnehmung wurden letztendlich zum eigentlichen Ziel seiner Kompositionen.<br />&nbsp;<br />Luigi Nono, der sich trotz strenger Architektonik in seiner Musik stets das Subjektive bewahrte und auch den Wandel - als Sinnbild der &#196;sthetik – nicht scheute, starb am 8. Mai 1990, in genau dem Jahr, in dem ihm der Gro&#223;e Berliner Kunstpreis f&#252;r Musik verliehen worden war.<br />&nbsp;<br /><strong>In Musik gegossene Anklage gegen die Gewalt</strong><br />&nbsp;<br />Vorgeschichte: 1954 erschien in Turin der Sammelband „Lettere di condannati a morte della Resistenza Europea”, 1955 in Z&#252;rich mit einem Vorwort von Thomas Mann in deutscher Sprache: „Letzte Briefe zum Tode Verurteilter aus dem europ&#228;ischen Widerstand“. Luigi Nono, der diesen Band gelesen hatte, war von den Briefen ersch&#252;ttert. „Die Botschaft jener Briefe der zum Tode verurteilten Menschen ist in mein Herz eingegraben&#8230;“, so Nono.<br />&nbsp;<br />Aus zehn dieser Briefe fa&#223;te er ausgew&#228;hlte Zeilen zusammen, die die textliche Basis seiner Komposition <em>Il canto sospeso</em> bilden sollten. Nono zerlegte die Sprache in Silben, um sie zu „musikalisieren“ und somit kompositorisch besser verarbeiten zu k&#246;nnen. Diese knapp 30min&#252;tige Vertonung der Abschiedsbriefe f&#252;r Sopran-, Alt- und Tenorsolo, gemischten Chor und Orchester, ist sicherlich eines der bekanntesten Werke Nonos, in jedem Fall aber eines der wichtigsten Musikwerke unserer Zeit.<br />&nbsp;<br />Die in zehn Abschnitte aufgeteilte Komposition beginnt instrumental, um dann mit einem A Capella Chor und anschlie&#223;enden Solostimmen, begleitet von dissonanten Orchesterkl&#228;ngen, in die Materie einzutauchen. Nach einem dramatischen Zwischenspiel des Orchesters folgen Tenorsolo, Chorgesang und Sopransolo, Sopransolo mit Frauenchor – allesamt expressiv unterst&#252;tzt vom Klangk&#246;rper des Orchesters -, die die jeweilige Stimmung des ausgew&#228;hlten Textmaterials musikalisch widerspiegeln. Nach einem weiteren instrumentalen Abschnitt formt ein Chorgesang, nur von Pauken begleitet, ein eindringliches Finale.<br />&nbsp;<br />Nachgeschichte: Angesichts einer Welle der Gewalt gegen Andersdenkende und Ausl&#228;nder im „wiedervereinigten“ Deutschland zu Beginn der 1990er Jahre gab es im Dezember 1992 eine Neueinspielung des Werks von Luigi Nono unter der Leitung seines langj&#228;hrigen Freundes Claudio Abbado im Rahmen eines Konzerts. Erweitert wurde es durch das Vorlesen aus den zehn von Nono ausgew&#228;hlten Abschiedsbriefen, daf&#252;r konnten Susanne Lothar und Bruno Ganz gewonnen werden. Daher m&#246;chte ich geneigten LeserInnen diese CD-Einspielung empfehlen. Der Vollst&#228;ndigkeit halber sei erw&#228;hnt, da&#223; sich neben <em>Il canto sospeso</em> auf dem Tontr&#228;ger noch die <em>Kindertotenlieder</em> von Mahler finden.<br />&nbsp;<br /><strong>Das Nonoprojekt</strong><br />&nbsp;<br />Abschlie&#223;end m&#246;chte ich noch auf ein besonders unterst&#252;tzenswertes Projekt aufmerksam machen, an dem wiederum Claudio Abbado, Susanne Lothar und Bruno Ganz beteiligt sind. Das <a target="_blank" href="http://nono.mphase.net/index.php?NonoProjekt">Nonoprojekt</a> ist eine Initiative im Rahmen einer europaweiten Kooperation von IncontriEuropei und dem Netzwerk Le Scuole die Pace mit dem Ziel, „eine t&#228;glich erlebbare Basis f&#252;r gegenseitiges Verstehen, f&#252;r Toleranz und Menschlichkeit“ zu f&#246;rdern. Besonders junge Menschen sollen dabei angesprochen werden.<br />&nbsp;<br />Grundlage bildet neben Dokumentationen und Textmaterialien eine DVD mit dem Film „Luigi Nono – Il canto sospeso“, der auf der oben erw&#228;hnten Auff&#252;hrung basiert und u.a. um Dokumentaraufnahmen aus Konzentrationslagern erweitert ist. Die DVD ist f&#252;r Lehrer kostenlos erh&#228;ltlich, da der Film in Hinblick auf die Verwendung im Unterricht konzipiert wurde.<br />&nbsp;<br />Da ich die Idee gut finde, mal auf etwas andere Weise (interdisziplin&#228;r) Sozialkunde, Politik, Kunst und Geschichte im Unterricht zu gestalten, gestatte ich mir einfach mal diese Anregung, verbunden mit der Hoffnung, da&#223; sie vielleicht von der einen oder anderen Schule aufgegriffen wird, denn der Videofilm (L&#228;nge ca. 50 Minuten) ist ein sehens- und h&#246;renswertes Dokument gegen jede Art von Diktatur, Faschismus und Gewaltanwendung.<br />&nbsp;</p>
<p>&nbsp;<br /><span class="klein"><em>Nachbemerkung: Diese Folge beschlie&#223;t die im November gestartete <a href="http://www.mansol.de/tag/feiertage/">„Feiertagsreihe“</a> mit Vorstellungen von Werken klassischer Musik. Zu Weihnachten wird es einen Beitrag geben, der sich mit Herkunft und Tradition des Weihnachtsfests besch&#228;ftigt und einerseits ein paar Anekdoten enth&#228;lt, andererseits aber auch nicht ganz kritiklos sein wird, den Umgang der Menschen mit diesen Festivit&#228;ten betreffend.</em></span><br />&nbsp;</p>
]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&nbsp;<br />Zum Abschluss der musikalischen <a href="http://www.mansol.de/tag/advent/">Adventsreihe</a> stelle ich ein Werk vor, dem zehn Abschiedsbriefe junger Frauen und M&#228;nner aus Griechenland, Bulgarien, Polen, Ru&#223;land, Italien und Deutschland zugrundeliegen, die als Widerstandsk&#228;mpfer im 2. Weltkrieg von Wehrmacht und SS hingerichtet wurden.<br />&nbsp;<br />Den heutigen letzten Sonntag vor der Weihnacht m&#246;chte ich nun folgerichtig (nicht nur) jenen Widerstandsk&#228;mpfern widmen, lautet der Leitsatz des 4. Advent doch <em>„Rorate, coeli desuper, et nubes pluant iustum“</em> (deutsch: Tauet, ihr Himmel, von oben, und die Wolken sollen herabregnen den Gerechten).<br />&nbsp;<br /> <a href="http://www.mansol.de/2009/12/20/4-advent-luigi-nono-das-chorwerk-il-canto-sospeso/" class="more-link">(weiterlesen&#8230;)</a></p>
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