Nachdem ich am 1. Weihnachtstag eine kleine Sammlung von Wissenswertem zu diesem Fest veröffentlicht habe, möchte ich in diesem Beitrag durchaus mal etwas kritischer den Umgang der Menschen mit diesem Fest und den Tagen danach bis Silvester begutachten. Denn wenn ich zurückdenke an meine Kinderzeit, dann stelle ich fest, daß zwar der Konsum noch nicht alles in der Weise beherrscht hat, wie es heutzutage der Fall ist, doch gleichzeitig muß ich leider ebenso feststellen, daß meine Eltern sich seinerzeit genausowenig mit den Hintergründen der Festivitäten auseinandergesetzt haben wie viele Menschen heute.
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Alle Jahre wieder feiern die Menschen, die sich dem (westlichen) Christentum zuordnen, in diesen Tagen das Fest von Christi Geburt – der Menschwerdung Gottes. Dabei wurde der 25. Dezember als Geburtstag erst zu Beginn des 4. Jhs. amtlich festgelegt und hat rein gar nichts mit dem wirklichen wahrscheinlichen Geburtstag von Jesus zu tun, dessen historische Realität weiterhin umstritten bleibt.
Es kursieren eine ganze Menge möglicher Geburtstage in der Weltgeschichte herum, wobei der 25. Dezember nicht gerade als glaubwürdigstes Datum gehandelt wird, da im Gebiet, in dem Jesus geboren wurde, die Hirten nur von März bis November mit ihren Herden im Freien übernachteten. Wie dem auch sei, da ich im November und Dezember zu den kirchlichen Feiertagen einschließlich den Adventstagen Beiträge geschrieben habe, möchte ich das nun auch zu Weihnachten tun.
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Zum Abschluss der musikalischen Adventsreihe stelle ich ein Werk vor, dem zehn Abschiedsbriefe junger Frauen und Männer aus Griechenland, Bulgarien, Polen, Rußland, Italien und Deutschland zugrundeliegen, die als Widerstandskämpfer im 2. Weltkrieg von Wehrmacht und SS hingerichtet wurden.
Den heutigen letzten Sonntag vor der Weihnacht möchte ich nun folgerichtig (nicht nur) jenen Widerstandskämpfern widmen, lautet der Leitsatz des 4. Advent doch „Rorate, coeli desuper, et nubes pluant iustum“ (deutsch: Tauet, ihr Himmel, von oben, und die Wolken sollen herabregnen den Gerechten).
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Der 3. Advent steht im Zeichen der Freude. Daher möchte ich heute einen Komponisten vorstellen, dem die orthodoxe Religion nach eigenem Bekunden seine Werke „in Ikonen aus Noten statt aus Farbe“ verwandelt hat. Die Rede ist vom britischen Komponisten John Taverner. In seiner Tonsprache versucht er alles Unwesentliche abzustreifen.
Dies ist ihm besonders bei seinem Werk The Protecting Veil von 1987, das ich in diesem Beitrag besprechen werde, sehr gut gelungen.
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Frank,
13.12.2009, 13:35 | Abgelegt unter: Film, Menschen, Musik | RSS 2.0 | TB | Tags: Advent, Feiertage, John Tavener, Klassik, Mythos, Religion, Science Fiction | Keine Kommentare
Nachdem letzte Woche Howard Hanson die Adventsreihe eröffnete, möchte ich zum heutigen 2. Advent den polnischen Komponisten Henryk Gorecki mit seinem wohl bekanntesten Opus vorstellen, der Sinfonie Nr. 3 aus dem Jahre 1976. Gorecki, bis dahin der „radikale Avantgardist“ schlechthin, markiert mit diesem Werk den Beginn einer tiefgreifenden Änderung.
Aus dem Aufruhr verursachenden, vielgelobten „radikalsten Komponisten der polnischen Avantgarde“ wurde der Aufruhr verursachende, noch mehr gelobte „zur Tradition bekehrte“ Komponist atmosphärisch dichter, unmittelbar das Gefühl ansprechender Kompositionen, die durch grandiose Schlichtheit und Reduktion der Mittel überzeugen.
Das Leitmotiv des 2. Advents, „Populus Sion, ecce Dominus veniet ad salvandas gentes“ (deutsch: Volk von Zion, siehe, der Herr wird kommen, zu retten die Völker) gibt die Intention der Werke der 1970er und 1980er Jahre so exakt wieder, dass ich nicht lange überlegen musste, zu diesem dritten Sonntag vor der Weihnacht genau diesen Komponisten auszuwählen.
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Nachdem im November den kirchlichen und weltlichen Feiertagen Tribut gezollt wurde mit entsprechenden musikalischen Empfehlungen, beginnt heute mit dem 1. Advent ein neuer Zyklus, der den Anfang des neuen Kirchenjahrs markiert. Anläßlich des – salopp formuliert - Countdowns zum Weihnachtsfest werde ich an jedem Adventssonntag ein bestimmtes musikalisches Werk der „E-Musik“ empfehlen, das von geistiger Tiefe und einer Art eigenen Ruhe und Geschlossenheit geprägt ist, um Raum zu schaffen für Empathie und Gedenken.
Den Anfang setze ich mit Howard Harold Hanson, einem amerikanischen Komponisten, der sich sehr verdient gemacht hat um die Förderung des Komponistennachwuchses im amerikanischen Raum. Ich werde heute seine Sinfonie Nr. 2, die „Romantische“, besprechen, die vielen Menschen sicher zumindest auszugsweise bekannt sein dürfte, da eines der Motive dieser Sinfonie in der Schlußsequenz des SF-Films „Alien“ (1979) benutzt wurde.
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Der Totensonntag – das protestantische Gegenstück des katholischen Allerseelen – ist zugleich der letzte Sonntag im evangelischen (wie auch im katholischen) Kirchenjahr, bevor mit den 4 Adventssonntagen der neue Zyklus eingeläutet wird. Seinen Ursprung hat der Totensonntag im 15. Jh., da die Reformatoren es ablehnten, das katholische Allerseelen in ihren Festtagskalender aufzunehmen und sich abgrenzen wollten von dem Ihrer Ansicht nach „unerwünschten Gräber- und Totenkult“.
Und so waren Totengedenktage in vielen deutschen evangelischen Gemeinden bis ins frühe 19. Jh. hinein ein Tabuthema, bis im Jahre 1816 der preußische König Friedrich Wilhelm III. den letzten Sonntag im Kirchenjahr zum nationalen Gedenktag für die Gefallenen der Befreiungskriege gegen Napoleon ausrief. Seit dieser Zeit etwa also haben nun auch die evangelischen Christen ihren Gedenktag an die Toten, der mit Gottesdiensten, Gesängen und Gebeten begangen wird.
Das Requiem von Johannes Brahms wurde zwar nicht für den Totensonntag (auch Ewigkeitssonntag, wie er mancherorts genannt wird) komponiert, entspricht jedoch durchaus dem Geiste des Protestantismus, da diese Messe eher den Hinterbliebenen Trost spenden möchte, als daß sie eine Fürbitte für die Toten wäre, und außerdem nicht in lateinischer, sondern deutscher Sprache gesungen wird.
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Heute ist Volkstrauertag. Dieser Gedenktag wurde vom „Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge“ ins Leben gerufen, um die Erinnerung an die vielen Opfer des (Ersten) Weltkriegs wachzuhalten. Im Jahre 1922 wurde er das erste Mal offiziell begangen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Tag in gemeinsamer Abstimmung zwischen der Bundesregierung, den Ländern und der großen Glaubensgemeinschaften in Deutschland auf den vorletzten Sonntag im Kirchenjahr (evangelisch) bzw. auf den 33. Sonntag im Jahreskreis (katholisch) gelegt, um der Opfer und Verfolgten beider Weltkriege zu gedenken.
Von daher finde ich es sehr naheliegend, an diesem heutigen Tag auf ein Werk des russischen Komponisten Dmitri Schostakowitsch hinzuweisen, das dieser 1960 innerhalb von nur wenigen Tagen schrieb und mit der Widmung versah Dem Gedächtnis der Opfer von Krieg und Faschismus: das Streichquartett Nr. 8 c-moll op. 110 - bzw. die Bearbeitung des russischen Dirigenten Rudolf Barshai zur Kammersinfonie op. 110a.
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Heute ist Allerseelen, der Gedenk- und Fürbittetag für die Seelen der „Normalsterblichen“, der unmittelbar auf Allerheiligen, dem Gedenktag der christlichen Heiligen und Märtyrer, folgt und für gläubige Menschen wohl von größerer Bedeutung ist. Auch wenn Gabriel Faure sein Requiem op. 48 wohl nicht im Hinblick auf dieses kirchliche Hochfest komponiert hat -es wurde übrigens am 16. Januar 1888 in der Kirche, in der er als Kapellmeister und Chorleiter wirkte, das erste Mal aufgeführt - bin ich überzeugt davon, daß gerade diese Totenmesse für diesen Tag prädestiniert ist.
Warum ich das so sehe, habe ich gestern in einer längeren Einführung bereits erläutert. Sie müssen sie natürlich nicht gelesen haben, um der nun folgenden detaillierten Besprechung dieses Werkes folgen zu können, doch als Hintergrundinformation halte ich den gestrigen Beitrag allemal für empfehlenswert, da er aufzeigt, was gerade aus philosophischer und kulturhistorischer Sicht diese Messe so bemerkenswert macht – vom Kompositorischen einmal abgesehen.
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Heute ist der 1. November, Allerheiligen. An diesem Tag wird in der römisch-katholischen Konfession all der Märtyrer und Heiligen der christlichen Kirche gedacht. Einen Tag darauf ist Allerseelen, das dann dem Gedenken aller Verstorbener gewidmet ist. Zu diesen beiden zusammenhängenden Gebets- und Andachtstagen möchte ich auf ein Requiem aufmerksam machen, das sich von den – höchstwahrscheinlich bekannteren – Totenmessen Verdis und Mozarts um einiges unterscheidet.
Gabriel Faures Requiem ist weder ein Auftragswerk, noch folgt es in allen Punkten dem traditionellen Ablauf der katholischen Totenmesse. So verzichtet Faure bewußt auf jene dramatisierenden Komponenten, die den Gott des Zorns und das himmlische Strafgericht thematisieren, sondern zielt darauf ab, ein friedvoll anmutendes und trostspendendes Werk auszugestalten, das dem Tod seinen Stachel raubt. Eine Totenmesse, die sich auf liebevolle Weise den Hinterbliebenen annimmt. Ein Werk der caritas, aber auch der charis.
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