Johannes Brahms – Ein Deutsches Requiem op. 45
Der Totensonntag – das protestantische Gegenstück des katholischen Allerseelen – ist zugleich der letzte Sonntag im evangelischen (wie auch im katholischen) Kirchenjahr, bevor mit den 4 Adventssonntagen der neue Zyklus eingeläutet wird. Seinen Ursprung hat der Totensonntag im 15. Jh., da die Reformatoren es ablehnten, das katholische Allerseelen in ihren Festtagskalender aufzunehmen und sich abgrenzen wollten von dem Ihrer Ansicht nach „unerwünschten Gräber- und Totenkult“.
Und so waren Totengedenktage in vielen deutschen evangelischen Gemeinden bis ins frühe 19. Jh. hinein ein Tabuthema, bis im Jahre 1816 der preußische König Friedrich Wilhelm III. den letzten Sonntag im Kirchenjahr zum nationalen Gedenktag für die Gefallenen der Befreiungskriege gegen Napoleon ausrief. Seit dieser Zeit etwa also haben nun auch die evangelischen Christen ihren Gedenktag an die Toten, der mit Gottesdiensten, Gesängen und Gebeten begangen wird.
Das Requiem von Johannes Brahms wurde zwar nicht für den Totensonntag (auch Ewigkeitssonntag, wie er mancherorts genannt wird) komponiert, entspricht jedoch durchaus dem Geiste des Protestantismus, da diese Messe eher den Hinterbliebenen Trost spenden möchte, als daß sie eine Fürbitte für die Toten wäre, und außerdem nicht in lateinischer, sondern deutscher Sprache gesungen wird.
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