Hatte ich in meinem letzten Beitrag zu Erich Kästner den Fokus auf seine Chansons und Prosa der Jahre 1945 bis 1948 gelegt, die im Bändchen „Der tägliche Kram“ zusammengefaßt sind, so möchte ich heute „Die kleine Freiheit“ besprechen, die Chansons und Prosa der Jahre 1949 bis 1952 enthält und die Entstehung und allerersten Jahre der Bundesrepublik dokumentiert – aus der Sicht eines Moralisten natürlich, der seinen Landsleuten den (schon damals) dringend benötigten Spiegel vorhält.
Vor nicht allzulanger Zeit haben wir 60 Jahre Grundgesetz gefeiert (na ja, im Groben), in einer Phase, in der unsere Politiker sich als ärgste Feinde eben dieses Grundgesetzes generieren, denn wie sollte es anders zu erklären sein, daß das Bundesverfassungsgericht in schöner Regelmäßigkeit Gesetze einkassiert, weil sie gegen das Grundgesetz verstoßen? Erich Kästners Schriften der frühen Jahre der Bundesrepublik lassen insofern aufmerken, daß es wohl schon von Beginn an Politikersport war, das Grundgesetz auszuhöhlen, kaum daß es verabschiedet war.
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Heute ist zwar bereits der 7. Februar, doch es ist der erste Sonntag des Monats, und so feiere ich ein kleines und wohl nur mir wichtiges Jubiläum. Der 1. Februar des letzten Jahres war ebenfalls der erste Sonntag, und an diesem Tag ging dieses Blog online, damit ich mir selbst einen Ausgleich schaffen konnte zur Tagespolitik, der ich es unseligerweise erlaubt hatte, mein damaliges Blog “Amok Koma” zum Schluß so derartig zu dominieren, daß ich nahe dran war, geistig zu veröden.
Eröffnet wurde mit Walt Whitman und einem meiner Lieblingsgedichte von ihm. Bemerkenswerterweise – es war mir zu diesem Zeitpunkt gar nicht bewußt – war 2009 auch das Jahr der Astronomie, und es finden sich recht viele Beiträge in diesem Blog (das war dann schon mehr oder weniger beabsichtigt), die das Thema zumindest streifen. Nun, dieses kleine Jubiläum möchte ich nun mit einem Dichter begehen, an dem wohl kein(e) Deutsche(r) vorbeikommt, obs gefällt oder nicht.
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Alle Jahre wieder feiern die Menschen, die sich dem (westlichen) Christentum zuordnen, in diesen Tagen das Fest von Christi Geburt – der Menschwerdung Gottes. Dabei wurde der 25. Dezember als Geburtstag erst zu Beginn des 4. Jhs. amtlich festgelegt und hat rein gar nichts mit dem wirklichen wahrscheinlichen Geburtstag von Jesus zu tun, dessen historische Realität weiterhin umstritten bleibt.
Es kursieren eine ganze Menge möglicher Geburtstage in der Weltgeschichte herum, wobei der 25. Dezember nicht gerade als glaubwürdigstes Datum gehandelt wird, da im Gebiet, in dem Jesus geboren wurde, die Hirten nur von März bis November mit ihren Herden im Freien übernachteten. Wie dem auch sei, da ich im November und Dezember zu den kirchlichen Feiertagen einschließlich den Adventstagen Beiträge geschrieben habe, möchte ich das nun auch zu Weihnachten tun.
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Lag der Schwerpunkt des ersten Teils dieser Buchbesprechung eher auf der formalen Ebene der Umsetzung und Ausgestaltung der Arbeit Friedells, so geht es heute um den geistigen und programmatischen Hintergrund, auch wenn Form und Inhalt natürlich nicht so eindeutig zu trennen sind, wie es nun vielleicht den Anschein erweckt. Denn die Stilmittel, die Friedell anwendet, fußen eben auch auf der grundsätzlichen Prioritätensetzung bei seiner Kulturgeschichte der Neuzeit.
Eine, wenn nicht die wichtigste Priorität, räumt Friedell der Krisis der Seele ein, d.h., die Geschichte der Menschheit in Europa ist für Friedell eine Geschichte ihrer Krisen, ihrer geistigen und seelischen Entwicklung, und der Auslöser für diese Entwicklung ist, wie auch häufig bei einzelnen Menschen, der Ausbruch einer Krankheit. Und so markiert er in seiner Kulturgeschichte den Ausbruch der Schwarzen Pest anno 1348 in Europa als den Beginn der Neuzeit.
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Wie im letzten Artikel zu Egon Friedell angekündigt, bespreche ich heute sein Hauptwerk: Kulturgeschichte der Neuzeit - Untertitel: Die Krisis der europäischen Seele von der Schwarzen Pest bis zum Weltkrieg. Der Untertitel deutet schon an, daß hier nicht irgendwelche Triebmechanismen oder soziologische Überlegungen die Hauptrolle spielen werden bei der geschichtshistorischen Aufarbeitung und Beurteilung von rund 500 Jahren Entwicklung in der Lebenswirklichkeit der Menschen, sondern der Blick vielmehr explizit auf die geistige und seelische Verfassung des Menschen an sich gerichtet wird.
Außerdem weicht Friedell vom Gros der Historiker seiner Zeit ab in der Frage der Terminierung der Neuzeit, die ja das Mittelalter als Epoche in Europa ablöst. Er setzt den Beginn der Neuzeit mit dem Ausbruch der Schwarzen Pest an, im Jahr 1348, also rund ein bis zwei Jahrhunderte früher als seine „Berufskollegen“. Warum er das tut erläutert er auch im Vorwort und dem ersten Kapitel seines Werks. Doch das sind bei weitem nicht die einzigen Unterschiede zwischen Friedells Werk und dem der anderen. Sein programmatischer Ansatz und seine Deutungsweise der kulturgeschichtlichen Entwicklung stehen in der Relation zu den anderen kulturhistorischen Abrissen seiner Zeit einzigartig da.
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Lag der Schwerpunkt zu Egon Friedell in meinem ersten Beitrag noch auf dem Kabarettisten, Schauspieler, Cafehausbesucher und „munteren Seifensieder“ (Karl Kraus), so widmet sich der heutige Beitrag dem „ernsteren“ Friedell, der nach dem Weltkriege – auch aus gesundheitlichen Gründen – gesellschaftlich und beruflich kürzer trat, um sich nunmehr seiner eigentlichen Passion hinzugeben: eines umfangreichen kulturhistorischen und -philosophischen Essays, um die „Kulturgeschichte der Neuzeit“ auf atemberaubende Weise neu zu deuten und kritisch zu hinterfragen.
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Dies ist der Titel eines kleinen Hardcover-Büchleins des Haffmans-Verlags aus dem Jahr 1989. Es ist zugleich das erste Buch mit Texten von Friedell, das ich in die Hände bekommen habe. Bis dato hatte ich zwar hier und da von Egon Friedell gehört, doch was ich über ihn wußte, war sehr spärlich. Ich hielt ihn für einen Aphoristen und einen literarisch angehauchten Kabarettisten von etwas besserer Qualität als viele seiner Kollegen.
Es ist nicht so, daß das nicht stimmen würde, aber es ist eben auch nur ein Bruchteil dessen, was Friedells wirkliche Qualitäten betrifft. Denn – wie ich nun seit Jahren weiß – dieser Mann ist einer der intelligentesten und unkonventionellsten Denker, Philosophen und Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Und er zählt zu jenen, die es eigentlich aufgrund der Wissensexplosion in den Wissenschaften nach Leibnitz gar nicht mehr hätte geben dürfen: zu den Universalgelehrten.
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