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Tag: Religion

Frau Käßmann, der Krieg und die Kritik

 
Wer sich durch den obigen Titel an die Alliteration Kinder, Küche, Kirche erinnert fühlt, liegt gar nicht so weit daneben, denn ich bin der festen Überzeugung, daß die harsche und teils völlig überzogene Kritik an Frau Käßmanns Position zum Afghanistankrieg aus politischen und (leider auch) intellektuellen Kreisen aus genau jenem schlammigen Nährboden erwächst, den die Theatermacher Dario Fo und Franca Rame bereits vor Jahrzehnten u.a. in ihrem Stück „Nur Kinder, Küche, Kirche“ kritsch hinterfragten und teils persiflierten.
 
Aber ich möchte in diesem Beitrag nicht über die Theaterstücke schreiben, auch wenn sie nach wie vor aktueller sind, als manche Menschen wahrhaben möchten; in diesem Beitrag möchte ich vielmehr auf grundsätzliche Muster eingehen, die mir im Zusammenhang mit Frau Käßmann, den Umgang mit Afghanistan und der Kritik am Krieg auffallen. Es sind inhumane und demokratiefeindliche Muster, es sind Muster, die den sogenannten geistigen Fortschritt der Menschheit ernsthaft in Frage stellen.
 
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Weihnachten – Silvester – Jahresendzeit – Streßzeit?

 
Nachdem ich am 1. Weihnachtstag eine kleine Sammlung von Wissenswertem zu diesem Fest veröffentlicht habe, möchte ich in diesem Beitrag durchaus mal etwas kritischer den Umgang der Menschen mit diesem Fest und den Tagen danach bis Silvester begutachten. Denn wenn ich zurückdenke an meine Kinderzeit, dann stelle ich fest, daß zwar der Konsum noch nicht alles in der Weise beherrscht hat, wie es heutzutage der Fall ist, doch gleichzeitig muß ich leider ebenso feststellen, daß meine Eltern sich seinerzeit genausowenig mit den Hintergründen der Festivitäten auseinandergesetzt haben wie viele Menschen heute.
 
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Wissenswertes zu Weihnachten

 
Alle Jahre wieder feiern die Menschen, die sich dem (westlichen) Christentum zuordnen, in diesen Tagen das Fest von Christi Geburt – der Menschwerdung Gottes. Dabei wurde der 25. Dezember als Geburtstag erst zu Beginn des 4. Jhs. amtlich festgelegt und hat rein gar nichts mit dem wirklichen wahrscheinlichen Geburtstag von Jesus zu tun, dessen historische Realität weiterhin umstritten bleibt.
 
Es kursieren eine ganze Menge möglicher Geburtstage in der Weltgeschichte herum, wobei der 25. Dezember nicht gerade als glaubwürdigstes Datum gehandelt wird, da im Gebiet, in dem Jesus geboren wurde, die Hirten nur von März bis November mit ihren Herden im Freien übernachteten. Wie dem auch sei, da ich im November und Dezember zu den kirchlichen Feiertagen einschließlich den Adventstagen Beiträge geschrieben habe, möchte ich das nun auch zu Weihnachten tun.
 
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3. Advent - John Tavener – The Protecting Veil

 
Der 3. Advent steht im Zeichen der Freude. Daher möchte ich heute einen Komponisten vorstellen, dem die orthodoxe Religion nach eigenem Bekunden seine Werke „in Ikonen aus Noten statt aus Farbe“ verwandelt hat. Die Rede ist vom britischen Komponisten John Taverner. In seiner Tonsprache versucht er alles Unwesentliche abzustreifen.
Dies ist ihm besonders bei seinem Werk The Protecting Veil von 1987, das ich in diesem Beitrag besprechen werde, sehr gut gelungen.
 
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2. Advent - Henryk Gorecki - Sinfonie der Klagelieder - Sinf. Nr. 3 op. 36

 
Nachdem letzte Woche Howard Hanson die Adventsreihe eröffnete, möchte ich zum heutigen 2. Advent den polnischen Komponisten Henryk Gorecki mit seinem wohl bekanntesten Opus vorstellen, der Sinfonie Nr. 3 aus dem Jahre 1976. Gorecki, bis dahin der „radikale Avantgardist“ schlechthin, markiert mit diesem Werk den Beginn einer tiefgreifenden Änderung.
 
Aus dem Aufruhr verursachenden, vielgelobten „radikalsten Komponisten der polnischen Avantgarde“ wurde der Aufruhr verursachende, noch mehr gelobte „zur Tradition bekehrte“ Komponist atmosphärisch dichter, unmittelbar das Gefühl ansprechender Kompositionen, die durch grandiose Schlichtheit und Reduktion der Mittel überzeugen.
 
Das Leitmotiv des 2. Advents, „Populus Sion, ecce Dominus veniet ad salvandas gentes“ (deutsch: Volk von Zion, siehe, der Herr wird kommen, zu retten die Völker) gibt die Intention der Werke der 1970er und 1980er Jahre so exakt wieder, dass ich nicht lange überlegen musste, zu diesem dritten Sonntag vor der Weihnacht genau diesen Komponisten auszuwählen.
 
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1. Advent - Howard Hanson – Sinfonie Nr. 2 – die Romantische

 
Nachdem im November den kirchlichen und weltlichen Feiertagen Tribut gezollt wurde mit entsprechenden musikalischen Empfehlungen, beginnt heute mit dem 1. Advent ein neuer Zyklus, der den Anfang des neuen Kirchenjahrs markiert. Anläßlich des – salopp formuliert - Countdowns zum Weihnachtsfest werde ich an jedem Adventssonntag ein bestimmtes musikalisches Werk der „E-Musik“ empfehlen, das von geistiger Tiefe und einer Art eigenen Ruhe und Geschlossenheit geprägt ist, um Raum zu schaffen für Empathie und Gedenken.
 
Den Anfang setze ich mit Howard Harold Hanson, einem amerikanischen Komponisten, der sich sehr verdient gemacht hat um die Förderung des Komponistennachwuchses im amerikanischen Raum. Ich werde heute seine Sinfonie Nr. 2, die „Romantische“, besprechen, die vielen Menschen sicher zumindest auszugsweise bekannt sein dürfte, da eines der Motive dieser Sinfonie in der Schlußsequenz des SF-Films „Alien“ (1979) benutzt wurde.
 
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Johannes Brahms – Ein Deutsches Requiem op. 45

 
Der Totensonntag – das protestantische Gegenstück des katholischen Allerseelen – ist zugleich der letzte Sonntag im evangelischen (wie auch im katholischen) Kirchenjahr, bevor mit den 4 Adventssonntagen der neue Zyklus eingeläutet wird. Seinen Ursprung hat der Totensonntag im 15. Jh., da die Reformatoren es ablehnten, das katholische Allerseelen in ihren Festtagskalender aufzunehmen und sich abgrenzen wollten von dem Ihrer Ansicht nach „unerwünschten Gräber- und Totenkult“.
 
Und so waren Totengedenktage in vielen deutschen evangelischen Gemeinden bis ins frühe 19. Jh. hinein ein Tabuthema, bis im Jahre 1816 der preußische König Friedrich Wilhelm III. den letzten Sonntag im Kirchenjahr zum nationalen Gedenktag für die Gefallenen der Befreiungskriege gegen Napoleon ausrief. Seit dieser Zeit etwa also haben nun auch die evangelischen Christen ihren Gedenktag an die Toten, der mit Gottesdiensten, Gesängen und Gebeten begangen wird.
 
Das Requiem von Johannes Brahms wurde zwar nicht für den Totensonntag (auch Ewigkeitssonntag, wie er mancherorts genannt wird) komponiert, entspricht jedoch durchaus dem Geiste des Protestantismus, da diese Messe eher den Hinterbliebenen Trost spenden möchte, als daß sie eine Fürbitte für die Toten wäre, und außerdem nicht in lateinischer, sondern deutscher Sprache gesungen wird.
 
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Gabriel Faure – Requiem op. 48 – die anmutige und friedvolle Totenmesse

 
Heute ist Allerseelen, der Gedenk- und Fürbittetag für die Seelen der „Normalsterblichen“, der unmittelbar auf Allerheiligen, dem Gedenktag der christlichen Heiligen und Märtyrer, folgt und für gläubige Menschen wohl von größerer Bedeutung ist. Auch wenn Gabriel Faure sein Requiem op. 48 wohl nicht im Hinblick auf dieses kirchliche Hochfest komponiert hat -es wurde übrigens am 16. Januar 1888 in der Kirche, in der er als Kapellmeister und Chorleiter wirkte, das erste Mal aufgeführt - bin ich überzeugt davon, daß gerade diese Totenmesse für diesen Tag prädestiniert ist.
 
Warum ich das so sehe, habe ich gestern in einer längeren Einführung bereits erläutert. Sie müssen sie natürlich nicht gelesen haben, um der nun folgenden detaillierten Besprechung dieses Werkes folgen zu können, doch als Hintergrundinformation halte ich den gestrigen Beitrag allemal für empfehlenswert, da er aufzeigt, was gerade aus philosophischer und kulturhistorischer Sicht diese Messe so bemerkenswert macht – vom Kompositorischen einmal abgesehen.
 
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Gabriel Faure - Anmut, Gnade und der Geist der caritas im Requiem op. 48

 
Heute ist der 1. November, Allerheiligen. An diesem Tag wird in der römisch-katholischen Konfession all der Märtyrer und Heiligen der christlichen Kirche gedacht. Einen Tag darauf ist Allerseelen, das dann dem Gedenken aller Verstorbener gewidmet ist. Zu diesen beiden zusammenhängenden Gebets- und Andachtstagen möchte ich auf ein Requiem aufmerksam machen, das sich von den – höchstwahrscheinlich bekannteren – Totenmessen Verdis und Mozarts um einiges unterscheidet.
 
Gabriel Faures Requiem ist weder ein Auftragswerk, noch folgt es in allen Punkten dem traditionellen Ablauf der katholischen Totenmesse. So verzichtet Faure bewußt auf jene dramatisierenden Komponenten, die den Gott des Zorns und das himmlische Strafgericht thematisieren, sondern zielt darauf ab, ein friedvoll anmutendes und trostspendendes Werk auszugestalten, das dem Tod seinen Stachel raubt. Eine Totenmesse, die sich auf liebevolle Weise den Hinterbliebenen annimmt. Ein Werk der caritas, aber auch der charis.
 
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Eine Vorschau auf November und Dezember

 
Das Jahr nähert sich dem Ende, und in den letzten beiden Monaten werden sich meine Beiträge um den Komplex Leben, Tod und Wiedergeburt drehen. Dabei orientiere ich mich bewußt an den kirchlichen Feiertagen, auch wenn ich selbst nicht konfessionell gebunden bin und mich nicht als gläubig im herkömmlichen christlichen Sinne bezeichnen möchte. Über den Sinn von Religion und damit verbundene Glaubensfragen ließe sich natürlich trefflich streiten – doch dies möchte ich im November und Dezember nicht tun.
 
Denn genau in diesen Tagen endet der Zyklus des Kirchenjahrs und ein neuer Zyklus beginnt. Bemerkenswerterweise gibt es hier innerhalb der christlichen Traditionen zwischen der römisch-katholischen und der lutherisch-evangelischen Kirche durchaus Unterschiede, was die Bedeutung bestimmter Feiertage betrifft. So sind die beiden kommenden Festtage direkt am Anfang des Monats November: Allerheiligen und Allerseelen, katholische Feiertage, während die Protestanten am 22. November den Totensonntag sozusagen als Gegenentwurf installiert haben.
 
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